Hunderte Helfer löschten 2025 den Waldbrand am Steinberg
Eine Großschadenslage und ein Brand, der im Gedächtnis bleiben wird: Im Juni brannte der Steinberg. Der Einsatz dauerte eine Woche und war in jeder Hinsicht eine Herausforderung für die Feuerwehr. Foto: Epping
2025 hatte es für die Ortsfeuerwehr Goslar in sich. Die Zahl der Alarmierungen übertraf die Zahl der Tage. Fehlalarme und Vegetationsbrände nehmen zu.
Goslar. Die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr Goslar werden immer mehr und immer größer – entsprechend kompakt gestaltete sich die dreieinhalbstündige Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Goslar am Samstag im Lindenhof. Der war – zusammen mit vielen geladenen Gästen inklusive Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und Landrat Dr. Alexander Saipa – nahezu lückenlos bis an die Tür gefüllt. Die Goslarer präsentieren sich mit frischem Führungsteam als eine Ortswehr zwischen Tradition – es wurden Mitglieder auch für 50, 60 und sogar 70-jährige Treue zur Feuerwehr geehrt – und Moderne.
Letztere bringt neue Technik ins Spiel, die bei der Brandbekämpfung helfen kann (Löschrobotik).
Fehlerhafte e-Calls
Segen und Fluch, denn neue Technik bringt auch neue Herausforderungen mit sich, etwa wenn zu traditionellen Fehlalarmen auch noch Fehlfunktionen von e-Calls im Auto oder Notrufe verloren gegangener Handys hinzukommen und wertvolle Zeit in Anspruch nehmen.
Goslars neuer Ortsbrandmeister Kevin Schmidt (36) nannte in seinem einstündigen Jahresbericht lediglich die wichtigsten Einsätze. Nach Verpflichtungen und Beförderungen erläuterte später sein Vize Volker Junge (52), ebenfalls neu auf dieser Position, die Feuerwehrtechnik.
Das Einsatzjahr 2025 habe die Feuerwehr Goslar „in besonderer Weise gefordert“, hob Schmidt an: „Es war kein Jahr der Routine, sondern ein Jahr der komplexen Lagen, der besonderen Herausforderungen und der Einsätze, bei denen Professionalität, Ruhe und Teamarbeit entscheidend waren.“ Die Zahlen sprechen für sich: Die Ortswehr Goslar wurde zu 448 Einsätzen alarmiert, mehr als eine Alarmierung pro Tag. Davon waren 186 Brandeinsätze (74 Fehlalarme) und 231 Hilfeleistungseinsätze, unter die auch die Unwettereinsätze fallen.
Fordernde Einsätze
Welche Einsätze griff Schmidt heraus? Er ging chronologisch vor, erinnerte an die hohe Einsatzdichte am Jahresanfang, einen Fassadenbrand in der Bäckerstraße, einen Schuppenbrand in Sudmerberg, beide Male konnte nur durch den schnellen Eingriff der Wehr das Übergreifen der Flammen auf die angrenzenden Gebäude verhindert werden. Im Gedächtnis bleibt auch der Brandeinsatz in zentraler Altstadtlage am Marktplatz, wo am 1. April ein Brand im Keller eines Mehrfamilienhauses mit angeschlossener Eisdiele ausgebrochen war. Mitte Mai leistete die Wehr logistische Unterstützung bei einem Flächenbrand am Wurmberg; das Löschflugzeug „Hexe 1“ wurde auf dem Segelflugplatz am Bollrich betankt, der Segelflugverein leistete wertvolle Hilfe. „Dieser Einsatz zeigte erneut, wie wichtig gut funktionierende logistische Unterstützung und die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort sind“, betonte Schmidt; bei Vegetationsbränden gewinne der Einsatz von Luftfahrzeugen zunehmend an Bedeutung. Schon wenige Tage später musste ein Feuer am Rammelsberg gelöscht werden, wo eine alte Hütte in Brand geraten war.
Großbrand am Steinberg
Am 22. Juni stand dann „der Steinberg in Flammen“, so Schmidt – „kein gewöhnlicher Brandeinsatz“, sondern „eine Großlage über mehrere Tage“, mehrere hundert Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen waren im Einsatz. Das Feuer breitete sich durch die extrem trockene Vegetation und den auffrischenden Wind schnell aus. Eine wichtige Rolle spielten Drohnen, die laufende Wärme- und Sichtbilder zur Lokalisierung von Glutnestern lieferten. „Dieser Waldbrand war eine der größten und herausforderndsten Einsatzlagen der letzten Jahre“, fasste Schmidt zusammen: „Er hat gezeigt, wie schnell sich Vegetationsbrände bei Trockenheit und Wind entwickeln können und welche enorme Bedeutung eine strukturierte Einsatzführung, Logistik, überörtliche Zusammenarbeit und Durchhaltefähigkeit haben.“ Viele Spontanhelfer hätten über mehrere Tage dazu beigetragen, die Lage zu bewältigen.
Kein ruhiges Jahresende
Ein Kellerbrand am Kattenberg und zuletzt der Dachstuhlbrand am Claustorwall am 17. Dezember hielten die Feuerwehr 2025 weiter in Atem; am Claustorwall war es neben der schnellen Alarmierung und dem guten Zusammenspiel aller auch eine vorhandene Brandmauer, die eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindern half. 140 Kräfte waren über Stunden im Einsatz.
Manchmal brauchen auch diejenigen, die sonst anderen helfen, selbst Hilfe, sagte Schmidt; so habe der erfolgreiche Brandeinsatz auf dem Grundstück eines Kameraden gezeigt, „was Kameradschaft wirklich heißt“ – und „dass Feuerwehr nicht nur Technik und Taktik bedeutet“.
„Investition in Sicherheit“

