Weniger Fahrgäste, mehr Umsatz: HSB weiter in schwieriger Lage
Die Selketalbahn der HSB fährt auf einer reizvollen Strecke zwischen Quedlinburg und Hasselfelde beziehungsfelde Eisfelder Talmühle. 2025 fuhren 104.000 Menschen mit ihr, das bedeutet ein Minus von 3,7 Prozent. Foto: HSB/Schadach
Weil die Ticketpreise 2025 zweimal erhöht wurden, verzeichnen die Harzer Schmalspurbahnen in Wernigerode trotz Rückgangs der Fahrgastzahlen mehr Umsatz.
Wernigerode. Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) blicken in schwieriger Lage auf ein nach eigener Einschätzung solides Jahr 2025. Erstmals in seiner jüngeren Geschichte hat das Unternehmen die Ticketpreise voriges Jahr zweimal pro Jahr erhöht und dadurch mit 15,5 Millionen Euro den höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt, obwohl weniger Gäste mit den Zügen fuhren.
Tourismus im Harz
Brockenbahn-Erweiterung: Landkreis Goslar zeigt sich zurückhaltend
1,12 Millionen Menschen waren 2025 mit der HSB unterwegs, 1,8 Prozent weniger als 2024. Nach wie vor bringt die Brockenbahn den meisten Umsatz. Mit ihr fuhren 507.000 Menschen, berichtet das in Wernigerode ansässige Unternehmen. Mit der Harzquerbahn fuhren 386.000 Gäste, mit der Selketalbahn 104.000. Sie verzeichnete einen Rückgang um 3,7 Prozent. In dem Sanierungsgutachten, das voriges Jahr vorgelegt wurde, empfahlen die Experten, die Strecke einzustellen. Die Gesellschafter des kommunal getragenen Unternehmens sprachen sich dagegen aus.
Geringere Nachfrage
Auf der Strecke zum Brocken haben die HSB ebenfalls ein Minus verzeichnet, wenngleich mit 0,4 Prozent ein sehr kleines. Die geringere Nachfrage auf der Paradestrecke erklärt das Unternehmen mit der Witterung. An 27 Tagen seien wegen des Wetters und wegen Gleisarbeiten keine Fahrten zum Brocken möglich gewesen.
Einen Rückgang gab es auch bei den Sonderzügen. Mit ihnen fuhren 2025 rund 21.000 Menschen, 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Entwicklung erklären die HSB mit der „eingeschränkten Verfügbarkeit des Fahrzeugparks“. Die 2022 eröffnete Dampflokwerkstatt in Wernigerode wurde von 13.500 Menschen besucht. Auch hier gab es einen Rückgang, er beträgt zwölf Prozent. Gestiegen ist hingegen das Interesse an geführten Besichtigungen.
Schmalspurbahnen weiter unter Druck
Sachsen-Anhalt erwartet Sanierungskonzepte von den HSB
Die wirtschaftliche Entwicklung bezeichnet das Unternehmen als positiv. Dabei ist die Gesamtsituation schwierig. Das 2025 präsentierte Gutachten stuft die HSB, die zu den größten Attraktionen im Harz zählen, als Sanierungsfall ein. Infrastruktur und Fahrzeugflotte weisen demnach einen derart großen Investitionsstau auf, dass der Betrieb gefährdet sei. Das Gutachten beziffert den Investitionsbedarf bis 2025 auf rund 544 Millionen Euro, dazu kommen die laufenden Kosten von 253 Millionen Euro. Die Situation wird als „hochgradig kritisch“ eingestuft. Der Dampflokbetrieb habe angesichts des aktuellen Zustands keine Perspektive. Aktuell arbeitet das Unternehmen an einem sogenannten „Zukunftskonzept“.
Deutlich im Minus
Trotz des Umsatzrekords und unabhängig vom hohen Sanierungsbedarf ist die Lage schwierig. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, das Unternehmen habe erhebliche Verluste eingefahren. Bereits in den ersten sechs Monaten 2025 habe es bei vier Millionen Euro gelegen. 2024 waren es demnach 5,6 Millionen Euro und 2023 rund 2,4 Millionen Euro. Als Hauptursachen werden stark gestiegene Kosten für Energie und für Personal sowie für die historischen Fahrzeuge angeführt.
Das Unternehmen beschäftigt 280 Mitarbeiter und betreibt ein Streckennetz, das 140 Kilometer umfasst. Es ist laut HSB das europaweit größte zusammenhängende Schmalspurnetz im täglichen Personennahverkehr. Die finanzielle Basis ist nach Einschätzung des Unternehmens „verlässlich abgesichert“, das Land Sachsen-Anhalt habe im Verkehrsvertrag für 2026 und 2027 „erhöhte Mittel“ zugesichert, der Vertrag mit dem Land Thüringen werde „nahtlos“ weitergeführt.
Schwierige Lage für die HSB
Harzer Schmalspurbahn in der Krise: Brockenstammtisch berät sich
Zu den Herausforderungen zählt auch der Abschied von der Kohle. Abgesehen vom gesetzlich vorgeschriebenen Kohleausstieg bis 2038, belastet der hohe Preis das Unternehmen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete von einem dreistelligen Kaufpreis je Tonne. Wie mehrfach berichtet, bereitet sich das Unternehmen im Rahmen seines „Zukunftskonzeptes“ darauf vor, die Dampfloks auf einen Betrieb mit Leichtöl umzustellen.
Sanierung hat Vorrang
Offen ist vor dem Hintergrund der wirtschaftlich schwierigen Situation, wie realistisch die Pläne für eine Streckenerweiterung von Elend nach Braunlage in den Westharz sind. Landrat Dr. Alexander Saipa aus Goslar wies kürzlich, wie bereits berichtet, nach Gesprächen im Wirtschaftsministerium Hannover auf das Problem hin. Auf Instagram schrieb er: „Bevor überhaupt über eine Erweiterung entschieden werden kann, müssen die HSB ihr bestehendes Streckennetz modernisieren und stabil betreiben können – ohne wirtschaftlich in Schieflage zu kommen.“ Dies sei der erste und wichtigste Schritt. Saipa schrieb weiter, Chancen müssten genutzt, aber die Risiken zugleich ehrlich benannt werden.
Skeptisch und zurückhaltend äußerte sich vor allem die CDU in Hohegeiß. Deren Vorsitzender Lothar Meyer weist in einer Mitteilung auf die finanziellen Risiken einer Streckenerweiterung hin.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.