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Unter neuer Leitung

GZ Plus IconZuckerfabrik Schladen: Sie sind die Neuen im Werk an der Oker

Das neue Führungsteam der Schladener Zuckerfabrik für die nächste Kampagne: Olivia Peiß, Leiterin Agricenter, und Werkleiter Ulrich Overwin.

Das neue Führungsteam der Schladener Zuckerfabrik für die nächste Kampagne: Olivia Peiß, Leiterin Agricenter, und Werkleiter Ulrich Overwin. Foto: Gereke

Personelle Rochade rund um die Zuckerfabrik: Der bisherige Werkleiter Jörg Vietmeier verlässt Schladen und wechselt nach Clauen, wo er die gleiche Position übernimmt. Mit ihm geht auch Frithjof Pape, Leiter des Agricenters. Und das sind die Neuen.

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Von Andreas Gereke
Sonntag, 09.03.2025, 04:00 Uhr

Schladen. Führungswechsel in der Schladener Zuckerfabrik: Jörg Vietmeier verlässt Schladen und übernimmt die Leitung im Nordzucker-Werk Clauen. Seine Nachfolge in Schladen tritt Ulrich Overwin an. Er ist seit September vergangenen Jahres im Konzern tätig und übernahm zum 1. März die Werkleitung. Zudem hat ein weiteres Gesicht die Zuckerfabrik Schladen verlassen: Frithjof Pape, bislang Leiter des Agricenters, wechselt in die Konzernzentrale. Auf ihn folgt an der Oker Olivia Peiß.

Der Wechsel von Vietmeier nach Clauen ist Teil eines Ringtausches in den deutschen Nordzucker-Werken: Dort löst er als Werkleiter Andreas Affeldt ab, der in die Unternehmenszentrale nach Braunschweig wechselt, wo er im strategischen Projektmanagement tätig sein wird. Bevor er 2026 in den Ruhestand geht, wird Affeldt während der Kampagne die Werke mit seiner Expertise unterstützen, heißt es in einer Nordzucker-Pressemitteilung. Diplom-Ingenieur Affeldt arbeitet seit mehr als 35 Jahren im Unternehmen und ist auch in Schladen kein Unbekannter. Dort leitete er vor seinem Wechsel nach Clauen die technologische Einführung der Biozucker-Produktion.

Das steht im Nordzucker-Werk an

Wer ist der Neue im Schladener Werk? Ulrich Overwin ist Diplom-Ingenieur für Regelungs- und Automatisierungstechnik. Der 58-Jährige habe bereits in seinem beruflichen Werdegang breite Erfahrung in der gesamten Supply Chain, auf Deutsch Lieferkette, und Produktion gesammelt, so Nordzucker. Der gebürtige Braunschweiger war zuletzt als Werkleiter in der Branche für Luftfiltertechnik tätig. Sein Ziel: „Mit einem starken Team Fortbestand und Zukunft der Schladener Fabrik sichern.“ CO -Neutralität und Nachhaltigkeit sind dabei zwei Schlagworte, die in den kommenden Jahren die künftigen Aufgaben bestimmen.
Wie ein Scherenschnitt: Die Schladener Zuckerfabrik im Gegenlicht während der Kampagne.

Wie ein Scherenschnitt: Die Schladener Zuckerfabrik im Gegenlicht während der Kampagne. Foto: Gereke

Die CO -Neutralität wird einen höheren Strombedarf erfordern – deshalb wird in diesem Jahr auf dem Werksgelände eine neue Netzübergabestation errichtet. Investitionen erfolgen auch in die Verdampferstation und die Kristallisation – sie dienen auch der Energieeinsparung. Zudem werden Teile der Rübenwäsche erneuert. Insgesamt investiert Nordzucker in diesem Jahr einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in Schladen.

Nach den Vorkommnissen in der vergangenen Kampagne liegt natürlich auch ein besonderes Augenmerk auf dem Extraktionsturm. Der spielt bei der Zuckergewinnung eine wesentliche Rolle. Ein Schaden in ihm hatte das Werk im September/Oktober wochenlang lahmgelegt. „Wir werden die gesamten erfolgten Reparaturen im Turm überprüfen. Außerdem geht die Ursachenforschung weiter“, erzählt Overwin. Denn was damals den Aufhalter im Turm abreißen ließ, der die Kettenreaktion auslöste, sodass weitere Bauteile in die Tiefe stürzten, weswegen die Produktion gestoppt werden musste, ist noch immer nicht restlos geklärt. Diskutiert wird im Konzern der Neubau des Extraktionsturms für Schladen – von einer Entscheidung geht Overwin in diesem Jahr aus. Es wäre ebenfalls eine Investition, die der Energieeinsparung dienen würde.

