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GZ Plus IconBau des Rückhaltebeckens Bornhausen: Jetzt rollen die Bagger an

Wasser stürzt einen kleinen Absturz im Flussbett hinunter.

Der Absturz im Flussbett der Schildau bei Bornhausen ist für Fische und Kleinlebewesen ein Hindernis für Wanderungen flussaufwärts. Foto: Hochwasserschutzverband Innerste

In diesem Jahr soll der Baustart für das Millionenprojekt Hochwasserrückhaltebecken Bornhausen erfolgen. Warum bereits zuvor an der Schildau Bagger rollen werden.

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Von Andreas Gereke
Donnerstag, 08.01.2026, 15:00 Uhr

Bornhausen. Der Baubeginn für eines der größten Hochwasserschutzprojekte der jüngeren Vergangenheit im nördlichen Harzvorland steht in diesem Jahr an. Und bereits im Vorfeld des Millionenvorhabens werden ab Februar die Bagger rollen, kündigt der Hochwasserschutzverband Innerste an.

„Naturschutz schon vor dem ersten Spatenstich in Bornhausen – Wir gehen bei der Schildau in Vorleistung“, unter dieser Überschrift verweist der Hochwasserschutzverband auf ein Bauprojekt, das im Zusammenhang mit der Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens umgesetzt wird. Denn noch bevor dessen Bau beginnt, wird südlich der Ortschaft das Gewässer ökologisch aufgewertet und naturnäher gestaltet. Ab Februar entsteht auf einer Länge von rund 60 Metern eine Sohlgleite mit 64 Störsteinen, die den bestehenden Sohlabsturz ersetzt.

Ziel ist es, eine Durchgängigkeit der Schildau für Fische und Kleinlebewesen zu erreichen. Aktuell verhindert nämlich ein etwa 0,85 Meter hoher Absturz, dass Fische wie Bachforelle, Bachneunauge und Groppe flussaufwärts wandern können. Auch Makrozoobenthos – das sind kleine wirbellose Tiere am Gewässergrund – können die Barriere nicht überwinden. Durch die Umgestaltung entsteht künftig eine durchgängige Verbindung von der Nette bis zur Winkelsmühle, informiert der Hochwasserschutzverband.

Rund dreieinhalb Monate Bauzeit

Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich dreieinhalb Monate dauern. Während dieser Zeit wird das Wasser über eine temporäre Rohrleitung umgeleitet. Die Baufahrzeuge nutzen eine eigens angelegte Baustraße südlich der Schildau, so der Verband weiter.

Ein kleiner Fluss fließt durch eine herbstliche Landschaft.

Ruhig strömt das Wasser oberhalb des Absturzes im Flussbett der Schildau. Foto: Hochwasserschutzverband Innerste

„Die Umwandlung des Sohlabsturzes in eine Sohlgleite ist Teil der Genehmigung des Hochwasserrückhaltebeckens Bornhausen und daher ein Teil des Projektes an sich. Sie dient als Kompensationsmaßnahme für den Eingriff in das Gewässer der Schildau“, erläutert Stefanie Schwarz vom Hochwasserschutzverband Innerste auf GZ-Nachfrage.

Der Gesamtzeitplan sieht vor, dass die Bauarbeiten für das Hochwasserrückhaltebecken Ende des Jahres beginnen. „Wir sind voll im Plan“, betont Stefanie Schwarz. Mit dem Becken würde Bornhausen einen Schutz vor einem sogenannten hundertjährigen Hochwasserereignis erhalten und im weiteren Verlauf würde auch Rhüden erheblich besser geschützt werden.

Damm von 380 Metern Länge entsteht

Die Planungen für das Hochwasserrückhaltebecken sehen vor, einen 380 Meter langen Damm inklusive Auslaufbauwerk zu errichten. Der Damm soll sich acht Meter über dem Erdboden erheben und eine sechs Meter breite Krone haben. „Die Schildau liegt an dieser Stelle rund 1,60 Meter unter der Auenoberfläche“, hatte Karsten Dolatka, Geschäftsführer des Hochwasserschutzverbands Innerste, bei Vorstellung der Pläne erläutert. Das maximale Stauvolumen des Hochwasserrückhaltebeckens würde so 810.000 Kubikmeter Wasser betragen. Die eingestaute Fläche misst knapp 230.000 Quadratmeter. Eine Hochrechnung hatte im vergangenen Jahr die Kosten für das Becken bei Bornhausen auf 17,9 Millionen Euro beziffert. Die Ausgaben für den Bau der Sohlgleite fließen in die Kosten für das Gesamtprojekt ein.

Für das Großprojekt, das Befürworter, aber auch Gegner hat, waren übrigens zwei Planfeststellungsverfahren notwendig. „Es gab ein zweites Verfahren, weil beim ersten so viele Einwendungen, Hinweise und Anmerkungen kamen, dass es gestoppt wurde, um die Pläne gründlich zu überarbeiten und ein neues einzuleiten“, hatte Hochwasserschutzverband-Geschäftsführer Dolatka vor einiger Zeit im GZ-Gespräch dazu ausgeführt.

Hintergrund: Der Hochwasserschutzverband Innerste ist aus der Hochwasserschutzkooperation Innerste hervorgegangen und wurde im Oktober 2021 formell gegründet. Er setzt sich zusammen aus den Landkreisen Hildesheim, Goslar und Wolfenbüttel sowie den Städten Hildesheim und Salzgitter. Der Verband plant die Errichtung eines großen zusammenhängenden Netzes von mehreren Hochwasserrückhaltebecken an Nette und Innerste und hatte in diesem Zusammenhang auch die bauliche Ausführung der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Nette-Aufweitung in Rhüden sowie des Rückhaltebeckens Bornhausen vom einst zuständigen Ausbauverband Nette übernommen.

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