Chemitas will in der Goslarer Baßgeige Kobalt und Nickel lagern
Die Chemitas GmbH will in der Baßgeige Kobalt und Nickel lagern. Dazu braucht sie eine Genehmigung. Foto: Sowa
Die Chemitas GmbH will in der Goslarer Baßgeige nun auch Kobalt und Nickel lagern. Das Unternehmen hatte die Genehmigung schon einmal, doch inzwischen bewertete die EU die Stoffe neu. Im Wirtschaftsausschuss wurden die Pläne vorgestellt.
Goslar. Die Chemitas GmbH möchte in ihrem Logistikzentrum in der Goslarer Baßgeige Gefahrstoffe der Lagerklassen 6.1 C-D lagern und hat darum eine Erweiterung der bestehenden Genehmigung beantragt (GZ berichtete). Was das bedeutet und wie der aktuelle Stand des Genehmigungsverfahrens ist, darüber informierte der Geschäftsführer Lennart Ermert am Mittwochabend im Wirtschaftsausschuss.
Konkret geht es dem Unternehmen, das Teil der H.C. Starck-Gruppe ist, darum, auf dem Gelände Nickel und Kobalt lagern zu dürfen. Wie Ermert erklärte, hatte das Unternehmen die Genehmigung hierfür bis 2022 gehabt und beide Stoffe in der Baßgeige gelagert. Doch in dem Jahr wurden beide Stoffe von der EU neu bewertet. Sie befinden sich nun nicht mehr in der Lagerklasse (LGK) 13, für die die Chemitas eine Genehmigung hat, sondern in der LGK 6.1.
Akut und chronisch giftige Stoffe
Diese Stoffe sind eingestuft als akut toxische (giftige) oder chronisch wirkende Gefahrstoffe, wobei der Zusatzbuchstabe C für brennbare Stoffe steht und der Buchstabe D für nicht brennbare Stoffe. Nickel und Kobalt gelten zudem als krebserregend.
Ermert betonte im Ausschuss, dass es „keine wesentliche Risikoerhöhung am Standort“ gebe. „Diese Materialien werden bei uns seit über 20 Jahren gehändelt“, sagte er. Die Mitarbeiter seien sehr erfahren im Umgang damit, würden sich mit den Anforderungen auskennen und seien auch gut geschult. Er verwies auf die bereits vorhandene Werkfeuerwehr des Unternehmens. Auch Löschmittel würden auf dem Gelände gemäß den behördlichen Anordnungen bereits vorgehalten. Gelöscht werden müssen etwaige Brände mit Metallbrandpulver.
Löschen mit Wasser und Schaum ist „kein Thema“
Es handele sich bei den gelagerten Stoffen um Feststoffe, und es gehe um verpackte Ware, erläuterte Ermert im Ausschuss. „Wasser und Schaumlöschmittel sind bei uns kein Thema“, stellte der Chemitas-Chef klar. Insofern sei auch bei einem möglichen Brand keine Gefahr für das Grundwasser vorhanden. Wenn eine Verpackung defekt sei, könne man die Stoffe einfach auffegen und wieder neu verpacken. Gleiches gelte auch für das Metalllöschpulver. Mit Wasser werde dort nicht gelöscht. „Wir sehen keine Risikoerhöhung, weder für den Betrieb noch für unser Umfeld“, betonte Ermert.
Renate Lucksch (SPD) wollte wissen, ob sich durch die Erweiterung der Lager-Erlaubnis der LKW-Verkehr in der Baßgeige erhöhen würde. Doch Ermert meinte: „Es wird sogar eher weniger werden.“ Insgesamt gebe es schon jetzt einen regelmäßigen LKW-Verkehr zwischen Werk und Logistikzentrum. Wenn die Lastwagen besser ausgefüllt seien und das Unternehmen nicht mehr so oft andere Standorte anfahren müsste, würden viele Transportfahrten entfallen. Auch mehr Lärmbelästigung sei nicht zu erwarten.
Aktuell muss die Chemitas für diese Stoffe Außenlager anmieten, zum Beispiel in Wolfenbüttel oder sogar in Hamburg. Dies sei für viele und weite Fahrten verantwortlich, die dann entfallen würden. Auch finanziell seien diese Transporte und Lagerplätze für die Firma eine große Belastung.
Unternehmen lässt Gutachten erstellen
Zum aktuellen Prozess und zum Stand des Genehmigungsverfahrens: Es handelt sich um ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (Bimsch-Verfahren). Gestartet wurde es Ende 2024. Bisher hat das Unternehmen seine Pläne dem Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig, dem Landkreis Goslar und der Stadt Goslar vorgestellt. Derzeit sei die Chemitas damit beschäftigt, die Unterlagen zu erstellen, die für das Verfahren benötigt werden. Hierzu gehören unter anderem Brandschutz- und Abstandsgutachten. Wie lange das Verfahren dauern wird? Ermert geht davon aus, dass das Unternehmen die Erlaubnis im Jahr 2026 oder 2027 erhält. Dann wolle er die Pläne „so schnell wie möglich umsetzen“.
Schon jetzt genug Lagerkapazität
Mit Umbaumaßnahmen zur Erweiterung des Lagers in der Langen Wanne sei nicht zu rechnen. „Wir haben jetzt schon genug Lagerkapazität“, sagte der Chemitas-Chef. Insgesamt werde es auch durch die zusätzliche Genehmigung keine Veränderung in der Einstufung des bisherigen Lagers geben. Das Lager ist bereits jetzt als ein Lager der Warengüteklasse 3 eingestuft. Im Chemitas-Lager an der Langen Wanne werden vorrangig Materialien für Kunden des MPO Goslar gelagert. Aktuell genehmigt sind dort Stoffe der Lagerklassen 4.1B, 4.2, 4,3, 8A, 8B, 11, 12 und 13.