Clausthaler Drogenplantage wird mit geklautem Strom betrieben
So sah die Cannabisplantage in der Clausthaler Bauhofstraße aus. Sogar die Polizei ist von der Menge der Pflanzen überrascht. Foto: Polizei
Die Polizei und Staatsanwaltschaft geben weitere Details über den Cannabisfund in der Clausthaler Bauhofstraße bekannt. Die Drogenplantage soll mit geklautem Strom betrieben worden sein. Bei der Razzia wurde noch weiteres Beweismaterial gesichert.
Clausthal-Zellerfeld. Die Hausdurchsuchung und der Fund einer Cannabisplantage in der Bauhofstraße in Clausthal-Zellerfeld haben am Mittwoch für viel Aufsehen in der Bevölkerung gesorgt. Wie berichtet geht es um die Ermittlungen gegen fünf Hannoveraner, denen gewerbsmäßiger Drogenhandel vorgeworfen wird. Kurz nach der Razzia werden immer mehr Details zu den Beschuldigten zwischen 32 und 66 Jahren bekannt, so sollen sie in der Bauhofstraße etwa den Stromzähler überbrückt haben, damit der hohe Verbrauch nicht auffalle.
Bei einer Razzia entdecken die Polizisten eine Cannabisplantage in der Bauhofstraße. Foto: Neuendorf
Während am Mittwoch noch von 2000 Cannabispflanzen die Rede war, die bei der Durchsuchung in Clausthal-Zellerfeld gefunden wurden, korrigierte der Erste Staatsanwalt Oliver Eisenhauer am Donnerstag die Zahl auf 1050 Pflanzen. Bei der ersten Angabe habe es sich wohl nur um eine anfängliche Schätzung gehandelt. Auch nach der Cannabislegalisierung in Deutschland ist es nicht erlaubt, so viel Marihuana anzubauen. „Erwachsene dürfen zum Zwecke des Eigenkonsums an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen“, heißt es dazu vom Bundesministerium für Gesundheit. Bei 1050 kann also nicht mehr vom Eigenbedarf ausgegangen werden, sondern vielmehr vom Drogenhandel im großen Stil. Hinzukomme ja auch, dass die Beschuldigten gar nicht in Clausthal-Zellerfeld wohnten und es sich um keinen eingetragenen Social-Club handele.
Kokain und Schreckschusswaffen
Wie viel Gramm brauchbares Cannabis die 1050 Pflanzen abwerfen, lässt sich laut dem Goslarer Polizeisprecher Thorsten Ehlers aktuell noch nicht sagen. Die Qualität der Pflanzen werde erst im Zuge der Ermittlungen bewertet. Es sei zudem von der Cannabissorte und dem entsprechenden THC-Gehalt abhängig. Und dann gebe es Rechenformeln, die dazu verwendet werden – aber eben noch nicht zum jetzigen Zeitpunkt.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Hannover und der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden ist zu lesen, dass es am Mittwochmorgen neben der Durchsuchung in Clausthal-Zellerfeld noch weitere in zehn Häusern in Hannover, Sehnde, Salzhemmendorf, Springe, Seelze und Ronnenberg gegeben habe. Beginn war jeweils ab 6 Uhr.
In acht der elf Zielobjekte haben die Ermittler laut der Pressemitteilung Pflanzen, umfangreiches Equipment zum Anbau von Cannabis, hochwertige Markenhandtaschen, digitale Beweismittel und Bargeldsummen im mittleren fünfstelligen Bereich sichergestellt. Bei der Razzia fanden die Polizisten demnach noch geringe Mengen an Amphetamin und Kokain sowie zwei Schreckschusswaffen. In Salzhemmendorf und Clausthal-Zellerfeld entdeckten die Beamten wie berichtet aktiv betriebene Indoorplantagen. In Salzhemmendorf seien es circa 600 Cannabispflanzen auf zwei Etagen gewesen – damit korrigierte der Erste Staatsanwalt seine am Mittwoch genannte Zahl von 500 noch etwas nach oben.
Schaden für die Stadtwerke
Christopher Graefe, Prokurist bei den Stadtwerken in Clausthal-Zellerfeld, berichtet auf GZ-Nachfrage, dass der Kunde aus der Bauhofstraße seinen Stromzähler überbrückt habe. So sollte scheinbar der hohe Verbrauch nicht auffallen. „Wir wurden also bestohlen“, so Graefe. Nach ersten Einschätzungen geht er von einer mittleren fünfstelligen Summe an Stromkosten aus, die nicht ordnungsgemäß bei den Stadtwerken gezahlt wurden. Wie lange diese Überbrückung schon stattfand und um welche Summe es sich tatsächlich handelt, zeigen erst noch die Ermittlungen.
Der Oberharzer Kommissariatsleiter Steffen Jach erzählt gegenüber der GZ, dass vor etwa zwei Monaten eine Kollegin der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont bei ihm auf dem Kommissariat zu Gast gewesen sei und von den Ermittlungen sowie dem Verdacht in der Bauhofstraße erzählt habe. Wie lange die Polizisten das Objekt in Clausthal-Zellerfeld schon im Visier hatten und wie sie überhaupt darauf aufmerksam geworden sind, konnte er nicht sagen. Welche Verbindung die Beschuldigten mit dem Oberharz haben, also warum sich die Hannoveraner für ein Haus in Clausthal-Zellerfeld entschieden haben, ist bislang ebenfalls unklar.
Schaumstoff soll Geruch abdichten
Laut Jach waren die Ermittler schon ziemlich sicher davon ausgegangen, etwas in dem Gebäude in der Bauhofstraße zu finden. Wie viel es jedoch am Ende war, habe sie dennoch überrascht, gibt der Kommissariatsleiter zu. Er berichtet zudem von Schaumstoff, den die Ermittler gefunden hätten, um den Raum abzudichten. So sollte offenbar verhindert werden, dass Cannabisgeruch nach draußen dringt. Nach dem Drogenfund hätten immer mehr Menschen dem Clausthaler Polizisten erzählt, dass es in dem Bereich der Straße schon länger auffällig nach Marihuana gerochen habe. Der Kommissariatsleiter wundert sich, warum sich bisher niemand deswegen an die Polizei gewandt habe. „Sonst kommen sie doch auch wegen jeder Kleinigkeit zu uns“, meint Jach.
Der Oberharzer Polizei-Chef bestätigt gegenüber der GZ, dass in dem Haus in der Bauhofstraße am Mittwoch niemand angetroffen worden sei, es habe daher in Clausthal-Zellerfeld keine Festnahmen gegeben. Bei einem anderen Objekt sah das der Pressemitteilung zufolge schon anders aus: Ein 56-jähriger Mann aus Hannover wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Hannover vorläufig festgenommen. Schon am Donnerstag habe man ihn dem Haftrichter vorgeführt, der über den Erlass des Haftbefehls zu entscheiden habe. Alle weiteren Beschuldigten seien nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen worden.
240 Kräfte im Einsatz
Einsatzleiterin Erste Kriminalhauptkommissarin Heidrun Schäfer aus Hameln-Pyrmont/Holzminden zeigt sich mit den Ermittlungen zufrieden: „Die Ergebnisse der Durchsuchungen waren ein Erfolg unserer laufenden Ermittlungen. Insbesondere die gute Zusammenarbeit mit den Organisationseinheiten unserer Polizei und der Staatsanwaltschaft Hannover haben zu diesem zufriedenstellenden Ergebnis geführt.“ Am Mittwoch waren schließlich 240 Kräfte an den elf Objekten im Einsatz.