Im Lindenhof sind die Tische bis an die Tür besetzt: Neben der mitgliederstarken Ortsfeuerwehr nehmen auch viele Gäste an dem Ereignis teil. Foto: Epping
Da wächst etwas nach
Die Ortsfeuerwehr Goslar besteht aus 242 Mitgliedern, 152 sind in der aktiven Wehr, 23 in der Jugendfeuerwehr; 67 Mitglieder der Altersabteilung mit ruhendem Spielmannszug kommen hinzu. Am Samstag wurde Sarah Yvonne Hertrampf zur Feuerwehrfrau ernannt, fünf Feuerwehrmänner kommen neu hinzu: Alexander Sura, Kai Steckhan, Theo Kreienfeld, Patrick Schulz und Kevin Pollak. Zu Oberfeuerwehrfrauen wurden Leonie Irmer und Jolina Habich ernannt, zu Feuerwehrmännern Niklas Gebert, Jannik Benke, Jan Kannengießer und Reiner Schlein. Marvin Gürtler ist zum Hauptfeuerwehrmann befördert worden.
Neue Dienstgrade

Von rechts: Stadtbrandmeister Christian Hellmeier befördert Svenja Weiß zur Brandmeisterin sowie (von links) Benjamin Pillach und Kevin Gürtler und Thorsten Mummel zu Brandmeistern. Stefan Bravin (4.v.li.) wird zum Hauptbrandmeister befördert, Dirk Assmann (nicht im Bild) wir Erster Hauptbrandmeister, Frank Slotta (nicht im Bild) Erster Hauptbrandinspektor. Foto: Epping

Noch kein Abschied, aber schon ein Geschenk: Frank Slotta (links) erhält auf seiner letzten Feuerwehr-Jahreshauptversammlum im aktiven Dienst von Ortsbrandmeister Kevin Schmidt und Stellvertreter Volker Junge (rechts) eine Fototafel mit seinem ganz persönlichen Feuerwehr-„Tourplan“. Foto: Epping
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