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Wilde Debatte vor 17 Jahren

GZ Plus IconWarum in Bad Harzburgs Stadtmitte eine Bürgermeister-Uhr hängt

Die Uhr am Jungbrunnen steht seit Tagen still und zeigt 12 Uhr (auf der Rückseite übrigens 13.35 Uhr). Aber, warum ist das eigentlich die Bürgermeister-Uhr? 

Die Uhr am Jungbrunnen steht seit Tagen still und zeigt 12 Uhr (auf der Rückseite übrigens 13.35 Uhr). Aber, warum ist das eigentlich die Bürgermeister-Uhr? Foto: Schlegel

Seit Tagen steht die Uhr an der Stadtmitte auf zwölf. Warum sie „Bürgermeister-Uhr“ heißt und wie vor Jahren aus einer simplen Uhr ein lokaler Grundsatzstreit wurde.

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Von Holger Schlegel
Sonntag, 08.02.2026, 16:00 Uhr

Bad Harzburg. Die Uhr am Platz Stadtmitte steht still, seit Tagen zeigt sie 12 Uhr auf der einen, 13.35 Uhr auf der anderen Seite. Bald soll sie laut Bauamt wieder in Gang gebracht werden, der Elektriker sei bestellt. Kurioserweise heißt dieser Zeitmesser übrigens „Bürgermeister-Uhr“. Aber warum eigentlich? Und wieso hätte es am Platz Stadtmitte eigentlich um ein Haar eine ganz andere Uhr, womöglich sogar zwei Uhren gegeben? Wobei der Platz ja auch eigentlich gar nicht mehr Stadtmitte heißt...

Warum Till Eulenspiegel?

Das Thema Uhr in der Stadtmitte ist komplex und hat eine kuriose Geschichte, die mittlerweile 17 Jahre zurückliegt. Damals hatte der Förderverein Jungbrunnen die Idee, eine Uhr auf dem Platz aufstellen zu lassen, die zum Jungbrunnen passt. Ein Till Eulenspiegel sollte die Uhr tragen, optisch passend zu den knubbeligen Figuren des Jungbrunnens. Die hatte der Förderverein über Jahre aus Spendengeldern her- und aufstellen lassen. Im Februar 2008 war das Projekt vollendet worden. 250.000 Euro hatte es gekostet, finanziert durch Spenden.

Dirk Junicke zeigt im Mai 2009 unter vollem Körpereinsatz: So könnte die Harlekin-Uhr aussehen.

Dirk Junicke zeigt im Mai 2009 unter vollem Körpereinsatz: So könnte die Harlekin-Uhr aussehen. Foto: Seltmann

Ein Jahr später stellte Dirk Junicke, Kopf des Fördervereins, die Idee der Harlekin-Uhr vor. „Unser Volksheld aus dem Braunschweiger Land ist ein Zeichen für tiefgreifenden und humorvollen Schalk und Narretei“, diktierte Junicke damals der GZ in den Block. 25.000 Euro sollte der ganze Spaß kosten, 8000 Euro standen bereits zur Verfügung, der Rest wäre wieder über Spenden hereingekommen.
Von der Uhr, die der Jungbrunnen-Verein gern gespendet hätte, gibt es nur einen gezeichneten Entwurf.

Von der Uhr, die der Jungbrunnen-Verein gern gespendet hätte, gibt es nur einen gezeichneten Entwurf. Foto: Knof

Wäre. Denn die Harlekin-Uhr stieß nicht überall auf Begeisterung. Unter anderem, weil sie genau dort aufgestellt werden sollte, wo bis dato (und auch noch heute) der riesige Blumenpfau steht. Oder liegt. Den kann man mögen oder nicht, auf alle Fälle zeigte sich damals, dass er offenkundig beliebter ist, als gedacht. Jedenfalls beliebter, als es sich der Jungbrunnenverein und Junicke dachten.

