Zähl Pixel
Rekordpreise an den Zapfsäulen

GZ Plus IconWie Tankstellenpächter im Kreis Goslar derzeit ihre Kunden erleben

Eine Tankstelle mit Preistafel.

Starker Anstieg: Die Spritpreise an einer Tankstelle in Goslar am Dienstag (l.). Am Mittwoch steigt der Diesel-Preis am Morgen an einer Tankstelle in Goslar deutlich an, während die anderen Preise im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vortages leicht sinken (m.). Am Donnerstagvormittag: Die meisten Preise liegen über zwei Euro, nur Super E10 bewegt sich noch haarscharf unter dieser Marke (r.). Foto: Sowa (2)/ Stade

Die Spritpreise steigen wegen des Kriegs im Iran täglich. Die GZ hat sich umgehört und unter anderem mit Tankstellenpächtern gesprochen, was an den Zapfsäulen los ist.

Von Oliver Stade Freitag, 06.03.2026, 04:00 Uhr

Harz. Die Spritpreise steigen seit dem Krieg in Iran immer weiter. An vielen Tankstellen im Landkreis Goslar liegen sie mittlerweile bei über zwei Euro, nur Super E10 lag mit 1,99 Euro pro Liter am Donnerstag noch haarscharf unter der Marke. Experten schließen weitere Preissteigerungen nicht aus. Die GZ hat mit Tankstellenbetreibern und einem Kraftstoff-Einkäufer gesprochen.

Zwar murren viele Kunden und fragen, wohin das noch führen soll, aber beschimpft werde er nicht, sagt ein Tankstellenpächter aus dem Raum Goslar. Seinen Namen will er nicht veröffentlicht sehen, weil der Mineralölkonzern, unter dessen Namen er Benzin und Diesel verkauft, die Pächter angewiesen habe, nicht mit der Presse zu reden, sondern Journalisten an die Konzernpressestellen zu verweisen. So halten es beinahe alle Mineralölkonzerne, daher ist es schwierig, Auskunft zu erhalten.

Zunächst herrschte großer Andrang

Der Tankstellenpächter aus dem Raum Goslar berichtet dennoch, in den ersten Tagen nach dem Angriff Israels und der USA auf Iran habe es sogar „erstmal einen Run“ gegeben. Offenbar hätten viele Kunden Angst gehabt, dass bald kein Sprit mehr da ist“. Zurückhaltung spüre er wegen der hohen Preise aber nicht, sagt er. Viele Kunden würden volltanken.

Jasmin Bergmann hingegen, Filialleiterin der Classic-Tankstelle in Bad Harzburg, berichtet, es gebe zwar mehr Kunden, die nur für 20 oder 30 Euro tanken würden. Aber statt einmal pro Woche kämen sie dafür jetzt zweimal zum Tanken. Ansonsten nehme sie keine großen Unterschied im Tankverhalten wahr. Eine Ausnahme habe es allerdings am Mittwoch gegeben, als die Preise besonders hoch gewesen seien. Ein Liter Diesel habe 2,07 Euro gekostet, Super plus sogar 2,15 Euro. Zu diesem Zeitpunkt sei kaum Betrieb an ihrer Tankstelle gewesen, berichtet Jasmin Bergmann.

Der Pächter aus dem Raum Goslar, der anonym bleiben will, erklärt, es gebe zwar Autofahrer, die sich „aufregen“ würden wegen der stark gestiegenen Spritpreise, aber viele würden es „mit einem Schmunzeln“ hinnehmen, erklärt er weiter. Manch einer, der über die Preise klage, nehme allerdings zugleich zwei große Zigarettenschachteln für jeweils 30 Euro mit. Da wundere er sich.

Von Kaufzurückhaltung angesichts der hohen Preise ist auch beim Energiehandel Mönneke in Delligsen im Kreis Holzminden nichts zu spüren, berichtet der für den Ein- und Verkauf zuständige Vertriebsleiter Wolfgang Schrader. Die Umsätze seien sogar „deutlich höher, weil alle Angst haben, dass es noch teurer wird“. Der Energiehandel in Delligsen beliefert Privatleute mit Pellets, Heizöl und Schmierstoffen und seine 35 Tankstellen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Sprit. Eine der Tankstellen befindet sich in Clausthal-Zellerfeld.

