Wie Frank Schulenberg vom Genießer zum Hobbywinzer wurde
Frank Schulenberg baut in Wiedelah eigenen Wein an und versucht sich als Hobbywinzer. Foto: Privat
Frank Schulenberg ist wohl der einzige Winzer, der Rotwein mit Trauben aus dem Goslarer Stadtgebiet herstellt. Wie kommt er darauf, und wie schmeckt das eigentlich?
Wiedelah. Frank Schulenberg (66) bekam die Weinliebe seines Vaters in die Wiege gelegt und verwirklicht nun seinen Traum von der eigenen Vinothek mit eigenem Wein in Wiedelah.
Durch seinen Vater hatte Frank Schulenberg viele Berührungspunkte mit dem Getränk. Er erzählt: „Als wir vor 40 Jahren nach Wiedelah gezogen sind, baute mein Vater sich im alten Heizölkeller ein kleines Weinlager."
Schulenberg brauchte ein paar Jahre, um diese Leidenschaft zu teilen, doch sein Vater habe ihm immer wieder Weinflaschen geschenkt. So kamen Genuss und Fachwissen zusammen. „Für mich gehört zu jedem guten Essen ein guter Wein", sagt der 66-Jährige, der sich mittlerweile selbst als Rotweinkenner bezeichnet.
Früher habe er schon einmal probiert, Fruchtwein herzustellen. Das habe jedoch nicht so gut geklappt. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Frank Schulenberg den kleinen Weinkeller und nach einiger Zeit kam ihm der Gedanke von eigenem Wein.
Ein Freund habe ihn auf die Idee gebracht, dass der ehemalige Heizölkeller die perfekte Stimmung für eine kleine Vinothek erzeugt. Gesagt, getan: Einen besseren Zeitpunkt für den Umbau hätte er kaum finden können, da das Wohnhaus sowieso umgestaltet wurde.
Die Aufnahme ist beim Bau der Vinothek entstanden. Foto: Privat
Die ersten Schritte zum Hobbywinzer
Nachdem die Planung für die Vinothek beendet war, musste das Baumaterial besorgt werden. Mit über 100 Jahre alten Ziegelsteinen und Eichenholz baute der Wiedelaher sein Wein-Refugium.
Dann kam die Idee mit dem eigenen Anbau. Nachdem er einen guten Bekannten besucht hatte, der ebenfalls Hobbywinzer ist, fasste er den Entschluss, es selbst einmal zu probieren. Ihm fehlten nur noch die richtigen Rebstöcke.
Die Suche nach der richtigen Traube, die mit dem Nordharzer Klima zurechtkommt, war aber nicht so einfach, berichtet Frank Schulenberg. Die Rebsorte muss bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählen etwa Pilzresistenz und der gute Umgang mit kalten Temperaturen. Die perfekte Sorte dafür war Acolon, aus einer Rebschule in Baden-Württemberg, auf die er ebenfalls durch die Hilfe seines Bekannten gestoßen sei. In einem Telefonat mit der Rebschule wurde er gefragt: „Wie viele Tausend wollen Sie haben?". Darauf antwortete er: „Ich würde gerne nur 15 Reben haben.". Seine Antwort habe zunächst Erstaunen ausgelöst. Seine 15 Reben aber habe er bekommen und dann im Abstand von einem Meter in seinem Garten eingepflanzt.

Die Rebstöcke im ersten Jahr. Foto: Privat
Von der Traube bis zum Wein
In den ersten Jahren war die Ernte noch bescheiden, doch Mitte September letzten Jahres erfolgte seine erste erfolgreiche Weintraubenlesung.

Die Trauben des Jahres 2025 sind mittlerweile verarbeitet. Foto: Privat
Aber wie kam er eigentlich an das nötige Fachwissen? „Ich habe mich über Bücher, das Internet und Chat GPT informiert", erklärt der 66-Jährige.
Bei den geernteten Weintrauben wurde zunächst der sogenannte Öchsle-Gehalt gemessen, der den Zuckergehalt des Weinmostes angibt. Als nächster Schritt wurden die Trauben mit den Füßen zerquetscht und anschließend mit einer speziellen Weinhefe in einem sogenannten Gärbehälter angesetzt. Die übrigen Traubenschalen geben dem Wein später seine charakteristische dunkelrote Farbe. Der Gärprozess, welcher nach circa drei Wochen abgeschlossen ist, findet in einem sauerstofflosen Behälter statt. Dieser Behälter wird mit einem Gärverschluss verschlossen, der mit Wasser gefüllt ist. Nach drei Wochen folgt das Auspressen der Feststoffanteile aus dem Traubensaft, was als Keltern bezeichnet wird.
Der daraus entstehende junge Wein wird in einen Behälter gefüllt und geschwefelt. Dieses Schwefeln ist wichtig, um den Wein haltbar zu machen. Anschließend kommt der Behälter in die Kühlung bei fünf Grad Celsius und nach circa sechs Monaten kann der Wein in die Flasche gefüllt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine feinen Partikel aus dem Behälter mit umgefüllt werden. „Da musste man ganz schön geduldig sein", erzählte der Hobbywinzer. Als letzter Schritt wird die Weinflasche verkorkt und etikettiert.
Die Vinothek füllt sich
Nach vier Jahren Arbeit hat er es geschafft: In seiner Vinothek stehen zehn Flaschen seines eigenen Weins. Doch wie schmeckt der eigentlich? Schulenberg verkündet erstaunt: „Wunderbar beerig und fruchtig."
Verkaufen möchte er seinen Wein aber nicht.
Doch passt so der Begriff Vinothek überhaupt? „Ich finde den Begriff Weinkeller oder Kellerbar nicht so schön und bezeichne es lieber als Vinothek, da es förmlicher und passender klingt und mehr zur Ausstattung passt." Ein weiterer Grund für ihn ist außerdem noch: „Ich habe an meiner Eingangstür ein Schild hängen, auf dem das Wort Vinothek graviert ist." Sein Wein bleibe aber nur für den Privatgebrauch oder als gutes Geschenk für Freunde und Familie.
Frank Schulenberg geht mit Vorfreude in sein zweites Winzerjahr. Er betont aber auch: „Es war noch nicht alles perfekt und ich muss noch vieles lernen, besonders über den Frühjahrsschnitt, das richtige Anbinden der Trauben, den Sommerschnitt und den Trauben Licht zu geben." Er erhofft sich eine Ausbeute von 20 bis 30 Flaschen im nächsten Jahr. Dafür müsste im Sommer aber reichlich die Sonne scheinen.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Frank Schulenberg präsentiert seine erste Flasche Wein. Foto: Privat