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Zwischen Extremsport und Krebsstation

GZ Plus IconNordharz: Läuferin bekommt Diagnose Brustkrebs aber gibt nicht auf

Frau posiert in der Wüste für ein Foto, im Hintergrund läuft ein Kamel

Sei schneller als das Kamel. Es wurde für Carmen Hirte zum Lebensmotto. Foto: Privat

Ultraläuferin Carmen Hirte nimmt bei einer der härtesten Laufveranstaltungen der Welt teil. Dann bekommt sie die Diagnose Brustkrebs. Wie geht sie mit der Erkrankung um?

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Von Andrea Leifeld
Sonntag, 01.03.2026, 14:00 Uhr

Lutter/ Liebenburg. Carmen Hirte fühlte sich stark und gesund. Nichts schien die leidenschaftliche Ultraläuferin aufhalten zu können. Geboren und aufgewachsen ist sie in Klein Mahner im nördlichen Harzvorland, lebt aber inzwischen seit fünf Jahren in Hamburg.

2023 stemmte sie eine der härtesten Laufveranstaltungen der Welt: den Marathon des Sables.

Kamel

Ein Kamel in der Wüste. Foto: Privat

„Dieser Lauf führt 250 Kilometer durch die marokkanische Sahara. 1000 Läufer nehmen daran teil“, erinnert sie im Telefonat mit der Goslarschen Zeitung an das so herausragende Erlebnis. „Jeder Läufer trägt sein gesamtes Equipment selbst. Es herrschen Temperaturen bis zu 54 Grad“, schildert sie. Und eigentlich ganz witzig: Ganz hinten im Feld läuft tatsächlich ein Kamel.

Kampf gegen den Krebs

„Wer von diesem Kamel überholt wird, scheidet aus“, erzählt sie schmunzelnd. Schnell fand sie ihr Motto zum Extremlauf: „Be faster than the camel“ (dt.: Sei schneller als das Kamel) und erreichte so trotz aller Strapazen das Ziel. Dass dieser Leitspruch – in abgewandelter Form – ihr auch an einem anderen Punkt in ihrem Leben ihren Lebensmut und Kampfgeist aktivieren würde, ahnte sie damals nicht.

„Ich fühlte mich so fit und gesund wie nie zuvor“, betont sie. „Ich lief danach noch bei einem weiteren Extremrennen, dem Lapland Arctic Ultra.“ Ein weiterer Ultramarathon, der Carmen Hirte 185 Kilometer weit durch eine Schnee- und Eiswüste am Polarkreis entlangführte. Bei diesem Rennen lief die Extremsportlerin aus dem Nordharz als erste Frau durchs Ziel.

Sportlerin

Carmen Hirte nimmt 2023 am Marathon des Sables teil. Foto: Privat

Nichts schien sie stoppen zu können – dachte sie. Doch kurz nach diesen wahnsinnigen Erfolgen erhielt sie eine ernüchternde Diagnose: Brustkrebs. Aufgeben? Verzweifeln? Weinen? All das kam für die Ultramarathon-Läuferin nicht infrage.

„Aus meinem ein Jahr zuvor in der marokkanischen Wüste gewählten Motto: „Be faster than the camel“, machte ich für mich: „Be faster than the cancer“ (dt.: Sei schneller als der Krebs)“. Es wird ihre persönliche Aufgabe, den Kampf gegen den Krebs nicht zu verlieren.

Ihr härtester Ultramarathon begann nun in der Onkologie.

„Ich erkannte, dass die mentalen Strategien, die mir in der Wüste geholfen haben, auch bei der Krebstherapie helfen. Sie sind auf sämtliche Lebensbereiche adaptierbar“, verdeutlicht sie. „Ich habe aber nie Fuck Cancer (dt. Scheiß Krebs) gesagt und nie gegen meinen Körper gekämpft“, betont sie. „Anders: Ich habe ihn zu meinem stärksten Teampartner gemacht.“

Welt gerät ins Wanken

Heute geht es der 39-Jährigen wieder gut. „Ich werde noch zehn Jahre in einer Tablettentherapie sein, aber das ist normal.“

Bereits im Juni 2025, also 9 Monate nach Ende der Therapie, ging sie wieder an den Start und feierte ihr Comeback als Läuferin beim Zugspitz-Ultratrail. Mit ihm überwand sie auf 16 Kilometern 800 Höhenmeter. Weder das Kamel noch der Krebs konnten sie – bildlich gesprochen – überholen. „Ich möchte unbedingt wieder fit werden und zurück in die Wüste“, betont sie deutlich das für sich gesetzte Ziel.

Carmen Hirte hält in Alt Wallmoden einen Vortrag

Mehr noch: Mit ihrer mentalen Methode will sie anderen Frauen und Krebspatienten Mut machen. Am Montag, 9. März, ist sie Referentin eines Landfrauenvortrags im Dorfgemeinschaftshaus Alt Wallmoden: In ihrem Vortrag „Be faster than the Camel“ nimmt sie ihr Publikum mit auf eine Reise in zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Wüste und Klinik. Extremsport und Krebsstation. Humor und Tränen.

Und sie zeigt, was beide Erfahrungen verbindet: Fokus, innere Haltung und die Kraft der eigenen Gedanken. Wie bleibe ich handlungsfähig, wenn die eigene Welt ins Wanken gerät? Wie gehe ich mit Angst um? Oder, mehr noch: Wie schaffe ich es, große Herausforderungen in machbare, kleine Schritte zu teilen?

Alle Infos zum Vortrag

Diese und weitere Antworten will Carmen Hirte an jenem Abend geben. Sie will ehrlich und humorvoll sein, aber auch über Salztabletten in der Sahara, 90-Kilometer-Nächte unter Sternenhimmel und 16 rote Chemo-Sessel sprechen – und wie all dies ihr Leben verändert hat. Auf ihrer eigenen Webseite ist sie erreichbar und hat ein offenes Ohr für betroffene Frauen.

Läufer in der Wüste.

Der Lauf führt 250 Kilometer durch die marokkanische Wüste. Foto: Privat

„Mein Lebensmotto ist: Alles im Leben ist ein Geschenk. Manche Geschenke sind nur verdammt schlecht verpackt“, betont sie.

Der Vortrag soll ein Abend werden, der Mut macht und Lust auf das eigene, vielleicht neue „Abenteuer Leben“ weckt.

Aus organisatorischen Gründen findet der Landfrauenvortrag am Montag, 9. März, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Alt Wallmoden (Finkenkamp) statt. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Der Vortrag ist bereits stark nachgefragt, aber weitere Reservierungen sind bei den Organisatorinnen aus den Reihen der Landfrauen, unter den Telefonnummern (05383)1743 (Mittendorf) oder (05341) 331457 (Stegmann) noch bis Dienstag, 3. März, möglich.

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