Zähl Pixel
Elisabeth Pape wird neue Wortwerkerin

GZ Plus IconGoslarer Stadtschreiberin befasst sich mit Armut und Essstörungen

Junge Frau sitzt auf einer Treppe, trägt schwarzen Pullover und dunkle Hose.

Elisabeth Pape wird die fünfte Goslarer Wortwerkerin. Foto: Privat

Die neue Goslarer Stadtschreiberin im Neuwerker Klosterturm heißt Elisabeth Pape. Was beeindruckte die Jury am Werk der 31-Jährigen besonders?

author
Von Petra Hartmann
Montag, 16.03.2026, 11:43 Uhr

Goslar. Die neue Wortwerkerin im Neuwerker Klosterturm wird Elisabeth Pape. Das gab Sabine Fontheim, die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Neuwerk Maria in Horto nach der abschließenden Jurysitzung bekannt. Pape wird Nachfolgerin des vierten Goslarer Stadtschreibers Hank Zerbolesch und wird im August ihr dreimonatiges Schreibamt antreten.

„Elisabeth Pape hat die Jury überzeugt mit einem originellen, eindringlichen, die Umgangssprache suggestiv in Szene setzenden Sound, der ihre Themen Armut, soziale Ungleichheit und die damit verbundenen psychischen Überlebensstrategien in eine adäquate literarische Form übersetzt“, teilte Fontheim mit. Die 31-jährige Autorin hatte zu ihrer Bewerbung drei Texte eingereicht: einen Blogbeitrag, Auszüge aus ihrem Debutroman und Szenen ihres aktuellen Theaterstücks. Es seien „Hilferufe nach einem besseren Lebensentwurf“, die „unmittelbar die suggestiven Verführungen des Spiels mit dem Glück“ beschreiben und „eindringlich die Sehnsucht nach Gemeinschaft“ thematisierren, „geschrieben in einem der Autorin ureigenen, fesselnden Stil“.

Die 1995 geborene Dramatikerin und Roman-Autorin ist Tochter einer ukrainischen Migrantin. Sie studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin sowie Theaterwissenschaften und Allgemeine Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Zurzeit lebt sie in der Hauptstadt.

Buchstbensuppe und Pralinen

Ihr Debütroman „Halbe Portion“ erschien im Oktober 2025. Pape erzählt darin eine sehr persönliche Geschichte über über Essstörungen, das Aufwachsen in Armut und damit einhergehende Zwänge. Es ist die Geschichte einer Endzwanzigerin, die alleine mit ihrer zwanghaft dünnen Mutter aus der Ukraine nach Berlin kam. Mangelernährung, der Zwang, jeden Cent zweimal umzudrehen, dann wieder Essattacken, alles muss weg, die ganzen vier Teller Buchstabenbsuppe, die ganze Pralinenpackung, nichts darf umkommen. Inzwischen hat sie, glaubt sie, ihr Leben halbwegs im Griff. Sie joggt viel, ja, zählt jede Kalorie, aber sie führt ihrem Körper morgens, mittags und abends fast immer Nahrung zu. Auch wenn sie jeden Cent abwägt, den Lebensmittel und Zubereitung kosten. Nur noch ganz selten erliegt sie ihren alten Gewohnheiten, zu viel zu essen und sich anschließend zu übergeben. Es bleibt dennoch ein Fortschritt. Und dann ist da ein Date, das Hoffnung auf ein besseres Leben gibt, darauf, endgültig aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Bereits zwei Jahre vor dem Romandebüt war sie mit dem Theaterstück „Extra Zero“ an die Öffentlichkeit getreten. Auch hier geht es um eine junge Frau mit einer Essstörung. Die Heldin des Stücks befindet sich deshalb in psychiatrischer Behandlung. Das Drama war Vorlage zum ebenfalls 2023 erschienenen Hörspiel „Das Mädchen mit der Pringles-Dose“ des SWR.

Für „Extra Zero“ wurde Pape mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet. Die Jury schrieb: „In jedem Satz zeigt sich ihre detaillierte Beobachtung und umfangreiche, messerscharfe Recherche – von gesundem Essen über Body Positivity auf Instagram bis zum Fitnesswahn sowie von der regelkonformen psychiatrischen Behandlung bis zur institutionellen Überforderung.“ Der Autorin gelinge „der Spagat zwischen Funktionalität und Emotionalität; zwischen Rolle und Mechanismus ihrer Figuren.“ Der Text sei „fein und tiefgründig ausgestaltet, offen und immer neu lesbar“.

Ferner erhielt Pape das Leonhard-Frank-Stipendium des Mainfranken Theaters Würzburg. Bereits während des Studiums war sie Stadtschreiberin des Studierendenwerks Berlin. Ihre Theaterstücke wurden am Staatstheater Augsburg, Theater Koblenz, Zimmertheater Tübingen und am Mainfranken-Theater Würzburg aufgeführt.

Dass sie nicht nur Prosa und Dramen schreiben kann, sondern auch ihre Fähigkeiten als Verfasserin von Gedichten zeigen will, werden die Goslarer miterleben: „Während des Novum-Opus-Stipendiums in Goslar möchte sich die Autorin besonders der Lyrik widmen“, kündigt Fontheim an. „Zudem bringt sie vielversprechende Ideen für Projekte in Goslar mit.“

Am Sonntag,16. August, wird sich Pape in der Neuwerkkirche vorstellen. Beginn ist um 17 Uhr.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region