Leben mit nur noch drei Beinen: So beißt sich Kater Lucky durch
Das Laufen klappt schon wieder ganz gut, doch alleine rausgehen darf Lucky mittlerweile nicht mehr. Foto: Exner
Zweieinhalb Tage war der Schlewecker Kater Lucky verschwunden, dann kam er schwer verletzt zurück. Ein Bein musste amputiert werden – so geht es dem Tier heute.
Schlewecke. Kater Lucky streckt schnuppernd die Nase gen Himmel und blinzelt in die Sonne. Früher wäre er jetzt vermutlich aufs nahe Gartenhaus geklettert, über die Regenrinne balanciert und dann übers Schlafzimmerfenster ins Haus gelangt, zu seinen Besitzern Ingrid Schiedung und Peter Meißner. Doch heute geht das nicht mehr. Vor ein paar Monaten hatte Lucky nämlich einen schlimmen Unfall – und seitdem fehlt ihm ein Bein. Wie kommt er heute damit klar?
Jahrelang war das Tier abends gegen 21 Uhr durch eine elektronisch geschaltete Katzenklappe nach draußen gelaufen, durch die Nachbarschaft gestreift und ganz früh am Morgen in sein Zuhause in der Schlewecker Radaustraße zurückgekehrt. Am Morgen des 13. August jedoch kam er nicht zurück.
Die Nacht des Unfalls
Zweieinhalb Tage lang blieb Lucky verschwunden. Seine Besitzer machten sich große Sorgen. Dann tauchte das Tier plötzlich wieder auf. Doch dort, wo seine rechte Pfote war, klaffte eine schreckliche Wunde. Ingrid Schiedung und Peter Meißner eilten mit ihm zum Tierarzt, der jedoch nichts mehr machen konnte, außer das ganze Bein zu amputieren. Die Verletzung, so hieß es damals von seiner Seite, muss nämlich schon einige Stunden oder Tage alt gewesen sein, das Bein sei entsprechend nicht mehr zu retten gewesen. Lucky habe großes Glück gehabt, nicht verblutet oder verdurstet zu sein.Geschichten aus der Tierwelt
Die Nacht, in der Kater Lucky sein Beinchen verliert
Wie es zu der Verletzung kam, ist bis heute unklar. Schiedung und Meißner hatten die Polizei eingeschaltet. Die habe aber die Ermittlungen mittlerweile wieder eingestellt. Das Schlewecker Ehepaar ist ihrem Tierarzt sehr dankbar, habe der doch schließlich dafür gesorgt, dass der mittlerweile 16-jährige Lucky – ihr „Kind“, wie die beiden ihn liebevoll nennen – noch ein paar Jahre weiterleben kann.
So geht es Lucky heute
Doch hat sich das Tier von seinen schlimmen Erlebnissen schon gänzlich erholt?
Körperlich schon. Zumindest wirkt Lucky so, als habe er sich mit seiner Situation arrangiert. Manchmal sieht man seinen Körper noch dort zucken, wo mal das Vorderbein war. Es mag also sein, dass er hin und wieder noch Phantomschmerzen hat. Das Laufen klappt allerdings sehr gut. „Wir haben viel zusammen geübt“, berichtet Peter Meißner. Aufs Sofa komme Lucky auch schon wieder alleine rauf, nur wieder runterzuspringen, sei für ihn zu schwierig. Eine Prothese komme für das Tier laut seiner Besitzer übrigens nicht in Frage, da diese erstens zu teuer und Lucky zweitens dafür ohnehin zu alt sei.Ohne Leine durch die Nachbarschaft
Treue auf vier Pfoten: Kater Lucky denkt, er sei ein Hund
Psychisch hingegen scheint das Tier die Geschehnisse aus dem Sommer nicht gut verarbeitet zu haben. Sie lasten noch immer auf der kleinen Katzenseele. Lucky bekomme ein Medikament zur Stimmungsaufhellung verabreicht, sei jedoch unrein geworden und auch schreckhafter, berichten seine Besitzer. Die möchten ihn aus Sorge nun auch nicht mehr allein nach draußen lassen. Lucky fehlt es sichtlich, jede Nacht auf die Pirsch gehen zu können. Oft sitze der Kater am Fenster und schaue nach draußen, erzählt Meißner. Doch die Katzeneltern wollen ihrem „Kind“ jene Lebensfreude natürlich auch nicht gänzlich nehmen. Wenn das Tier ins Freie darf, dann nur auf den eigenen Hinterhof und in Begleitung. Demnächst wolle man auch eine Katzenleine ausprobieren.

Seit 14 Jahren lebt Kater Lucky bei Peter Meißner und Ingrid Schiedung. Foto: Schlegel/GZ-Archiv
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