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Eine Schneise quer durch die Stadt

GZ Plus IconEine neue Straße für Bad Harzburgs neues Rathaus

Die Forstwiese wird extra für Bad Harzburgs neues Rathaus angelegt.

Die Forstwiese wird extra für Bad Harzburgs neues Rathaus angelegt. Foto: Ahrens-Archiv

Mitten in der Stadt eine neue Straße bauen? Heute unvorstellbar, aber vor 60 Jahren fast normal. Denn Bad Harzburg brauchte ein neues Rathaus. Und das eine neue Straße.

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Von Holger Schlegel
Samstag, 17.01.2026, 19:45 Uhr

Bad Harzburg. Dass eine neue Straße angelegt wird, kennt man heute eigentlich nur noch aus Baugebieten. Vor genau 60 Jahren jedoch wurde eine Straße mitten in der Innenstadt neu angelegt. An ihr schlägt das politische Herz Bad Harzburgs: die Forstwiese. Sie wurde gebaut, weil die Stadt ein neues Rathaus brauchte.

1970 wird das alte Rathaus in der heutigen Strenstraße dem Erdboden gleichgemacht.

1970 wird das alte Rathaus in der heutigen Strenstraße dem Erdboden gleichgemacht. Foto: Ahrens

Die Geschichte der Forstwiese ist eng verbunden mit der einer ganz anderen Straße, die heute für ganz viel Debatten in der Stadt sorgt: der Bundesstraße 4. Sie wurde Ende der 1960er Jahre einmal quer durch die Stadt gebaut (und 1971 freigegeben). Damals war sie ein Zeichen moderner Mobilität. Heute wäre eine solche Straße mit einem solchen Verlauf ein stadtplanerischer Albtraum. Von der Finanzierbarkeit ganz zu schweigen.
Im September 1966 wird der Herzog-Julius-Gedenkstein von seinem alten Standort  Am alten Salzwerk/Herzog-Julius-Straße in die Forstwiese umgesetzt. 

Im September 1966 wird der Herzog-Julius-Gedenkstein von seinem alten Standort Am alten Salzwerk/Herzog-Julius-Straße in die Forstwiese umgesetzt. Foto: Harz-History

Wie dem auch sei: Die B4 zerschnitt unter anderem die Verbindung zwischen der Juliusstraße und der damaligen Bergstraße (heute Sternstraße). Und genau dort, wo heute ein Wendeplatz ist, stand das alte Bad Hartzburger Rathaus.
Auf dieser Karte aus dem Jahr 1966 ist der Verlauf der B4 und der Forstwiese eingezeichnet.

Auf dieser Karte aus dem Jahr 1966 ist der Verlauf der B4 und der Forstwiese eingezeichnet. Foto: Harz-History

Es war bis in den August 1970 in Betrieb, dann wurde es abgerissen, um der B4 Platz zu machen. Zwei Wochen zuvor war das neue Rathaus eingeweiht worden. Kostenpunkt: 2,76 Millionen Euro. Die Bad Harzburger zahlten nur einen Teil, denn das Land beteiligte sich mit einer Million. Weitere 540.000 DM gab es als Entschädigung für das alte Rathaus. Denn die B4 war ja eine Straße, die der Bund baute.

Als neues Rathaus war kurzzeitig auch Schmelzers Parkhotel im Gespräch, es lag damals nur einen Steinwurf vom alten Rathaus entfernt, nämlich dort, wo heute die Barbarossa-Klinik steht.

Im Oktober 1966 erfolgt die Freigabe der Forstwiese.

Im Oktober 1966 erfolgt die Freigabe der Forstwiese. Foto: Harz-History

Am Ende entschied man sich doch für einen modernen Neubau mitten in der Stadt. Aber ehe das neue, das heutige Rathaus gebaut werden konnte, musste erst einmal eine Straße her. Denn da, wo heute das Verwaltungsgebäude steht, war vorher eine Wiese.

Der zuständige Tiefbauingenieur war seinerzeit Horst Woick. Und er plante damals irgendwo im Nirgendwo eine Straße, die sich heute perfekt in die Kreuzung zur B 4-Abfahrt integriert.

Die Forstwiese im Oktober 1966 mit freiem Blick aufs Werner-von-Siemens-Gymnasium. Das Rathaus stand zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht. 

Die Forstwiese im Oktober 1966 mit freiem Blick aufs Werner-von-Siemens-Gymnasium. Das Rathaus stand zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht. Foto: Harz-History

Damals spielte Geld erkennbar noch keine Rolle. Bis zur Ölkrise wenige Jahre später hatte man in Deutschland ja nur den Aufschwung gekannt. Heute wäre vieles unbezahlbar, und auch eine stadtplanerische Kettenreaktion wie vor 50 Jahren kaum denkbar. Vom Zeitfaktor einmal ganz zu schweigen. Denn allein das neue Rathaus war in nur 15 Monaten errichtet worden.

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