Mit dem Schladener Werk übernimmt der Braunschweiger sozusagen den FC Bayern des Konzerns. Denn den Nordzucker-internen Titel der „süßesten Rübe“ sicherte sich Schladen in der Vergangenheit oft. „Wir haben gute Böden rund um den Schladener Schornstein – und wir sind in der Lage, konstante Kampagnen zu fahren“, so Overwin, der das Werk an der Oker deshalb auch als „sicheres Element im Konzern“ ansieht. Denn unabhängig von der Extraktionsturm-Havarie sei Schladen nämlich ein Werk, das „schnurren kann wie ein Kätzchen“, greift er ein Bonmot seines Vorgängers auf. Während seiner Schladener Zeit wird er übrigens pendeln – seine Familie bleibt in der Nähe von Lübeck wohnen. Trotzdem ist ihm auch heute die Löwenstadt Heimat. Sein Vater lebt dort noch – und einer seiner drei Söhne promoviert an der TU. Und als gebürtiger Braunschweiger ist ihm natürlich Schladen ein Begriff, denn immer, wenn es als Kind in den Harz ging, führte die Reise durch den Ort – eine Autobahn gab es damals noch nicht. Ansonsten hat er sich auch schon als Marathonläufer und Fallschirmspringer bewiesen.

Gesundheit der Rübe im Mittelpunkt

Gute Böden – das ist das Stichwort für Olivia Peiß, die mit ihm zeitgleich nach Schladen kommt. Die 29-jährige Cremlingerin ist studierte Agrarwissenschaftlerin und seit 2021 bei Nordzucker, war zuletzt Anbauberaterin im Werk Klein Wanzleben. Der eigene Garten, Stand-up-Paddeling, Reisen oder in Braunschweig unterwegs sein – das steht bei ihr privat auf dem Programm. In diesem Jahr wird sie übrigens auch den elterlichen Hof übernehmen – sie stammt also aus der Landwirtschaft.

Der alte und der neue Werkleiter: Jörg Vietmeier (l.) verlässt Schladen, Ulrich Overwin ist sein Nachfolger.

Der alte und der neue Werkleiter: Jörg Vietmeier (l.) verlässt Schladen, Ulrich Overwin ist sein Nachfolger. Foto: Privat

Ein Thema ihrer Tätigkeit wird die Rübengesundheit angesichts von weniger zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmitteln sein. „In Süddeutschland bereitet eine Zikade dem Rübenanbau große Sorgen: Die Schilf-Glasflügelzikade infiziert die Rüben mit bakteriellen Erregern, die das Syndrom niedriger Zuckergehalte verursachen“, erzählt sie. Anbauer fuhren teilweise Hektarerträge von nur 30 Tonnen Rüben bei 14 Prozent Zuckergehalt ein, berichtet sie. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Kampagne holten die Landwirte rund um Schladen durchschnittlich 91,5 Tonnen Rüben pro Hektar vom Feld, der Zuckerertrag lag bei etwa 17 Prozent.

Auch um das Thema Nachhaltigkeit soll es gehen, wobei ein Landwirt ja per se an Nachhaltigkeit und dem Erhalt der Bodengüte interessiert sei, so Peiß.

Und Vietmeier? Wie denkt er an seine Schladener Zeit? Der Verfahrenstechniker und promovierte Ingenieur arbeitete seit 2005 im Nordzucker-Werk an der Oker – unterbrochen nur von einer anderthalbjährigen Tätigkeit in der Hauptverwaltung – und hatte im September 2016 die Werkleitung in Schladen übernommen. „Nach so einer langen Zeit geht man schon mit einer Träne im Auge“, gesteht er. Da lerne man nicht nur den Mitarbeiter kennen, sondern wisse auch viel über die Familie dahinter, so der 52-Jährige. In Erinnerung bleibt für ihn aus Schladen nicht nur die Extraktionsturm-Havarie der vergangenen Kampagne, die Entscheidung zum Wechsel war übrigens schon zuvor gefallen, sondern auch die Herausforderungen der Corona-Kampagnen mit Abstands- und Quarantäneregelungen sowie die drohende Gasmangellage im Winter 2022 – „und die vielen guten Ideen aus der Belegschaft, dieser Situation zu begegnen“. Übrigens: Das Werk in Clauen besitzt, nicht wie Schladen, zwei Extraktionstürme – und für ihn als Ingenieur interessante technische Prozessschritte in Trocknung und Stromerzeugung, die anders sind als in Schladen.

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