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Wohin die Goetheschule umziehen soll

GZ Plus IconHalle an der Königstraße ist 4,35 Millionen Euro teurer Königsweg

Innenaufnahme einer Sporthalle mit Basketballkorb, Handballtor und Sprossenwand an der Wand

Leer, ungenutzt und fast wie ein Lost Place: Die alte Sporthalle an der Königstraße wird nur noch dem Anlass nach als Wahlbüro gebraucht. Foto: Heine

Für die Sanierung der Sporthalle im Kulturmarktplatz gibt es jetzt eine Zahl. Das Förderprogramm ist mehrfach überzeichnet. Um Schulgrenzen streitet die Politik weiter.

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Von Frank Heine
Donnerstag, 22.01.2026, 18:00 Uhr

Goslar. Die Ratspolitik scheint sich inzwischen einig: Das Platzproblem an der Goetheschule soll eine Sanierung und spätere Nutzung der Sporthalle im Kulturmarktplatz lösen. Geschäftsbereichsleiter Sven Busse hatte zum Schulausschuss am Mittwochabend erste Zahlen und Prognosen mitgebracht. Für eine Sanierung sind demnach insgesamt 4,35 Millionen Euro aufgerufen. Diese Summe kann für eine Stadt wie Goslar mit Haushaltsnotlage mit bis zu 75 Prozent gefördert werden, sodass eine Millionen Euro an Eigenanteil bliebe.

Mehrfach überzeichnetes Förderprogramm

Aber welche Chancen hat Goslar überhaupt, in den Genuss der Fördermittel zu kommen? Nach Darstellung von Rüdiger Wohltmann (Linke) und Annett Eine (SPD) ist das Programm massiv und mehrfach überzeichnet, weil Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet Vorhaben angemeldet hätten. Laut Busse soll demnach im Frühjahr bis Ende März feststehen, welchen Projekten der Bund den Zuschlag erteilt. Ist Goslar dabei, läuft der Bewilligungszeitraum bis Ende 2031. Dann muss alles fertig sein. Die Sporthalle ist seit Langem ungenutzt und hatte zwischendurch als Ausweichlager für Bücherei und Archiv gedient. Außerdem war hier jeweils das Wahlbüro untergebracht. Die Zahlen, die das Goslarer Gebäudemanagement (GGM) auf den Tisch gelegt hatte, hielt Busse jedenfalls für „gut kalkuliert“. Und fast ein historischer Moment: Ausschussvorsitzende Renate Lucksch (SPD) dankte nicht nur dem Geschäftsbereich, sondern auch dem GGM ausdrücklich für die gute (Zusammen-)Arbeit.

Blick durch eine Tür mit abblätternder Farbe auf einen Raum mit Tischen, Stühlen und Computern

Die Farbe blättert ab: In den alten Geräteräumen stehen jetzt noch Tische, Stühle und Computer und warten auf einen Einsatz zu Wahlzeiten. Foto: Heine

Bauen auch ohne Fördergeld

Und was passiert, wenn Berlin Goslar links liegen lässt? Für den Linken Wohltmann ist klar: „Wir halten auch ohne Förderung das Projekt für die sinnvollste Alternative, auch wenn es das Geld der Stadt kostet.“ Ein Anbau Richtung Bolzenstraße käme übrigens ähnlich teurer, der aber niemals den ganzen Parkplatz wegnähme. Er halte den „Wegfall an Parkraum für überschaubar“. Was wiederum Sozialdemokratin Eine nicht so stehen ließ. Sie glaube schon, dass der Parkplatz in einem solchen Fall nicht mehr zur Verfügung stünde. „Es gibt aber auch noch Einzelhandel, Wirtschaft, Touristen und Anwohner in der Stadt“, sagte Eine. Sie hielt einen solchen Anbau für „rausgeschmissenes Geld“, zumal CDU-Fraktionschef Norbert Schecke im Finanzausschuss selbst festgestellt habe, dass die Schülerzahlen rückläufig seien.

