Goslarer zeigt, wie aus einem maroden Fachwerkhaus ein Zuhause wird
Jan Uekermann mit seiner Frau Jennifer und Tochter Carla vor dem mühsam sanierten Haus in der Bäringerstraße. Foto: Schlimme
Jan Uekermann hat in vielen Stunden ein denkmalgeschütztes Haus in der Goslarer Altstadt saniert. Die GZ erzählt, wie es dazu kam und gibt einen Blick hinter die Kulissen.
Goslar. Knapp 800 Tage und 2500 Arbeitsstunden hat der Goslarer Jan Uekermann in die Sanierung seines Hauses in der Bäringerstraße gesteckt. In anstrengender und zeitintensiver Kleinstarbeit hat er aus dem maroden Fachwerkhaus ein Zuhause für sich, seine Frau Jennifer und die gemeinsame Tochter Carla geschaffen.
Im vergangenen Jahr wurde er dafür nicht nur mit dem deutschen Fachwerkpreis für private Eigentümer, sondern auch mit der Grünen Hausnummer ausgezeichnet.
Uekermann ist gebürtiger Goslarer und hat nach seinem Fachabitur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert. Im Jahr 2013 ist er dann, mit 21 Jahren, nach Hamburg gezogen, um dort für ein Start-up zu arbeiten. „Ich habe meine ganze Zeit in Hamburg in einer 34 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung gewohnt“, erzählt der heute 34-Jährige in seiner offenen Wohnküche in seinem renovierten Fachwerkhaus.
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„Nach einiger Zeit habe ich mich dann gefragt, wie ich das Geld, das ich in Hamburg verdient habe, am besten investieren kann“, fährt er fort. Aktien seien für den Familienvater keine Option gewesen. „Keine Kontrolle über das Geld zu haben, bereitet mir Unwohlsein“, betont er.
Großes Interesse an Architektur
Noch aus Hamburg heraus erwarb Uekermann das erste Haus in der Goslarer Altstadt und ließ es denkmalgerecht renovieren. „Im nächsten Leben hätte ich Architektur studiert“, begründet er seine Entscheidung. Denn verschiedene Bauarten und Architekturstile würden bei ihm ein großes Interesse wecken.
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Während er für seine Mieter in Goslar Wintergarten und Sauna in die Wohnung einbaute, bevorzugte Uekermann immer noch seine Einzimmerwohnung in der Hansestadt. Bodenständigkeit sei ihm sehr wichtig, wie er auch im Gespräch mit der GZ betont. „Ich habe mir alles selbst erarbeitet und nichts geschenkt bekommen“, sagt er. Nach sechs Jahren in Hamburg folgte dann der Umzug zurück in die Welterbestadt.

Auch von außen hat sich an dem Haus einiges getan. Nicht ohne dass denkmalgerechte Aussehen beizubehalten. Foto: Schlimme
Anfang 2022 wuchs die Idee, das Zweifamilienhaus aus dem Baujahr 1510 in der Bäringerstraße zu erwerben und zu sanieren. Mit Kostenvoranschlägen, Gutachten und einer mühsamen Entrümpelung begann die Reise zum Eigenheim. Wie viel Geld er in sein neues Eigenheim investiert hat, will Uekermann aber nicht verraten.
Unruhige Nächte und Ungewissheit
„Manchmal ist es gut, wenn man einige Dinge nicht vorher weiß“, blickt Uekermann nun auf die Bauzeit zurück. Beispielsweise hätte die Instandsetzung der Innendämmung rund ein Dreivierteljahr in Anspruch genommen.

Die Sanierung der Innendämmung allein dauert rund ein Dreivierteljahr. Foto: Privat
„Ich hatte in dieser Zeit viele unruhige Nächte und Kopfschmerzen“, erinnert er sich. Alles, was er selber machen konnte, hat er auch selber gemacht. Glaswolle entsorgen, putzen, entrümpeln – „Ich bin einer, der anpackt“, berichtet der 34-Jährige. Denn ohne Fleiß und Einsatz sei ein solches Projekt nicht realisierbar. Knapp 2500 Arbeitsstunden stecken in dem Haus. Und das neben einem Vollzeitjob. Denn für das Hamburger Unternehmen arbeitet Uekermann noch immer – heute aus dem Homeoffice als Verkaufstrainer. Bei Elektrik und Sanitär lasse er jedoch die Profis ran.
Auch die Entfernung des morschen und mit Schwamm befallenen Holzes, sowie der mühevolle Wiederaufbau beschäftigten Jan Uekermann einige Zeit. Neue Fenster und ein saniertes Dach machten die Außenarbeiten komplett. Im Innenraum ging es mit Bodenbelägen und Malerarbeiten weiter.

Im Sanierungsprozess hat das Haus neue Fenster bekommen. Foto: Privat
„Durch viele Verzögerungen ist das Haus nicht rechtzeitig fertig geworden, sodass meine Frau und ich vier Wochen in einem Van gelebt haben“, berichtet Uekermann. Im Sommer 2024 folgte dann der Einzug. Doch das Haus bleibt „in Bewegung“, kleinere Dinge gebe es immer zu tun.
Der Aufwand hat sich gelohnt, ist sich Uekermann sicher. Aus dem Haus, welches vorher seit zwei Jahren leerstand, ist ein Zuhause geworden. Mit einem komplett offenen ersten Obergeschoss und einer Galerie mit Blick auf das Wohnzimmer im zweiten Obergeschoss. „Wir fühlen uns wohl und sind glücklich hier“, betont Uekermann.

Im zweiten Obergeschoss befindet sich eine Galerie mit Blick auf das Wohnzimmer. Foto: Privat
So freute er sich umso mehr über die beiden Auszeichnungen, die er für den Einsatz in dem Haus erhielt.
„In der Altstadt stehen so schöne und vor allem unterschiedliche Häuser, es wäre schade, wenn sie verfallen“, sagt Uekermann.
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Um andere Interessierte für solch ein Projekt zu motivieren, betont er: „Man sollte sich einen umfassenden Eindruck verschaffen und sich nicht gleich abschrecken lassen.“ Und natürlich solle man anpacken wollen.
Ihm habe dabei das ein oder andere Youtube-Tutorial geholfen, erinnert er sich.
Mittlerweile hat er an mehreren Stellen Erfahrung mit denkmalgerechter Sanierung gesammelt. „Neues Leben in einem alten Haus“ entstehen zu lassen, ist dabei stets seine Motivation. Das Haus in der Bäringerstraße wird dabei aber immer sein größtes und vor allem sein Herzensprojekt bleiben.
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