Nach Bus-Unfall in Othfresen: Bringt ein Vor-Ort-Termin die Lösung?
Der Gelenkbus touchiert die Hauswand. Foto: Leifeld
Bereits dreimal fuhr ein Linienbus in die Hauswand von Carmen Varnava. Kann ein Vor-Ort-Termin mit dem Landkreis, der Gemeinde und dem Busbetreiber die Lösung bringen?
Othfresen. Bereits dreimal rutschte ein Gelenkbus der HarzBus-Linie 860 beim Abbiegen in den Feldberg in die Hauswand von Carmen Varnava. Zuletzt am Freitag vor einer Woche, am 2. Januar. Ein weiteres Mal kam das 22 Tonnen schwere Ungetüm kurz vor ihrem geparkten Pkw zum Stehen. Mögen die materiellen Schäden, die von der Kfz-Haftpflicht des Unfallgegners bezahlt werden, bislang auch nicht groß gewesen sein, wurde das plötzliche Krachen an der Hauswand inzwischen eine psychische Belastung für die 58-jährige Othfresenerin. Dort, an der permanenten Schadstelle, hat sie im Erdgeschoss ihr Wohnzimmer, direkt darüber das Schlafzimmer. Groß ist ihre Sorge, wenn der Bus einmal richtig in die Wand des Hauses rauscht und es zu schweren Gebäudeschäden kommt.
Bus ungebremst vor Fenster
„Ich kann nicht mehr ruhig schlafen“, erklärte sie nach dem Unfall vor einer Woche. Ständig habe sie den Bus vor Augen, der ungebremst vor ihrem Fenster auftaucht. Beim Abbiegen von der Hauptstraße (L 500) rechts in den Feldberg muss der Bus immer weit ausholen und mit der Front über ihr Grundstück fahren.

Die Pflastersteine werden schon bei Regen rutschig. Foto: Leifeld
Einen Gehweg für Fußgänger gibt es auf ihrer Straßenseite dort nicht, immerhin einen direkten Weg zur katholischen Kirche, zum Friedhof und zum FCO-Sportplatz. „Wenn ich auf meiner Grundstücksgrenze einen Zaun aufstelle, kommt da kein Bus mehr herum“, verdeutlicht sie.
Ein Familienunternehmen
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An der Unglücksstelle kommen tatsächlich viele Faktoren zusammen: der spitze Winkel der ansteigenden Straßeneinmündung, das Einsetzen der Gelenkbusse durch das Verkehrsunternehmen mit ihren speziellen Fahreigenschaften, und nicht zuletzt die Pflastersteine, die bereits bei Regen rutschig werden.
Ein Unfallschwerpunkt sei die markante Stelle dennoch nicht, erklärte der Liebenburger Polizeihauptkommissar Gunter Pramann auf Nachfrage der GZ. Andere Unfälle gäbe es dort nicht. Das Problem sieht er mehr in der Verwendung der Gelenkbussen mit ihrem besonderen Antrieb. Wenn das Fahrzeug ins Rutschen gerät, knickt das Gelenk nach außen und rutscht – so auch im geschilderten Fall – immer auf das Haus zu.

Der Linienbus verkantet sich in der Hauswand. Foto: Leifeld
Gegenlenken lässt sich das Ungetüm dann nicht mehr.
Fahrgastaufkommen ist entscheidend
Aber warum setzt die Harzbus GmbH selbst bei solch widrigem Wetter, zumal gegen Abend, einen Gelenkbus ein, der selbst bei normalen Bedingungen schon Schwierigkeiten hat, um die Ecke in den Feldberg zu kommen? „Der Einsatz von Gelenkbussen richtet sich nach dem Fahrgastaufkommen“, erklärt Lea Kroll, Betriebsleiterin des Harzbus-Unternehmens. „Der Bus fährt ja nicht nur auf dieser einen Linie. Vielleicht hat er vorher ja einen anderen Linienweg bedient und da wurden größere Kapazitäten benötigt.“
Vor-Ort-Termin im Januar
Falsch sei der Gedanke, der Bus fahre den ganzen Tag nur eine Linie zwischen A und B, in diesem Fall die Linie 860 zwischen den Bahnhöfen Goslar und Salzgitter-Bad.
Alle Fahrer der HarzBus GmbH sind gut geschult und nehmen regelmäßig am Fahrsicherheitstraining teil, verdeutlicht sie entschieden. Unglücklich mit der unbefriedigenden Situation am Othfresener Feldberg stellte auch das Busunternehmen Überlegungen an, die Situation zu verbessern.Ärger schweißt Eltern zusammen
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„Wir sind in den Planungen“, verweist Lea Kroll auf einen noch im Januar geplanten Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Gemeinde Liebenburg, des Landkreises Goslar und des HarzBus-Unternehmens. „Es macht Sinn, sich vor Ort zu treffen, wenn es um neue Ideen geht, denn nicht jeder kennt die besonderen Straßenverhältnisse in der Ortschaft“, so die Betriebsleiterin. Auf den Januar-Termin verweist auch der Liebenburger Ordnungsamtsleiter Dennis Dorn, der zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme der Gemeinde geben kann. „Für die Planung der Linienführung des ÖPNV ist grundsätzlich der Regionalverband Großraum Braunschweig zuständig.“
Viele Überlegungen
Viele Überbelegungen schwirren im Raum: „Früher sind die Busse schon einmal über den Sonnenkink in Richtung Feldberg gefahren“, erinnert sich eine Othfresenerin. Das sei heute umso mehr machbar, weil die Haltestelle auf der Hauptstraße (vor dem Haus von ehemals Heini Bartels) in westlicher Fahrrichtung nicht mehr bedient wird.
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