Blick hinter die Kulissen: So funktioniert eine Kläranlage
Blick hinter die Kulissen: Die Ferienpasskinder besichtigen die Kläranlage. Foto: Exner
Im Rahmen des Ferienpasses haben jetzt Kinder die Bad Harzburger Kläranlage besucht. Gemeinsam mit Abwassermeister Jens Göttling waren sie einen Blick hinter die Kulissen. Der komplizierte Prozess in einfachen Worten erklärt.
Bad Harzburg. In einer Kläranlage gibt es laute Maschinen, braunen Schlamm und an einigen Stellen kann es auch mal unangenehm riechen. Klar, hier kommt ja auch all das an, was daheim in der Toilette oder im Abfluss landet. Doch was passiert dann eigentlich genau damit? Das wollte am Mittwoch eine Gruppe Bad Harzburger Ferienpasskinder wissen, die gemeinsam mit Florian Hinz und Gero Laube vom Jugendtreff die Anlage am Radauanger besuchten. Abwassermeister Jens Göttling führte sie herum.
Rund 110 Kilometer Regenwasser- und 130 Kilometer Schmutzwasserkanal transportieren das Abwasser Bad Harzburgs, seiner Ortsteile und übrigens auch das der abgelegenen Ausflugsgaststätten Molkenhaus und Rabenklippe zur Kläranlage. Überwiegend dank natürlichen Gefälles. Dort, wo das nicht geht, setzen 13 Pumpwerke das Wasser in Bewegung. Im Schnitt kommen, Regenwasser nicht mitgezählt, 2,4 Millionen Kubikmeter Abwasser im Jahr am Radauanger an. Das entspricht etwa zwölf Millionen randvollen Badewannen.
In den Jahren 1905 bis 1907 war die Kanalisation für Bad Harzburg, Bündheim und Schlewecke fertiggestellt worden, zunächst mit einer Länge von 18,4 Kilometern. Über die Jahre baute die Stadt das Netz aus. 1906 entstand die Kläranlage. Heute ist sie die zweitgrößte im Landkreis Goslar.
Von Gebissen bis Uhren
An einem Knotenpunkt vor der Kläranlage laufen alle Abwasserleitungen zusammen. Von dort gelangen gut 80 Liter Schmutzwasser pro Sekunde zunächst in die mechanische Reinigung: Mithilfe eines sehr feinmaschigen Rechens, mit einer Spaltweite von nur drei Millimetern, werden die gröbsten Verunreinigungen herausgefiltert. Diese und nicht etwa der während des weiteren Reinigungsprozesses ebenfalls entstehende Klärschlamm sind es übrigens, die einen üblen Geruch erzeugen.
Puh, Nase lieber zuhalten! Jens Göttling (links) zeigt den Kindern, wo das Abwasser zuerst hinfließt: den Rechen, die sogenannte mechanische Reinigung. Foto: Exner
Einmal habe jemand in der Kläranlage angerufen, dem sein Gebiss in den Abfluss gefallen sei, berichtet Göttling. Ein anderer habe auf gleiche Weise eine besonders wertvolle Uhr verloren. Derjenige habe den Mitarbeitern der Kläranlage gar 5000 Euro geboten, wenn diese die Uhr wiederfinden. In solchen Fällen bestehe allerdings kaum bis gar keine Aussicht, die Gegenstände zurückzubekommen, erklärt Göttling. Erstens könne es sein, dass diese nämlich gar nicht erst in der Kläranlage ankommen, sondern schon irgendwo auf dem Weg in der Kanalisation hängen bleiben. Zweitens ließen sich die Gegenstände in der Pampe, die in der Kläranlage ankommt, mit bloßem Auge kaum bis gar nicht erkennen.
Von der mechanischen Reinigung gelangt das Wasser in einen Sandfang, in dem sich Sand, Fett und weitere Schwebstoffe absetzen und aus dem Abwasser entfernt werden. Übrig bleibt vorgereinigtes, braunes Abwasser, das in sechs Meter tiefen Becken landet. Dort übernehmen schließlich Bakterien die Arbeit – sie reinigen es auf natürliche Weise.
In einer großen Lagerhalle landen am Ende des Klärprozesses übers Jahr verteilt Tausende Tonnen Schlamm. Dieser wird abgeholt und in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt. Foto: Exner

In der sogenannten Kammerfilterpresse wird der Klärschlamm bei 400 Bar Druck entwässert. Foto: Exner
Für Katastrophen gerüstet
Das Wasser wiederum erreicht im Nachklärbecken einen Reinigungsgrad von bis zu 99 Prozent. Von dort wird es in sogenannte Schönungsteiche geleitet, in denen ihm die Natur den „letzten Schliff“ verpasst. Dann beginnt der Wasserkreislauf von Neuem. Drei Tage dauere es übrigens, bis das Wasser vom Zulauf einmal durch die ganze Kläranlage bis zum Ablauf geflossen sei, erklärt Göttling.

Die Kläranlage ist für Ausfälle gerüstet. Fällt etwa mal eine Pumpe aus, springt eine zweite ein. Foto: Exner

Regelmäßig müssen die Mitarbeiter der Kläranlage das Wasser auf seine Qualität prüfen. Dafür gibt es auf dem Gelände eigens ein Labor. Foto: Exner
Regelmäßig muss das Wasser in der Kläranlage auf seine Reinheit überprüft werden, ob es den immer strenger werdenden Richtlinien entspricht; eigens dafür gibt es auf dem Gelände ein Labor. Geht mal etwas kaputt, legen die Mitarbeiter in der Regel selbst Hand an. Passiert dies allerdings unter der Wasseroberfläche und zwischen Tonnen von Klärschlamm, kommen Industrietaucher zum Einsatz – zu kostenintensiv wäre es nämlich, die Becken zu diesem Zweck abzulassen.
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