Villa Marie bis Oma Ida: Dennert-Tanne für Braunlage ist fertig
Im Jahr 2022 eröffnet in der alten Kreisverwaltung und dem späteren Vereinshaus an der Kolliestraße das Bed & Breakfast „Oma Ida“. Foto: Nachtweyh
Das Gebäude an der Kolliestraße 2 in Braunlage erzählt viel über die Geschichte der Stadt. Auf einer Dennert-Tanne soll darüber demnächst informiert werden. Auch über ein ganz besonderes Kapitel deutscher Geschichte im Harz.
Braunlage. Ende gut, alles gut: Im Mai soll am Haus an der Kolliestraße 2 eine Dennert-Tanne angebracht werden – ein markantes Schild, auf dem die lange und wechselhafte Geschichte des Gebäudes dokumentiert wird. Fast 20 Jahre lang hatte sich Dr. Rudolf Thomas für eine Dennert-Tanne an diesem Ort eingesetzt, damit die Zeitgeschichte, die mit dem Haus verknüpft ist, nicht in Vergessenheit gerät. Jetzt ist die Tafel fertig und einzig der letzte Hammerschlag steht noch aus.
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Dennert-Tannen sind Infotafeln, die ursprünglich im Oberharzer Bergbau an dessen Örtlichkeiten, Spuren und Denkmäler erinnerten. Namensgeber und Initiator war der politisch durchaus umstrittene Oberbergrat Herbert Dennert. Das erste Schild in Tannenform wurde 1949 in Clausthal aufgestellt. Inzwischen gibt es hunderte Dennert-Tafeln im Harz – jene an der Kolliestraße wird demnächst die jüngste Ergänzung sein.
Haus, das jeder kennt
Thomas′ Interesse an dem imposanten Gebäude war ursprünglich rein privat: Der Vater des Heimatforsches, der ebenfalls Rudolf Thomas hieß, hatte dort lange Zeit als Stellvertreter des Oberkreisdirektors und Personalchef der Verwaltung des Landkreises Blankenburg in Braunlage sein Büro, verrät er. So nahmen seine Recherchen ihren Anfang. Inzwischen hat er die Geschichte des Hauses bis zu dessen Bau im Jahr 1894 mit Hilfe von Dr. Hans-Ulrich Bonewitz, Karl-Günther Fischer und Irene Herzberg aufgearbeitet. Die wechselnde Nutzung des Gebäudes spiegele durchaus auch die Entwicklung Braunlages, hatte Rudolf Thomas dabei festgestellt – bis hin zu Leerstand, Verkauf und Umbau zum modernen Bed & Breakfast „Oma Ida“.
Als Logierhaus Villa Marie wurde das Haus 1894 errichtet. Foto: Repro Eggers
Logierhaus, Apotheke, Verwaltungssitz, Vereinshaus – von Beginn an war das Haus an der Kolliestraße ein Ort, den jeder in Braunlage kannte. Neben der Beckerschen Sägemühle an der Bode und gegenüber dem Hotel Kurhaus erbaute Friedrich Herzberg 1894 die „Villa Marie“ und bot dort Fremdenzimmer an. Schon drei Jahre später zog die Apotheke von der Herzog-Wilhelm-Straße an die Kollie und quartierte sich im Hochparterre des Hauses ein. Apotheker Rudolf Peters benannte das Gebäude später nach seinem Sohn „Haus Bodo“. Bis zum Jahr 1952 beherbergte das Haus die einzige Apotheke in Braunlage.
Ein Stück Zeitgeschichte
Ein ganz besonderes Kapitel deutscher Zeitgeschichte im Harz aber spielte sich in den Jahren 1953 bis 1972 im Haus an der Kolliestraße 2 ab, als dort die Verwaltung des Landkreises Blankenburg ihren Sitz hatte. Er war 1945 aus einem Gebietstausch zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungsmacht und einer damit einhergehenden Teilung des alten Landkreises Blankenburg, zu dem Braunlage gehörte, hervorgegangen. Der Landkreis Blankenburg mit Braunlage als Kreisstadt war 1946 gegründet worden, nach der Aufteilung 1950 lagen 18 Gemeinden im Osten und der westliche Teil rund um Braunlage bildete bis zur Gebietsreform 1972 den kleinsten Landkreis Niedersachsens.

Heimatforscher Dr. Rudolf Thomas bemüht sich seit fast 20 Jahren um eine Informationstafel. Foto: Eggers
1953 hatte der Kreistag des Landkreises Blankenburg den Kauf des Hauses an der Kolliestraße beschlossen, baute das Haus um und zog im Januar 1954 dort ein. 1963 wurde das Areal erweitert, es wurden Parkplätze geschaffen und ein Sitzungssaal angebaut.
Langer Anlauf
Nach der Auflösung des Landkreises Blankenburg übernahm die Stadt das Haus und stellte es ortsansässigen Vereinen zur Verfügung. Beispielsweise dem Wintersportverein, der Arbeiterwohlfahrt, dem Tierschutzverein und der Verkehrswacht. Allerdings sei in den Erhalt des Gebäudes nur noch das Nötigste investiert worden, merkt Chronist Rudolf Thomas an. Das mag auch einer der Gründe gewesen sein, warum sein Bemühen um eine Dennert-Tanne so lange ohne Erfolg blieb. Zwar hätten Stadtverwaltung, Harzklub und auch Museumsverein das Vorhaben zwar interessant gefunden, berichtet Thomas. Es wollte wohl aber niemand dafür verantwortlich sein, an einem Haus, „das vor sich hin dümpelte“ auch noch ein Gedenkschild anzubringen.
Erst als Investor Rainer de Groot das Anwesen 2019 kaufte, aufwändig sanierte und zum Bed & Breakfast „Oma Ida“ umbaute, kam wieder Schwung in die Sache, freut sich Tafel-Initiator Dr. Rudolf Thomas. De Groot sei sofort einverstanden gewesen und gemeinsam habe man am Text für die Dennert-Tanne gearbeitet. Sie soll nun ab Ende Mai auf die „vielfältige und für die Braunlager Historie außerordentlich wichtige Bedeutung dieses Gebäudes hinweisen“.