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Glückauf-Konzerte am Rammelsberg

GZ Plus IconLaith Al-Deen verzaubert – „Oomph!“ lässt Goslar erzittern

Mit ausdrucksstarken Gesten zieht Sänger Der Schulz sein Publikum in den Bann.

Mit ausdrucksstarken Gesten zieht Sänger Der Schulz sein Publikum in den Bann. Foto: Eichler

Zwei unterschiedliche Auftritte bilden den Abschluss der ersten Glückauf-Konzerte: Laith Al-Deen liefert emotionale Balladen, „Oomph!“ sorgt für harte Töne.

Von Christian Wiesel,
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Von Hendrik Roß
Sonntag, 23.11.2025, 16:00 Uhr

Goslar. Auch wenn nun fast ein ganzes Jahrzehnt verflogen ist seit seinem „Miner‘s Rock“-Auftritt anno 2016, die Erinnerung ans ehemalige Bergwerk sei bei der Anreise sofort wieder präsent gewesen, plaudert Laith Al-Deen aus dem Nähkästchen.

Laith Al-Deen sitzt mit Gitarre auf der Bühne und singt.

Laith Al-Deen (Mitte) kehrt nach fast einem Jahrzehnt auf die Bühne in der Rammelsberg-Schlosserei zurück. Foto: Wiesel

Gut zwei Stunden nimmt er das Publikum auf eine Reise durch sein musikalisches Portfolio mit. Laut Veranstalterangaben lauschen rund 600 Bewunderer des Deutsch-Pop-Musikers, mit naher ebenso wie weiter Anreise, den emotional bedeutungsvollen Liedern.

Der Rammelsberg soll beben

Sänger von „Oomph!“ steht mit Mikro auf der Bühne.

Der Schulz gibt alles. Foto: Eichler

Einen Tag später schlägt „Oomph!“-Sänger Daniel Schulz alias „Der Schulz“ gleich zu Beginn andere Töne an. „Lasst uns den Rammelsberg zum Beben bringen“, fordert er die rund 550 Besucher vor dem Abschlussauftritt der ersten Glückauf-Konzerte auf. Dann geht es los.

In dicke Fellmäntel gehüllt, jedenfalls für die ersten Minuten, spielt die 1989 in Wolfsburg gegründete Band mit hartem Gitarrensound Lieder über die Liebe und Herzschmerz, aber auch „Richter und Henker“. Wie ihre Songs gehen auch die Bandmitglieder direkt nach vorne, steigen auf Podeste und animieren ihr Publikum: „Springt.“

Rund 600 Zuschauer lauschen den harmonischen Klängen Laith Al-Deens.

Rund 600 Zuschauer lauschen den harmonischen Klängen Laith Al-Deens. Foto: Wiesel

Laith Al-Deen bleibt bei den leiseren Tönen, singt „Kein Tag umsonst“, „Dein Begleiter“ oder „Dafür lohnt es sich zu leben“. Und die Songs, denen er in den 2000er Jahren seinen musikalischen Durchbruch zu verdanken hatte: „Bilder von Dir“ und „Dein Lied“. Als „Pop mit Seele – und mit Groove“, beschrieb der 53-Jährige im Vorfeld im GZ-Interview seinen musikalischen Stil. „Er performt live einfach super“, zeigt sich Konzertbesucher Frank Freyer entsprechend angetan. Er und seine Frau Claudia reisten aus Sarstedt bei Hannover an und erlebten Al-Deen nun schon zum zweiten Mal.

Heute kommt der Virusmann

Dabei steht das Konzert krankheitsbedingt unter keinem guten Vorzeichen. Die Band ausgedünnt, die Stimme ihres Frontmannes angeschlagen. „Es wird Winter. Und vor dem Weihnachtsmann kommt der Virusmann“, scherzt der in Mannheim gebürtige Sänger. Eine Absage war dennoch keine Alternative. „Ehrlich gesagt: Wir tun einfach so, als ob wir den Virusmann heute Abend nicht kennen.“

In der ehemaligen Reparatur-Werkstatt des früheren Zink-, Blei- und Kupferbergwerkes erleben die Gäste an diesem Abend eine Show, die kontrastreicher als ihr Beherbergungsort nicht sein könnte: Pop vermischt mit Poesie, Stimmung und eine großartige Soulstimme. Eine musikalische Reise voller Gefühle

„Die Texte sind einfach nur wundervoll poetisch – und machen Mut, den Kopf nicht hängenzulassen auch in schwierigen Phasen des Lebens“, ist Al-Deen-Fan Debby Böttcher angetan. Die 33-jährige Berlinerin ist zum ersten Mal in Goslar und begeistert von der Atmosphäre im Rammelsberg: „Ein richtig cooler Ort für so ein Event.“

Eine besondere Industriekulisse

„Oomph!“-Gitarrist steht auf der Bühne.

„Oomph!“ sorgen für Stimmung in der Schlosserei, sowohl mit alten Hits als auch mit aktuellen Songs. Foto: Eichler

Genau der Industriekulisse wegen hatten die beiden Veranstalter Maik Herrmann und Paul Kunze die einstige Schlosserei auch als Austragungsort für die Erstauflage der vierteiligen „Glückauf-Konzertreihe“ auserkoren. „Das hat hier eine Patina, die sich künstlich nicht herstellen lässt“, erklären sie. „Du spürst die fast 1000-jährige Bergbaugeschichte noch.“ „Künstler mit Haltung, authentisch und original“ wollen der Goslarer Herrmann und sein Braunschweiger Kollege Kunze präsentieren. Mit dem Ergebnis seien sie zufrieden, der Künstler-Mix habe funktioniert. Jetzt wollen Kunze und Herrmann schnell die Köpfe zusammenstecken. „Das Ziel ist eine Neuauflage“, macht Maik Herrmann deutlich. Er sei optimistisch, dass das klappt und der Rammelsberg wieder eine Zukunft als Konzertort hat.
Sänger von „Oomph!“ steht mit Mikro auf der Bühne.

Kaltes Licht, passend zum harten Sound. Foto: Eichler

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