Zähl Pixel
Abschied nach 25 Jahren

GZ Plus IconBad Harzburgs Marktmeister nimmt seine Schürze und geht

„Blumen-Rudi“ Hoffmeister (l.) und die übrigen Marktbeschicker verabschieden Carsten Nolte (im blauen Shirt) mit Geschenken und warmen Worten.

„Blumen-Rudi“ Hoffmeister (l.) und die übrigen Marktbeschicker verabschieden Carsten Nolte (im blauen Shirt) mit Geschenken und warmen Worten. Foto: Schlegel

25 Jahre lang war Carsten Nolte der städtische Marktmeister, mehr als 1000 Wochenmärkte hat er betreut. Nun geht er mit 65 Jahren in den Ruhestand. Zum Abschied gab es eine echte Marktschürze und emotionale Momente.

author
Von Holger Schlegel
Samstag, 14.12.2024, 12:00 Uhr

Bad Harzburg. Carsten Nolte hat in seinem Leben mehr als 1000 Wochenmärkte erlebt. Genau genommen hat er sie Woche für Woche „gemacht“. Nolte ist 25 Jahre lang der von der Stadt abgeordnete Marktmeister des Bad Harzburger Wochenmarktes im Badepark gewesen. Nun geht er in Rente, hat am Mittwoch seinen letzten Arbeitstag und somit war am vergangenen Donnerstag „sein“ letzter Markt. Die Marktfreunde verabschiedeten ihn würdevoll.

Carsten Nolte arbeitet sei 1984 bei der Stadt. Als Vollzugsbeamter im Ordnungsamt war er zehn Jahre lang der Stellvertreter von Manfred Müller, der den Wochenmarkt seit dessen Gründung im Jahr 1987 betreute. Als „Marktmeister Manni“ dann vor 25 Jahren in Rente ging, war es logisch, dass Nolte das Amt übernahm. Fortan war er Woche für Woche, abgesehen von Urlaub und Krankheit, donnerstags auf dem Markt. Bei durchschnittlich 48 Märkten pro Jahr (sie fallen nur an Feiertagen aus) war Carsten Nolte also für mehr als 1000 Markttage zuständig. Plus die Vertretung in den zehn Jahren davor.

So gut wie keine Probleme

Aber, was macht so ein Marktmeister eigentlich? Viel. Morgens die Stromanschlüsse aufschließen, schauen, dass jeder Marktbeschicker ordentlich den Platz befährt und den Stand dort aufbaut, wo er hinsoll. Wer Lebensmittel verkauft, muss natürlich auch die geltenden Vorschriften beachten. Auch das kontrollierte Nolte. Er war Ansprechpartner für alles und jeden. Mitunter auch schon mal für Kunden, beispielsweise in den seltenen Fällen, wenn die Probleme mit Marktbeschicker hatten. Einmal, so erinnert sich Nolte, habe er vermitteln müssen, als ein Kunde meinte, an einem Stand zu wenig Waren für sein Geld bekommen zu haben. Aber wie gesagt: So etwas sei ganz, ganz selten vorgekommen.

Bürgermeister als Markt-Fan

Denn der Markt, das sei eine Familie, sagt er, weswegen er am Donnerstag durchaus mit einem mulmig-traurigen Gefühl in den Badepark kam. Carsten Nolte kennt sie alle. Den Hühner-Sepp, den Fisch-Anton, den Blumen-Rudi. Denn viele der Marktbeschicker sind von Anfang an dabei. Mitunter steht schon die zweite Generation am Stand. Auch diese Wechsel hat Nolte miterlebt.

Wobei, so ganz stimme der Vergleich mit der Familie nicht. „In manchen Familien gibt es mehr Ärger, als auf dem Markt“, findet der 65-Jährige. Und wenn es mal Probleme gab, dann seien die immer gemeinsam gelöst worden. Gemeinsam auch mit der Stadt, die ja Noltes Arbeitgeber ist. Ob es nun die aktuell schlechte Erreichbarkeit wegen der für Fußgänger gesperrten Schmiedestraße gewesen sei oder die schwierigen Monate während der Corona-Pandemie: „Wir haben immer gemeinsam einen Weg gefunden“, so Nolte. Das liege nicht zuletzt auch daran, dass er mit Bürgermeister Ralf Abrahms einen ausgewiesenen Freund des Wochenmarktes als Chef habe. Immerhin gehörte Abrahms seinerzeit (noch als Ratsherr) zu den Erfindern des Marktes.

Nachfolge geregelt

Genauso, wie Nolte alle Marktbeschicker kennt, kennen auch die ihn. Und auch sie sprechen von der familiären Atmosphäre an jedem Donnerstag im Bad Harzburger Badepark. Zu der gehören übrigens auch die Kunden, denn viele Bad Harzburger kommen Woche für Woche auf den Markt. Deshalb kennen auch sie natürlich Carsten, den Marktmeister.

Doch der wird ab sofort nicht mehr beruflich auf dem Markt zu finden sein, die Nachfolge ist übrigens rathausintern schon geregelt. Aber sang- und klanglos wollten seine Marktfreunde ihn natürlich nicht in den Ruhestand verabschieden. Nolte selbst hatte einen kleinen Sektempfang am Stand von „Blumen-Rudi“ Hoffmeister aufgebaut. Hoffmeister ist ebenfalls Marktbeschicker der ersten Stunde und soetwas wie der Sprecher der Truppe. Nolte bekam ein riesiges Bild von allen Marktständen, ein spaßiges Shirt und eine echte Marktschürze für die Grillabende daheim. Spätestens bei dieser Bescherung und den Dankesworten von Blumen-Rudi hatte Nolte dann einen Kloß im Hals.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region