Landrat: Karrierecamp könnte sich für Stadt Wernigerode auszahlen
Ein Bundeswehr-Hubschrauber auf dem Brocken: Angehörige der Truppe haben im Januar das Gelände erkundet, um ein Camp zur Nachwuchs-Werbung vorzubereiten. Foto: Bein
Der Harzkreis macht für das umstrittene Bundeswehr-Camp auf dem Brocken folgende Rechnung auf: Die Bundeswehr könnte auf 675.000 Euro für einen Brandeinsatz verzichten.
Harz. Zu dem von der Bundeswehr geplanten und heftig umstrittenen Karrierecamp auf dem Brocken gibt es weitere Einzelheiten. Laut Nationalparkverwaltung verzichten die Organisatoren zum Schutz der Natur darauf, Flugzeuge und Hubschrauber einzusetzen. Nach wie vor aber laufen die Planungen weiter, sie könnten finanzielle Vorteile für die Stadt Wernigerode bringen.
Derweil beklagt die Parkverwaltung, dass ihr weiterhin keine konkreten Planungen vorliegen. Formulierungen in einer Pressemitteilung weisen darauf hin, dass die Unstimmigkeiten nicht ausgeräumt sind, seit Ende Januar bekannt wurde, dass die Bundeswehr auf dem Brocken um Nachwuchs werben will. „Entgegen zwischenzeitlich anderslautender Aussagen“ habe die Bundeswehr während des zweiwöchigen Karrierecamps vom 15. bis 31. Mai „nachweislich“ geplant, den Einsatz von Hubschraubern und Flugzeugen zu demonstrieren, erklärt die Nationalparkverwaltung.
Viel Kritik gegen das Camp
Aus diesem Grund habe die Verwaltung ihre naturschutzrechtliche Bedenken formuliert. Auch viele besorgte Bürger hätten sich in den vergangenen Wochen bei der Parkverwaltung gemeldet und „Besorgnis und Empörung“ geäußert. Darüber hinaus erinnert die Behörde in Wernigerode an zwei Petitionen, in denen Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt werden.
„Martialische Inszenierung“
Linke und Pax Christi lehnen Bundeswehr-Werbung auf Brocken ab
Auch aus dem Landkreis Goslar gibt es Kritik. So hatten sich Grüne und Linke sowie die Nordharz-Gruppe von „Pax Christi“ mit ihren Bedenken zu Wort gemeldet. Unter anderem wurden Tiefflüge befürchtet. Gerügt wurde auch die „reine Zurschaustellung von militärischem Gerät“, so der Linken-Kreisverband Goslar.
Der Nationalpark Harz kritisiert weiterhin, dass ihm keine ausreichenden Informationen vorliegen, um die Veranstaltung naturschutzfachrechtlich zu bewerten. Mittlerweile laufe die Zeit für eine „gesetzeskonforme Prüfung“ ab, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Pietsch in einer Mitteilung. Der Nationalpark vertrete nach wie vor die Meinung, „dass es wesentlich besser geeignete Orte gibt, auch in der Nationalpark-Region, an denen die Werbung für die Bundeswehr nicht unvermeidlich in Konflikt mit dem Naturschutz tritt“. Daher bitte die Verwaltung die Bundeswehr abermals, auf einen der vorgeschlagenen Alternativstandorte auszuweichen.
Keine Reaktion
Bisher deutet nichts darauf hin, dass die Bundeswehr von ihren Brocken-Plänen abrückt. Eine bereits vor zwei Wochen verschickte E-Mail der GZ dazu blieb bis heute unbeantwortet. Mehrere Anrufe, zuletzt am Freitagmittag im Berliner „Karrierecenter“ der Bundeswehr, führten ebenfalls zu keinem Kontakt, um Einzelheiten zu erfahren. Aber Landrat Thomas Balcerowski berichtete Ende Februar nach einer Kreistagssitzung, dass er der Bundeswehr den Entwurf für einen Nutzungsvertrag vorgelegt habe.
Kritische Fragen zur Bundeswehr
Grüne tragen Debatte um Brockencamp in den Bundestag
Balcerowski betont, dass bei den Planungen Einvernehmen mit der Nationalparkverwaltung erzielt werden und der Natur- und Tierschutz „unbedingt“ berücksichtigt werden müsse. Zu den Planungen des Landrats gehört auch eine finanzielle Überlegung. Der Landkreis wolle von der Bundeswehr „kein Nutzungsentgelt erheben“. Im Gegenzug solle die Bundeswehr der Stadt Wernigerode die Hälfte der Summe für den Bundeswehreinsatz beim Brockenbrand 2024 erlassen. Laut Balcerowski entspricht dies einer Summe von rund 675.000 Euro.
Kein Manöver geplant
Balcerowski betont zudem, „zu keiner Zeit sei ein Manöver geplant gewesen“, bei dem „Panzer auf dem höchsten Berg Norddeutschlands auffahren. Er wolle „Horrorszenarien einer militärischen Besetzung der Brockenkuppe“ entgegentreten. Auch Soldaten mit Waffen seien während des Camps, das der Nachwuchswerbung diene, nicht vorgesehen. Der Landrat bittet um Verständnis für das Camp: „Die Soldaten der Bundeswehr haben unseren Respekt und Rückhalt verdient.“
Kaum gehört in diesen Tagen wird die Stadt Wernigerode, zu der die Brockengemeinde Schierke gehört. Oberbürgermeister Tobias Kascha sagt auf Anfrage, ein Camp zur Nachwuchswerbung ergebe Sinn, wenn damit viele Leute erreicht würden. Grundsätzlich sei es richtig, der Bundeswehr „mit Blick auf die aktuelle Lage“ bei der Personalplanung zu helfen. Andererseits verstehe er die Menschen, die aus „historischen“ Gründen Bauchschmerzen mit einem Bundeswehrcamp auf dem Brocken hätten. Er bietet sich daher an, nach geeigneten Flächen in Wernigerode zu suchen, wenn dies gewünscht werde. Als „erfreulich“ bezeichnete er es, wenn die Bundeswehr der Stadt die Hälfte der Kosten für ihren Einsatz beim Brockenbrand erlassen würde.
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