Aus einer simplen Uhr wurde plötzlich eine Grundsatzfrage. Ist der Standort richtig? Ist vor allem auch das Motiv richtig? Was hat Till Eulenspiegel mit Bad Harzburg zu tun? Sollte man nicht lieber einen Kaiser nehmen? Eine Uhr wäre am Platz Stadtmitte natürlich schon sinnvoll. Früher hatte es mal eine gegeben, aber die war den Umbaumaßnahmen in den 80er Jahren zum Opfer gefallen. Aber den Pfau nun für eine neue opfern?

Kurzerhand wird 2009 mitten in der Diskussion die Bürgermeister-Uhr aufgehängt.

Kurzerhand wird 2009 mitten in der Diskussion die Bürgermeister-Uhr aufgehängt. Foto: Schlegel

Sogar der Bauausschuss traf sich mit Junicke in der Stadtmitte, der sich da aber nicht wirklich kompromissbereit zeigte: Uhr und Pfau würden nicht zusammenpassen, also entweder Uhr oder Pfau. Und auch zum Eulenspiegel gäbe es keine Alternative, man könnte ihn höchstens Narr, Harlekin oder Witzfigur nennen. Aber die Geldgeber würden ihren Obolus halt für dieses Motiv geben. Nur für dieses Motiv. Das wiederum kam auch nicht bei jedem gut an. Von „Erpressung“ war die Rede.

Irgendwann gab es sogar eine Bürgerversammlung am Ort des Geschehens, und in die platzte eine Nachricht, die an sich schon eine eigene Eulenspiegelei war: Bürgermeister Ralf Abrahms hatte einfach mal eine andere Uhr bestellt. Eine Normaluhr, die an einen Laternenpfahl geschraubt wurde. Nix Narr, nix besonderes Motiv, auch nix Spendengelder, sondern ein schlichter Zeitmesser, funkgenau und nur ein Bruchteil so teuer, wie die Harlekin-Uhr. Wie viel günstiger genau, wurde nie verraten.

Ein nächtlicher Besucher

Eine kuriose, allerdings nicht belegte Begebenheit am Rande: Die Uhr wurde angebracht, als Abrahms im Urlaub weilte. Kaum war er wieder im Lande, wurde er spätabends beobachtet, wie er noch im Urlaubsoutfit die Uhr begutachtete.

Wie dem auch sei: Abrahms wollte damit die Luxusdebatte beenden, wie er sie nannte. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Politik war wütend, immerhin hätten Junicke und Co. der Stadt eine originelle Uhr geschenkt. Und über dieses Geschenk wollte eigentlich noch der Rat abstimmen.
Sogar eine Bürgerversammlung wird 2009 einberufen, um über Uhr und Pfau zu diskutieren.

Sogar eine Bürgerversammlung wird 2009 einberufen, um über Uhr und Pfau zu diskutieren. Foto: Seltmann

Die Mehrheit hatte dann aber irgendwann doch die Nase voll, es wurde beschlossen, dass die Sache erledigt sei. Die Bürgermeister-Uhr würde doch ein schönes Bild abgeben. Der Platz Stadtmitte habe nun eine Uhr, der Pfau bleibe am Leben, Schluss, Aus, Feierabend.

Wie heißt der Platz eigentlich?

Neulich ploppte die Debatte um diese Uhr noch einmal kurz auf, als nämlich auf Antrag des Jungbrunnenvereins der Platz Stadtmitte umbenannt werden sollte. Das ging dann zwar nicht ganz reibungslos, letzten Endes aber versöhnlich über die Bühne. Der Platz solle irgendwie den Namen Jungbrunnen tragen, so jedenfalls hatte der Jungbrunnenverein es beantragt. Da wollte dann die Politik wirklich ein Wörtchen mitreden und ihren eigenen Willen durchsetzen: Platz am Jungbrunnen? Jungbrunnen-Platz? Am Ende einigte sich der Rat auf Jungbrunnenplatz. Ohne Bindestrich.

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