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Fledermausfreundliche Sanierung

GZ Plus IconDer Harlyturm in Vienenburg bekommt ein neues Kleid aus Lärche

Der Vorstand der IG-Harlyturm begutachtet das Werk von René Zientek, der in luftiger Höhe die künftige Hinterlüftung der Lärchenfassade des Harlyturms erklärt. Mit dabei sind Ulrich Janiec, Norbert Brunke, Lutz Schröder und Kristin Eitler.

Der Vorstand der IG-Harlyturm begutachtet das Werk von René Zientek (links), der in luftiger Höhe die künftige Hinterlüftung der Lärchenfassade des Harlyturms erklärt (stehend von links): Ulrich Janiec, Norbert Brunke, Lutz Schröder und Kristin Eitler. Foto: Kempfer

Auf dem Harly betreut ein kleiner Verein eine große Baustelle. Der Harlyturm erhält eine neue Fassade aus Lärchenholz. Der Gastraum wird isoliert, das Dach gestrichen.

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Von Sabine Kempfer
Samstag, 15.11.2025, 16:00 Uhr

Vienenburg. Wanderer, die sich in diesen Herbsttagen dem Harlyturm nähern, erwartet ein ungewohntes Bild. Der Turm, Wahrzeichen und Ausflugsziel, ist komplett eingerüstet, lässt aber den Blick auf die neue Außenhülle zu – und die ist hell und freundlich. „Modern“, findet Kristin Eitler vom Vorstand der IG Harlyturm.

Ein kleiner Verein mit einer großen Baustelle: Immerhin sind 47.000 Euro für die Sanierung der Außenhülle veranschlagt worden. Eine stolze Summe, für die allerdings auch allerhand passiert – und natürlich fassen, wo möglich, die Vereinsmitglieder ehrenamtlich mit an. Die Vienenburger stehen hinter ihrem Harlyturm – und ließen sich beim Aufruf, dafür zu spenden, nicht lumpen. Dass der Verein die kleine Finanzierungslücke noch schließen kann, davon ist die Kassenwartin überzeugt.

Keine Baustelle wie jede andere

Dass der Turm „keine Baustelle wie jede andere“ ist, versichern die Handwerker, die dort arbeiten. Schon Ende Oktober wurde das Gerüst, das aus Lengde kam, auf die Kuppe gefahren – keine kleine Herausforderung. Den Anhänger mit zehn Tonnen Rüstzeug drauf zog Vorsitzender Lutz Schröder persönlich mit dem Trecker den ganzen Weg zum Turm hoch. So verging die erste Woche allein mit dem Aufbau der Stege, Stangen und Stufen: Alles ganz stabil, denn oben auf dem Harly kann es ganz schön stürmisch werden. Für den Saisonabschluss an Halloween, der laut Norbert Brunke wieder ein „voller Erfolg“ war, stand das Gerüst und wurde gleich entsprechend geschmückt.
Alle Latten stehen am Zaun: Insgesamt werden am Harlyturm 214 Quadratmeter Fassadenfläche mit Lärchenholz verschalt.

Alle Latten am Zaun: Insgesamt werden am Harlyturm 214 Quadratmeter Fassadenfläche mit Lärchenholz verschalt. Foto: Kempfer

Mit Beginn des Monats November wurde die alte Fassade abgerissen und parallel dazu das Dach von der obersten Gerüstetage aus gestrichen. Jetzt leuchtet die Teerpappe – genauer gesagt die „besplittete Bitumenfläche“ – nicht mehr graugrünlich, sondern in „Klassikrot“.

Dach leuchtet wieder rot

Rot sei ohnehin die Originalfarbe gewesen, erklärt Malermeister Mathias Ujma, wahrscheinlich sei das Dach mal bei einer Reparatur grün gestrichen worden. „Macht das ja wieder rot“, hatte ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben – Gustav Ujma, Ehrentürmer. Gesagt, getan.

Malermeister Mathias Ujma streicht zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Lutz Schröder die 80 Quadratmeter Dachfläche mit Langflorrollen wieder rot.

Keine Baustelle wie jede andere, da muss ein Selfie her: Malermeister Mathias Ujma streicht zusammen mit dem Vereinsvorsitzenden Lutz Schröder (hinten) die 80 Quadratmeter Dachfläche wieder rot. Foto: Privat

Die Universaldachfarbe ist regenfest, aber wasserdampfdurchlässig und durch Nanotechnologie sogar schmutzabweisend; ja, das klinge wie das Etikett einer Outdoorbekleidung, sagt Ujma schmunzelnd; offenbar hat er die Gedanken seines Gegenübers erraten.

Beim Abriss der alten Bretter war auch Fledermaus-Regionalbetreuer Siegfried Wielert aus Goslar zugegen – anhand von Kot-Funden konnte er sich, erzählt der Vorstand, ein Bild davon machen, dass vor Ort Fledermäuse hausen – und dass sie bereits im Winterquartier sind. Welch Service: Wenn die kleinen Bewohner im Frühjahr zurückkehren, ist ihr Sommerwohnsitz saniert. Zusätzlich plant der Verein Patenschaften mit Schulen.

Lärche aus dem Odenwald

Die neue Holzverschalung besteht aus Lärche; ein sehr haltbares Material. „Da muss ich nicht mehr ran“, sagt René Zientek; und der angehende Zimmerermeister ist immerhin erst 33 Jahre alt. „30 Jahre wird die bestimmt machen“, sagt er mit Blick auf die Fassade; vielleicht sogar noch ein paar Jahrzehnte länger. Das Lärchenholz kommt aus dem Odenwald, ein Teil auch aus dem Nationalpark Harz. Es wird nur einige Zeit so hell bleiben, sagt Lutz; mit den Jahren dunkelt es nach und wird die für Lärche typische silbergraue Patina erhalten.
Das rote Dach des Harlyturms ragt über die Baumkronen.

Von weitem sichtbar: Künftig hebt sich das Dach des Harlyturms wieder besser vor hoffentlich häufig blauem Himmel ab. Ostern ist wieder Saison. Foto: Privat

Das Dröhnen des Schlagschraubers dringt von außen in die Türmerstube hinein; die Handwerker haben sich an der Fassade von unten bis oben durchgearbeitet. Der etwas dämmrige Schankraum, von einer Seite zugehängt, wird im Zuge der Sanierung von außen isoliert – dann könnte es dort noch gemütlicher werden. Die Dachrinne muss repariert, das Fallrohr erneuert werden. Zwei bis drei Wochen werden die Arbeiten auf der Baustelle Harlyturm noch andauern, ganz nach Wetterlage. Insbesondere für den Abbau des Gerüsts hoffen die Arbeiter auf nicht so stürmische Zeiten.

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