Warum in Bad Harzburgs Stadtmitte eine Bürgermeister-Uhr hängt
Die Uhr am Jungbrunnen steht seit Tagen still und zeigt 12 Uhr (auf der Rückseite übrigens 13.35 Uhr). Aber, warum ist das eigentlich die Bürgermeister-Uhr? Foto: Schlegel
Seit Tagen steht die Uhr an der Stadtmitte auf zwölf. Warum sie „Bürgermeister-Uhr“ heißt und wie vor Jahren aus einer simplen Uhr ein lokaler Grundsatzstreit wurde.
Bad Harzburg. Die Uhr am Platz Stadtmitte steht still, seit Tagen zeigt sie 12 Uhr auf der einen, 13.35 Uhr auf der anderen Seite. Bald soll sie laut Bauamt wieder in Gang gebracht werden, der Elektriker sei bestellt. Kurioserweise heißt dieser Zeitmesser übrigens „Bürgermeister-Uhr“. Aber warum eigentlich? Und wieso hätte es am Platz Stadtmitte eigentlich um ein Haar eine ganz andere Uhr, womöglich sogar zwei Uhren gegeben? Wobei der Platz ja auch eigentlich gar nicht mehr Stadtmitte heißt...
Warum Till Eulenspiegel?
Das Thema Uhr in der Stadtmitte ist komplex und hat eine kuriose Geschichte, die mittlerweile 17 Jahre zurückliegt. Damals hatte der Förderverein Jungbrunnen die Idee, eine Uhr auf dem Platz aufstellen zu lassen, die zum Jungbrunnen passt. Ein Till Eulenspiegel sollte die Uhr tragen, optisch passend zu den knubbeligen Figuren des Jungbrunnens. Die hatte der Förderverein über Jahre aus Spendengeldern her- und aufstellen lassen. Im Februar 2008 war das Projekt vollendet worden. 250.000 Euro hatte es gekostet, finanziert durch Spenden.

Dirk Junicke zeigt im Mai 2009 unter vollem Körpereinsatz: So könnte die Harlekin-Uhr aussehen. Foto: Seltmann

Von der Uhr, die der Jungbrunnen-Verein gern gespendet hätte, gibt es nur einen gezeichneten Entwurf. Foto: Knof
Debatte im Bauausschuss
Wie soll die Bad Harzburger Stadtmitte denn nun heißen?
Aus einer simplen Uhr wurde plötzlich eine Grundsatzfrage. Ist der Standort richtig? Ist vor allem auch das Motiv richtig? Was hat Till Eulenspiegel mit Bad Harzburg zu tun? Sollte man nicht lieber einen Kaiser nehmen? Eine Uhr wäre am Platz Stadtmitte natürlich schon sinnvoll. Früher hatte es mal eine gegeben, aber die war den Umbaumaßnahmen in den 80er Jahren zum Opfer gefallen. Aber den Pfau nun für eine neue opfern?

Kurzerhand wird 2009 mitten in der Diskussion die Bürgermeister-Uhr aufgehängt. Foto: Schlegel
Letzte Sitzung vor den Ferien
Wie steht Harzburgs Rat zum Märchenwald und zum Platz Stadtmitte?
Irgendwann gab es sogar eine Bürgerversammlung am Ort des Geschehens, und in die platzte eine Nachricht, die an sich schon eine eigene Eulenspiegelei war: Bürgermeister Ralf Abrahms hatte einfach mal eine andere Uhr bestellt. Eine Normaluhr, die an einen Laternenpfahl geschraubt wurde. Nix Narr, nix besonderes Motiv, auch nix Spendengelder, sondern ein schlichter Zeitmesser, funkgenau und nur ein Bruchteil so teuer, wie die Harlekin-Uhr. Wie viel günstiger genau, wurde nie verraten.
Ein nächtlicher Besucher
Eine kuriose, allerdings nicht belegte Begebenheit am Rande: Die Uhr wurde angebracht, als Abrahms im Urlaub weilte. Kaum war er wieder im Lande, wurde er spätabends beobachtet, wie er noch im Urlaubsoutfit die Uhr begutachtete.
Vereinsmitglieder stimmen ab
Entscheidung gefallen: Harzburg-Turm soll gebaut werden

Sogar eine Bürgerversammlung wird 2009 einberufen, um über Uhr und Pfau zu diskutieren. Foto: Seltmann
Die Mehrheit hatte dann aber irgendwann doch die Nase voll, es wurde beschlossen, dass die Sache erledigt sei. Die Bürgermeister-Uhr würde doch ein schönes Bild abgeben. Der Platz Stadtmitte habe nun eine Uhr, der Pfau bleibe am Leben, Schluss, Aus, Feierabend.
Wie heißt der Platz eigentlich?
Neulich ploppte die Debatte um diese Uhr noch einmal kurz auf, als nämlich auf Antrag des Jungbrunnenvereins der Platz Stadtmitte umbenannt werden sollte. Das ging dann zwar nicht ganz reibungslos, letzten Endes aber versöhnlich über die Bühne. Der Platz solle irgendwie den Namen Jungbrunnen tragen, so jedenfalls hatte der Jungbrunnenverein es beantragt. Da wollte dann die Politik wirklich ein Wörtchen mitreden und ihren eigenen Willen durchsetzen: Platz am Jungbrunnen? Jungbrunnen-Platz? Am Ende einigte sich der Rat auf Jungbrunnenplatz. Ohne Bindestrich.
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