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Lost Place in Lautenthal

GZ Plus IconErmittlungen zum Waldkater-Feuer sind eingestellt – Brandruine bleibt

Einsturzgefährdetes Haus

Das Gebäude scheint einsturzgefährdet. Foto: Leifeld

Vor über einem Jahr brannte das verlassene Hotel Waldkater. Der Zustand um die Ruine erhitzt aber noch immer die Gemüter.

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Von Andrea Leifeld
Dienstag, 13.01.2026, 04:00 Uhr

Lautenthal. Auch über ein Jahr nach dem verheerenden Feuer im ehemaligen Hotel Waldkater erhitzen sich die Gemüter und viele Fragen nach dem weiteren Umgang mit der Brandruine stehen im Raum. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wurden inzwischen eingestellt.

Zur Erinnerung: Am Abend des 15. November 2024 war in jenem markanten Holzgebäude, gelegen an der L 516 zwischen der ehemals freien Bergstadt Lautenthal und dem Kurort und Goslarer Stadtteil Hahnenklee, ein Feuer ausgebrochen und mehr als 150 Einsatzkräfte verschiedener Feuerwehren hatten bis in die Morgenstunden mit Manpower und viel Technik gegen die Flammen angekämpft.

Feuerwehrfahrzeuge an Einsatzstelle.

Der Löscheinsatz dauerte damals bis in die Morgenstunden. Foto: Leifeld

Seit jener Nacht hat sich rund um das baufällige Gebäude nur wenig getan.

Brandruine erhitzt Gemüter

„Es ist immer wieder ein Thema im Ort“, schildert Ortsbürgermeister Rene Philipp. Auch Nachfragen bei Ortsratssitzungen gäbe es immer wieder, was mit dem maroden Holzgebäude geschehen wird. „Aber wir können gar nichts sagen. Wir wissen es selbst nicht.“ Das ehemalige Hotel Waldkater liegt außerhalb der Ortschaft, aber auch anders hätte der Ortsrat keinerlei Zuständigkeit. „Wir haben noch ein zweites, ähnliches Gebäude im Ort. Da tut sich auch nichts und wir können auch dort nichts machen“, so Philipp.

Die Tatsache der erzwungenen Untätigkeit ist es auch, die Ingo Henze als Bürgermeister der Stadt Langelsheim maßlos ärgert. „Wir als Stadt können alles Mögliche anordnen: dass Grundstücksbesitzer überstehende Äste abschneiden, die Gosse reinigen oder Stolpergefahren beseitigen, aber wenn ein baufälliges Gebäude einzustürzen droht und möglicherweise große Gefahren für Leib und Leben drohen, liegt das nicht in unserer Zuständigkeit“, ärgert er sich kopfschüttelnd.

Schuhabdrücke im Schnee.

Hat die Ruine trotz aller Gefahren heimliche Besucher? Zu ihr führen Fußabdrücke im Schnee. Foto: Leifeld

Die wiederkehrenden Anfragen besorgter Bürger, die auf das baufällige Gebäude in direkter Nähe zur Landesstraße hinweisen, können Henze und das Ordnungsamt der Stadt nur entgegennehmen und an den Landkreis Goslar als Bauordnungsbehörde weiterleiten. Wohl gab es Möglichkeiten, solche „Schrott-Immobilien“ beseitigen zu können, erinnert Henze an ein, einst bestehendes Programm, aber auch dort konnten die Behörden nur mit Zustimmung des Eigentümers tätig werden. In einem anderen Fall sei gar eine sinnvolle Lost-Place-Nachnutzung gelungen: Am ehemaligen Königsberg-Sanatorium oberhalb der Granetalsperre trainiert mittlerweile eine Rettungshundestaffel in den Brandruinen der Gebäude.

Aufforderung, die Zufahrt abzusperren

So geht die Recherche weiter: „Der Eigentümer des ehemaligen Hotels Waldkater wurde aufgefordert, die Zufahrt des Grundstückes so abzusperren, dass Dritte nicht ungehindert auf das Grundstück gelangen können. Weitere Maßnahmen sind nicht vorgesehen, da keine Gefährdung für den öffentlichen Raum festgestellt wurde“, erklärt Landkreis-Pressesprecher Maximilian Strache.

Aber der Landkreis habe durchaus auch Möglichkeiten, bei maroden und verfallenden Gebäuden einzugreifen: „Soweit bauliche Anlagen nicht genutzt werden und verfallen, kann die Bauaufsicht verantwortliche Personen verpflichten, die baulichen Anlagen abzubrechen oder zu beseitigen. Im Rahmen des Ermessens wird die Bauaufsicht in der Regel bei einer akuten Gefahr tätig. Andernfalls sind die verwaltungsrechtlichen Hürden für einen zu fordernden Abriss sehr hoch, da privates Eigentum verfassungsrechtlich geschützt ist“, fasst Strache zusammen.

Handlungsbedarf und eine Pflicht zum Einschreiten bestehe seitens des Landkreises nur bei akuter Gefährdung für die Öffentlichkeit. Nebenbei bemerkt: Eine Übersichtsliste über solche, als „Lost Places“ (verlassene Orte) bezeichneten Gebäude, führt der Landkreis Goslar nicht.

Die Polizei Goslar hatte in jenen Novembertagen nach dem Brandeinsatz ermittelt. Auch Brandmittelspürhunde waren damals zum Einsatz gekommen. „Das Gebäude zeigt ein großes Zerstörungsbild und das Betreten ist auch aufgrund dieser Schäden für jeden wirklich sehr, sehr gefährlich“, hatte damals Polizeipressesprecher Thorsten Ehlers auf Nachfrage der Goslarschen Zeitung betont. Der wirtschaftliche Schaden sei allerdings eher gering, so der Pressesprecher damals.

Feuerwehr löscht brennendes Haus.

Der Teleskopmast der Feuerwehr Langelsheim war damals im Einsatz. Foto: Leifeld

Nach dem Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wurde der Vorgang an die ermittlungsleitende Staatsanwaltschaft Braunschweig übermittelt. Dort wurde das Ermittlungsverfahren wegen der Strafunmündigkeit der Tatverdächtigen eingestellt.

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