Harzburger Berater stellt Einbrecher – und stoppt eine ganze Serie
Fabio Brennecke vor der Filiale der Bäckerei Wolf am Bad Harzburger Jungbrunnen. Dort drang ein Einbrecher ein. Der 30-Jährige half der Polizei bei der Festnahme. Foto: Exner
Als Fabio Brennecke (30) einen Einbruch bemerkt, greift er selbst ein und stoppt damit einen mutmaßlichen Serientäter. Warum er das so aber nie wieder machen würde.
Bad Harzburg. Als Fabio Brennecke in der Nacht auf den 5. März auf dem Sofa in seinem Büro einschläft, ahnt er nicht, dass er wenige Minuten später Teil einer Verbrecherjagd sein wird. Das Fenster ist gekippt, kühle Nachtluft strömt in den Raum über der Bäckerei Wolf am Bad Harzburger Jungbrunnen. Dort arbeitet Brennecke als strategischer Berater. Gegen 0.50 Uhr schreckt der 30-Jährige plötzlich hoch. Ein lautes Geräusch dringt aus dem Erdgeschoss unter ihm nach oben.
Brennecke steht auf, geht ein paar Schritte durch den Raum. Ein ungutes, mulmiges Gefühl macht sich in ihm breit. Die Mitarbeiter der Bäckerei können das nicht sein. Die kommen erst früh am Morgen – nicht mitten in der Nacht. Unsicher greift er nach seinem Teleskop-Schlagstock, den er in den Räumlichkeiten des Immobilienbüros aufbewahrt, und geht langsam die Treppe hinunter. Vorsichtig schaut er um die Ecke. Da sieht er es: Die Tür der Bäckerei ist aufgebrochen.
Erst Handschellen, dann Spürhunde
Brennecke macht auf der Stelle kehrt, läuft zurück ins Gebäude, greift zum Smartphone und ruft die Polizei. Plötzlich dringt aus der Filiale ein lautes Dröhnen – wie von einem Bohrer. Jetzt ist sich Brennecke sicher: Nur wenige Meter neben ihm wird gerade eingebrochen.

Durch das Fenster seines Büros, direkt über der Bäckerei, hört Brennecke in der Tatnacht ein lautes Geräusch. Hier stellt er die Szene nach. Foto: Exner

Neben einer Garage auf dem Parkplatz hinter dem Restaurant „Bella Roma“ versucht sich der Einbrecher hinter einem Auto zu verstecken. Dort endet seine Flucht. Foto: Exner
Wenig später treffen weitere Streifenwagen ein, sogar Spürhunde werden eingesetzt um den Tatort zu sichern. Was Brennecke zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht weiß: Mit dieser Festnahme endet eine ganze Serie von Einbrüchen.
Insgesamt 14 Taten landkreisweit
Seit Ende Januar hatten Polizei und Staatsanwaltschaft im Landkreis ermittelt. Insgesamt 14 Objekte in Bad Harzburg, Goslar, Langelsheim und Seesen waren nachts aufgebrochen worden. Der nun Festgenommene, ein 26-Jähriger aus Langelsheim, soll für diese Taten verantwortlich sein. Zusätzlich werden ihm Einmietebetrug und Diebstahl vorgeworfen. Ein Haftrichter am Amtsgericht Goslar ordnete nur wenige Stunden nach der Tat in der Kurstadt Untersuchungshaft an.
In Handschellen wird der 26-jährige Täter abgeführt. Brennecke gelingt es, diesen Moment in einem Schnappschuss mit der Smartphone-Kamera festzuhalten. Foto: Privat
Für Brennecke ist die ganze Geschichte noch immer schwer zu begreifen. „Dass ich irgendwann mal gemeinsam mit der Polizei einen Einbrecher stellen würde, hätte ich früher niemals gedacht“, sagt er. Dabei hatte Brennecke früher selbst einmal Polizist werden wollen, genau wie sein bester Freund Jens. Der begann sogar eine Ausbildung bei der Polizei. Doch während einer Mutprobe unter Auszubildenden stürzte er beim Balancieren auf einer Lkw-Einfahrt und starb später an einer Hirnblutung.
Für Brennecke war das ein Schock. „Ich habe die Polizei damals gehasst“, erzählt er. „Ich habe sie für den Tod meines Freundes verantwortlich gemacht.“ Brenneckes Leben geriet aus der Spur. Eine Zeit lang stand er selbst kurz davor, auf die schiefe Bahn zu geraten. Schließlich suchte er sich psychologische Hilfe. Noch heute kämpft er mit den Tränen, wenn er über diese Zeit spricht. Und doch sagt er heute auch: Die Erfahrung habe ihn geprägt.
„Mut ist wichtig, Sicherheit wichtiger“
Für Brennecke selbst endet die Nacht der Einbrecherjagd erst im Morgengrauen. „Ich glaube, ich war bis fünf Uhr wach“, erinnert er sich. Während die Aufregung langsam nachließ, begann er, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. Noch einmal würde er so nicht handeln, sagt er heute.
„Ich würde niemals wieder rausgehen und in Kontakt mit einem Einbrecher treten.“ Ein Moment bereitet ihm im Nachhinein zusätzlich Bauchschmerzen. Nur wenige Meter vom Tatverdächtigen entfernt hatte ein Polizeibeamter ihm seinen Personalausweis zurückgegeben und ihn beim Namen angesprochen. „Das kann ein Risiko sein“, so Brennecke rückblickend. „Wenn Täter wissen, wer sie gestellt hat, könnten sie denjenigen später verantwortlich machen.“ Mut sei wichtig, Sicherheit aber noch wichtiger. „Wenn man einen Einbruch bemerkt, ist es klüger, zuerst anonym bei der Polizei anzurufen und Abstand zu halten“, so Brenneckes Erkenntnis.Amtsgericht Goslar
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Die Sache mit dem Personalausweis sei ein Versehen im Affekt gewesen, glaubt Thorsten Ehlers, Sprecher der Polizei Goslar. Grundsätzlich würden Namen von Zeugen aus Gründen des Schutzes natürlich nicht im Beisein von Tätern genannt, betont er auf GZ-Nachfrage. Ehlers lobt Brenneckes Verhalten, aber auch dessen Selbstreflexion. Der 30-Jährige habe Zivilcourage gezeigt. Wichtig sei jedoch, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Wer eine Straftat bemerke, solle sofort die Polizei verständigen und – wenn überhaupt – nur aus sicherem Abstand beobachten. Mit den Beamten am Ohr können womöglich auch wichtige Hinweise in Echtzeit an sie weitergegeben werden.
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