Wie sich die Halle an der Kornstraße nutzen ließe

Eine verwies zudem auf die Verwaltungsantworten auf eine SPD-Anfrage. Demnach müsste bei 260 Schülern und mehr über eine Erweiterung der Schullhoffläche nachgedacht werden. Eine voll ausgelastete Zweieinhalb- oder Dreizügigkeit sei mit der aktuellen Pausenhofgröße nicht abzubilden. In der Antwort ist ebenso aufgeschlüsselt, wie die alte Sporthalle an der Kornstraße aufgeteilt werden könnte, wenn der Sportunterricht an die Königstraße verlegt wird. Dort könnte in der nördlichen Hälfte eine Mensa mit Küche entstehen. Die Umkleiden würden zu Küchen- und Spülbereichen. In der südlichen Hallenhälfte hätte ein Multifunktionsraum Platz, der für Werken, Musik und den Ganztagsbetrieb genutzt werden könnte.

Wände durchbrechen bei laufendem Unterricht

Hallensanierung oder Anbau sind aber noch Zukunftsmusik. Einen Schritt weiter sind geplanten Wanddurchbrüche, mit denen ebenfalls mehr Platz geschaffen werden soll. Stadtelternratsvize Alexander Mecklenburg sprach die grob kalkulierte Bauzeit von maximal zwei Jahren an, die auch parallel zum Unterricht laufen müsste. Eltern sorgten sich, wie das gelingen solle. Die Verwaltung sei in enger Abstimmung mit Rektorin Nicole Wagener, erklärte Busse. Nach aktuellem Stand soll der Ausbau in zwei Abschnitten und flügelweise vonstatten gehen. Noch nicht geklärt sei, ob das Gebäude für ein Verschieben von Klassen ausreiche oder temporär Container genutzt werden müssten. Im Moment werde aber ohne diese Variante geplant.

Wann sollen die Grenzen fallen?

Und wann soll die im Juni des Vorjahres vom Rat beschlossene Grenzenlosigkeit für Goethe-, Schiller- und Jürgenohlschule umgesetzt werden? Eine Mehrheit aus SPD sowie Schulen- und Elternvertretung votierte für einen Vorschlag, der ein Umsetzen vom Gelingen der baulichen Änderungen abhängig macht. CDU und Grüne Partei 42 waren für einen Antrag, den sie mit Linken, Bürgerliste und dem fraktionslosen Niklas Prause eingereicht hatten. Er sieht eine fixe Umsetzung zum Schuljahr 2028/29 vor. Im Rat könnte sich dieses Votum entsprechend zum Juni 2025 aber erneut drehen. Letztlich spielt wieder die AfD das Zünglein an der Waage. Elternräte und Grundschulspitzen waren seinerzeit gegen eine Aufhebung der Grenzen, weil sie unter anderem Auswahlverfahren beim Überschreiten von Obergrenzen für die Kapazitäten befürchteten.

Neue Schulbezirke gelten rückwirkend

Rückwirkend zum 1. Januar verändern sich aber auf jeden Fall die Schulbezirke für die drei genannten Schulen. Hinter der erforderlichen Satzung versammelt sich inzwischen eine breite politische Mehrheit. Der Rat muss am 27. Januar nur noch zustimmen. Die Option ist letztlich deckungsgleich mit einem Vorschlag der Verwaltung, der im Juni 2025 in aufgeheizter Stimmung nicht zur Geltung kam. Nachträglich wurden noch die bisher nicht erfassten Ex-Fliegerhorst-Straßen Am Sachsenhai, Drosselweg, Falkenweg, Kleiberstraße, Sperlingweg und Stieglitzring aufgenommen und der am nächsten gelegenen Jürgenohlschule zugeschlagen. Mit den bereits berichteten Verschiebungen von Straßen zwischen Schiller-, Goethe- und Jürgenohlschule soll die Goetheschule nach Prognosen im Jahr 2031 bei einer Zweizügigkeit auf 213 Schüler, die Schillerschule bei einer fast durchgehenden Dreizügigkeit auf 223 Schüler und die Jürgenohlschule, die mit Eingangsstufen arbeitet, auf 327 kommen.

Merkliche Stabilisierung erwartet

Nach Darstellung der Verwaltung würde die Goetheschule mit den neuen Grenzen ab dem nächsten Schuljahr eine merkliche Stabilisierung erfahren, „ohne dabei einen starken Schülerschwund an der Schillerschule auszulösen“. Jürgenohl habe nach aktueller Prognose wachsende Schülerzahlen zu erwarten, erfahre aber auf diese Art eine leichte Entlastung. Für alle drei Schulen solle Planungssicherheit geschaffen werden – und für die Goetheschule ausreichend Planungszeit für „zusätzliche bauliche Maßnahmen am Schulstandort“.

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