So rüsten sich Nordharzer Feuerwehren für das nächste Hochwasser
Tausende Sandsäcke verladen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren, um die Reserven in den Depots des Langelsheimer Stadtgebiets aufzufüllen. Foto: Gereke
Auch wenn die Trockenheit der vergangenen Wochen nicht unbedingt daran denken lässt: Das nächste Hochwasser kommt bestimmt – leider. Wie sich zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auf den nächsten Flut-Fall in Bodenstein vorbereiten.
Bodenstein. Wummernde Beats dröhnen aus dem Bodensteiner Quarzsandwerk. Eine illegale Party am Samstagvormittag im Tagebau? Nein, es ist der Sound zu ehrenamtlicher Tätigkeit im Akkord: 60 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren füllen Tausende Sandsäcke, um für ein nächstes Hochwasserereignis gewappnet zu sein.
Der Teleskoplader sorgt für Nachschub – kippt den hell leuchtenden Sand in den Trichter der Sandsackfüllmaschine der Kreisfeuerwehr. Im Innern immer die gleichen Handgriffe: Sandsack füllen, nach hinten reichen, wo andere Kameraden ihn mit einer weiteren Maschine zunähen – anschließend per Muskelkraft auf eine Palette wuchten. Immer 45 Säcke – jeweils neun Stück in fünf Lagen. Anschließend geht es für die Sandsackpaletten in die Depots der Stadt Langelsheim, um sie im Ernstfall griffbereit zu haben. Denn ein nächstes Hochwasser kommt bestimmt.
Zum Befüllen der Sandsackfüllanlage, die mit einem Wechsellader transportiert werden kann, ist der Teleskoplader der Feuerwehr im Einsatz. Foto: Gereke
„Wir füllen mit dieser Aktion unsere Sandsackreserve auf“, erklärt Langelsheims Stadtbrandmeister Matthias Brunke. Sandsäcke waren im Stadtgebiet zuletzt beim Weihnachtshochwasser 2023 massiv benötigt worden. Eine Überprüfung ergab nun, dass einige in den Lagern nicht mehr zu gebrauchen waren. „Zum einen war unser Depot in Nauen komplett leer – und in Langelsheim haben wir 500 Stück aussortiert“, erzählt Brunke. Denn mit der Zeit wird der Sand im Sack hart, wenn er einmal Kontakt mit Wasser hatte, fügt er an. Dann könne man die Säcke nicht mehr zu einer dichten Barriere formen, um einen Schutz vor Flutmassen zu haben. Aber auch ohne Wasserkontakt sind die gefüllten Sandsäcke etwa nur fünf bis zehn Jahre haltbar. Und Säcke, die längere Zeit im Wasser lagen, werden ohnehin umgehend entsorgt.
Rund 45 Tonnen Sand bewegt
Insgesamt 3200 Säcke füllten sie an diesem Samstagmorgen. Mehrfach erfolgte das Durchwechseln der Teams, die die Sandsackfüllmaschine bedienten. „400 Säcke kommen nach Lautenthal, 400 nach Nauen, 1000 nach Langelsheim und 1400 nach Neuwallmoden“, zählt Langelsheims oberster Brandbekämpfer auf. In Lautenthal werden jetzt erstmals Sandsäcke deponiert. Anders als die Bergstadt oder Neuwallmoden blieb Nauen selbst in der Vergangenheit von einem schweren Hochwasserereignis verschont, aber die alte Samtgemeinde Lutter hatte dort einst ein Depot eingerichtet. 3200 Säcke, das entspricht rund 45 Tonnen Sand, die die Einsatzkräfte bewegten. Denn ein Sandsack wiegt etwa 14 Kilogramm, eine vollgestapelte Palette mit 45 Säcken 750 Kilogramm.

Der Nächste bitte: Links erfolgt das Füllen des Sandsacks, dann werden sie nach hinten gereicht, um sie zuzunähen. Foto: Gereke
In den Hallen lagern sie nun – vor UV-Licht geschützt. Das ist wichtig, denn es würde ansonsten das Kunststoffmaterial, aus dem der Sack besteht, zersetzen. „Sonst packt man beim Einsatz einen Sandsack an und unten schüttet alles raus, weil er reißt“, verdeutlicht Brunke und hofft, dass möglichst gar nicht bis selten auf die Reserve zurückgegriffen werden muss. Und die Beats? Sie stammen von der Musikanlage, die die Sandgrube beschallt, damit den ehrenamtlichen Helfern auch etwas Unterhaltung haben, bis die Aktion gegen 14 Uhr endet.

Aktive der Feuerwehr verteilen mit der Schaufel den Quarzsand im Trichter der Sandsackfüllmaschine. Foto: Gereke
Stichwort Hochwasser: Seit geraumer Zeit wird den Flut geplagten Bürgern in Neuwallmoden – mehrfach war der alte Ortskern von Wassermassen der Neile überschwemmt worden – ein Informationsabend zum Thema Hochwasserschutz angekündigt. Nun gibt es dafür auch einen Termin: Bürgermeister Ingo Henze teilte mit, dass er am Donnerstag, 12. Juni, im Dorfgemeinschaftshaus des Neile-Ortes um 19 Uhr beginnen wird.
Copyright © 2025 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.