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Umfangreiche Prüfung steht an

GZ Plus IconWie kommt die Bad Harzburger Bergbahn durch den Tüv?

Jens Schumann vom Tüv-Thüringen bringt ein Messgerät am Tragseil an. 

Jens Schumann vom Tüv Thüringen bringt ein Messgerät am Tragseil an. Foto: Schlegel

Auch eine Seilbahn muss mal zum Tüv. Aber wie funktioniert das? Was wird überprüft? Die GZ hat sich das am Beispiel der Bad Harzburger Burgbergbahn angeschaut.

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Von Holger Schlegel
Mittwoch, 18.03.2026, 14:00 Uhr

Bad Harzburg. Wie bringt man eine Seilbahn zum Tüv? Hinfahren geht ja nicht. Und was wird eigentlich kontrolliert? Welche Mängel könnte es geben? Diese Fragen werden derzeit bei der Burgbergseilbahn beantwortet. Im Rahmen der jährlichen Wartung steht auch die Tüv-Abnahme an – nach einer ganz eigenen Checkliste.

Welche Routinearbeiten stehen an?

Die immer zum Ende der Wintersaison anstehende Bergbahn-Revision ist im Grunde ein Frühjahrputz. Das geht natürlich nur, wenn die Bahn nicht in Betrieb ist. Immerhin hat die Anlage im vergangenen Jahr 22.700 Fahrten absolviert, das hinterlässt auch optisch Spuren. Betriebsleiter Oliver Busch und sein fünfköpfiges Team reinigen deshalb alles, bringen hier und da ein paar Eimer frische Farbe an die Wand oder in diesem Fall an die Geländer.

Sie tauschen bei Bedarf Bauteile wie Führungsrollen aus, außerdem bekommt die Anlage einen Ölwechsel. Darüber hinaus wird auch die neue Steuerungstechnik in der Bergstation von einer Fachfirma kontrolliert. Das, so Betriebsleiter Busch, werde seit dem Einbau vor drei Jahren alle zwölf Monate gemacht. Sicher ist sicher.

Was macht der Tüv?

Es gibt nur wenige Prüfstellen, die die technische Überwachung und Abnahme einer solchen Anlage überhaupt mit Brief und Siegel bewerkstelligen können. Zwar fahren laut Jens Schumann vom Tüv-Thüringen auch in Norddeutschland mehr Seilbahnen und Sessellifte, als man glauben möchte. Dennoch sind deren Überprüfungen doch eine Nischen-Dienstleistung. Der Tüv-Thüringen ist aber darauf spezialisiert und kommt schon seit Jahren regelmäßig nach Bad Harzburg (genau wie übrigens auch nach Braunlage).
Die Bergbahner fahren bei der Überprüfung auf dem Dach der Gondel mit.

Die Bergbahner fahren bei der Überprüfung auf dem Dach der Gondel mit. Foto: Schlegel

Anders als beim Auto muss eine solche Anlage einmal im Jahr überprüft werden, um das neue Siegel zu bekommen, das sogar als kleine Plakette in die Kabinen geklebt wird. Die Untersuchung ist auch sehr speziell.
Der Bremsentest zum Beispiel: Die Gondel wird mit 1,5 Tonnen Pflastersteinen beladen und fährt los. Dann wird im Steuerstand auf dem Bergipfel eine Vollbremsung hingelegt. Das Ergebnis in diesem Jahr: erneut bestanden.

Wie wird das Tragseil überprüft?

Am Mittwoch stand die wichtige Tragseilüberprüfung an und die ist nicht ganz unkompliziert. Zur Erklärung: Die Gondeln hängen an 37 Millimeter dicken Stahlseilen. Die sind quasi die Schienen, auf denen die Rollen auf dem Dach der Kabinen laufen.
Betriebsleiter Oliver Busch kontrolliert das 37 Millimeter dicke Tragseil regelmäßig von außen.

Betriebsleiter Oliver Busch kontrolliert das 37 Millimeter dicke Tragseil regelmäßig von außen. Foto: Schlegel

Bei zwei Gondeln gibt es zwei solcher Tragseile, jedes rund 500 Meter lang. Gespannt werden sie in der Talstation, dort hängen 32 Tonnen schwere Gewichte an jedem Seil und halten sie auf Spannung. Ausgelegt ist das Seil für die siebenfache Belastung, grob gesagt für mehr als zehn Tonnen Gewicht pro Gondel.

Jens Schumann überwacht in der Kabine die magnetische Durchflutung und sucht nach Schäden im Seil. 

Jens Schumann überwacht in der Kabine die magnetische Durchflutung und sucht nach Schäden im Seil. Foto: Schlegel

Das Seil ist übrigens laut Oliver Busch seit 1986 in Benutzung und wird alle zwölf Jahre einmal ein wenig „verlagert“, damit nicht immer die gleichen Punkte auf den Stützen aufliegen. Das könnte auf Dauer zu Schäden führen. Alle drei Monate werden die beiden Tragseile zudem von der Bergbahn-Crew einmal auf voller Länge einer Sichtprüfung unterzogen. Einmal im Jahr erfolgt die genaue Untersuchung durch den Tüv. Jens Schumann befestigte dazu am Mittwoch ein Messgerät am Tragseil. Mithilfe einer magnetischen Durchflutung können kleinste Schäden aufgespürt werden. Die Gondel fuhr dazu ganz langsam übers Seil, während unten in der Kabine Schumann auf seinen Computer jeden Zentimeter überprüfen konnte.

Wie lautet das Tüv-Urteil?

Am Ende des Tages lautete auch dieses Urteil: bestanden. Die Bergbahn ist sicher und hat wieder ein Jahr Tüv. Großartige Mängel gab es nicht, einzig der Baumbewuchs unter der Trasse muss ein wenig gestutzt werden, um im Fall der Fälle nicht im Weg zu sein, wenn tatsächlich mal Passagiere wegen eines Defekts abgeseilt werden müssen.

Das Tragseil ist die Schiene, auf der die Rollen der Bahn laufen.

Das Tragseil ist die Schiene, auf der die Rollen der Bahn laufen. Foto: Schlegel

Also können am Samstag, wenn die Seilbahn wieder ihren regulären Betrieb aufnimmt, die Passagiere einsteigen, ohne Angst vor einem Defekt oder gar einem Unfall zu haben, den es in der fast hundertjährigen Geschichte der Burgbergseilbahn es übrigens seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. Und damit das auch so bleibt, kommt in zwölf Monaten wieder der Tüv.

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