Wirbel um Prahljust: Ein Campingplatz im Harz polarisiert
Seit 65 Jahren ist der Campingplatz Prahljust in Familienbetrieb: Die Zukunft des Geländes bleibt ungewiss. Foto: Knoke
Seit mehr als einem Jahr ist die Zukunft des Campingplatzes Prahljust ungewiss. Ein geplanter Kauf ist gescheitert – einige Camper räumen über die Feiertage ihr Zuhause.
Das Ringen um den Campingplatz Prahljust bei Buntenbock nimmt kein Ende. Seit mehr als einem Jahr ist die Zukunft des Platzes Thema hitziger Debatten. Camper starten aus Sorge um ihre Stellplätze eine Onlinekampagne und gründen eine Interessengemeinschaft, die mehr als 4000 Unterschriften gesammelt hat.
Der Campingplatz Prahljust liegt teils auf Flächen im Besitz der Familie Landers, teils auf städtischen Flächen. Die Stadt hat beschlossen, den im September 2025 auslaufenden Pachtvertrag mit Familie Landers nicht zu verlängern, sondern die Fläche zu verkaufen. Laut dem Rathaus kollidiert der 50 Jahre alte Vertrag mit dem heutigen EU-Recht.
Stadtrat entscheidet
Streit um Prahljust: Zwei Investoren buhlen um den Campingplatz
Bank bewilligt Kredit nicht
In einem Interessenbekundungsverfahren hat die Überland-Camping-Gruppe aus Berlin 1,8 Millionen Euro für die zehn Hektar große Fläche geboten, Landers nur 1 Million Euro. Erst das spätere Angebot von 2 Millionen bringt die Familie wieder ins Spiel. Trotz der einstimmigen Ratsentscheidung, dass die Landers die Flächen kaufen dürfen, ist das Verhältnis zwischen Politik und den bisherigen Pächtern zerrüttet. Manche Ratsmitglieder befürchten, dass die Bank den Kredit nicht gewährt. Und so kommt es schlussendlich auch.
Aus diesem Grund sind mit der Überland-Immobilien-GmbH und der Ahoi-Bullis-Campervermietungs-GmbH wieder zwei mögliche Investoren im Rennen, die sich am Interessenbekundungsverfahren beteiligt haben. Beide Firmen wollen den Campingplatz weiterentwickeln, ihre Pläne unterscheiden sich aber deutlich. Die Überland-Immobilien-Gesellschaft bietet mit rund 1,86 Millionen Euro den höheren Kaufpreis und hat zudem bereits einen überarbeiteten Vertragsentwurf sowie eine Finanzierungsbestätigung vorgelegt. Die Berliner planen Investitionen von rund 5 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren. Voraussetzung ist allerdings eine vollständige Räumung des Geländes bis zum 31. März 2026.
Zurückhaltender wirkt hingegen das Angebot von Ahoi. Der Kaufpreis liegt bei 1,6 Millionen Euro, der Investitionsrahmen bei einer Million Euro in den kommenden drei Jahren. Eine Finanzierungsbestätigung fehlt ebenso wie ein vollständiger Vertragsentwurf. Anders als Überland verzichtet Ahoi jedoch auf eine Räumungsfrist und würde den Platz spätestens zum 1. April 2026 übernehmen – inklusive der verbliebenen Dauercamper.
Camper favorisieren Ahoi-GmbH
Die Camper favorisieren aus diesem Grund ganz klar die Ahoi. Die Interessengemeinschaft „Freunde Prahljust“ richtet sich mit einem offenen Brief an die Politik und fordert, nicht an Überland zu verkaufen. Dennoch entscheidet sich der Rat mehrheitlich dafür. Die Camper sind fassungslos, weil ihnen mehrfach zugesichert worden sei, dass sie nicht den Platz verlassen müssen oder obdachlos werden. Manche von ihnen aber haben auf dem Areal ihren ersten Wohnsitz.
In einem weiteren offenen Brief bitten sie die Familie Landers, ihre vier Hektar großen Flächen mit sanitären Einrichtungen und Rezeption nicht an die Überland zu verkaufen. Wie sich die bisherigen Pächter entscheiden, ist bislang nicht klar. Aufgrund der Räumungsfrist fahren aktuell die Abrissbagger auf dem Platz ein und aus, viele Camper haben Prahljust schon verlassen.
Existenzen stehen auf dem Spiel
Campingplatz Prahljust: Wenn Menschen ihr Zuhause abreißen müssen
Aber nicht alle wollen gehen. Mit Überland als neuen Betreiber kann sich kaum einer anfreunden, die Angst, den naturbelassenen Platz zu verlieren, ist groß.
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