Hat er von den Tankstellenbetreibern gehört, dass vermehrt abends getankt wird, weil der ADAC das wegen der dann tendenziell fallenden Preise aktuell empfohlen hat? „Das gab es schon immer“, sagt Schrader. „Das ist grundsätzlich nichts Neues.“ Vom Nachmittag bis in den Abend würden die Tankstellen während eines Zeitraums von einem Drittel ihrer Öffnungszeit seit jeher annähernd die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaften.

Mehrmals hoch und runter

Das Phänomen übrigens, dass die Benzinpreise täglich wie an der Börse schwanken, gebe es nur in Deutschland, sagt Rohstoffexperte Schrader. Bis zu 15 Cent gehe es an einem Tag hoch und runter. Zu den Besonderheiten des Marktes gehören übrigens auch regionale Unterschiede. Der Tankstellenpächter aus dem Raum Goslar berichtet, in Salzgitter beispielsweise seien die Preise tendenziell niedriger als in Goslar, während sie im Oberharz noch höher seien. In Tourismusgebieten mit Urlaubern, die viel unterwegs sind, seien die Preise höher, erklärt er.

Wie lange werden die Preise noch steigen? Händler Schrader sagt: „Solange in der Golfregion Raketen abgefeuert werden, wird der Preis nicht sinken.“ An der Straße von Hormus, weltweit eine der wichtigsten Routen für den Ölhandel, würden derzeit 300 Öltanker festsitzen, erklärt Schrader.

Derweil zeigt sich der Bundesverband „Energie-Mittelstand“ angesichts des deutlichen Preisanstiegs beim Sprit bemüht, die Gemüter zu beruhigen. Strukturen und Versorgungslage auf dem Kraftstoffmarkt seien stabil. Deutschland verfüge über „funktionierende Lieferketten und gut ausgebaute Raffinerie- und Lagerkapazitäten“, heißt es in einer Mitteilung.

Mehrkosten bei den Stadtbussen

Folgen hat der starke Anstieg der Spritpreise zum Beispiel auch für Betriebe wie die Stadtbus GmbH in Goslar. Geschäftsführerin Anne Sagner rechnet in Kürze mit Auswirkungen. Derzeit aber sei der 120.000-Liter-Tank mit Diesel auf dem Betriebshof noch nicht leer, aber Anfang kommender Woche müsse Nachschub geordert werden. Sie rechne mit 25 Cent Mehrkosten pro Liter. Früher habe die Stadtbus GmbH Verträge mit einer Preisbindung für ein Jahr geschlossen. Das habe sich bei sinkenden Preisen aber nicht als vorteilhaft erwiesen.

Keine Sorgen müssen sich Mieter und Hauseigentümer wegen der Heizkosten machen. Zwar steigen derzeit auch die Preise für Erdgas, Öl und Kohle an. „Für Strom- und Erdgaskunden der Harz-Energie besteht aber bis auf Weiteres keine Gefahr steigender Kosten“, teilt der regionale Versorger mit. Eine Unternehmenssprecherin erinnert daran, dass die Preise kürzlich sogar um bis zu 18 Prozent reduziert wurden. Dank „langfristiger Energiebeschaffung“ seien die neuen Preise „für viele Monate abgesichert“. Aus diesem Grunde könnten sogar Verträge mit Preisgarantien bis zum März 2027 abgeschlossen werden.

Von den Lieferketten, die aktuell gestört sind, weil Iran die Straße von Hormus sperrt, sind weitere Güter betroffen. Das Unternehmen Oker-Chemie lässt auf einem der Schiffe, die in der Meerenge festsitzen, Trockenmittel für chemische Gase befördern, die für Indien bestimmt sind, berichtet Geschäftsführer Neil-Christian Kind. Vor zwei Jahren, als der Lieferweg wegen der Havarie eines Tankers im Suezkanal blockiert war, fehlten dem Unternehmen in Oker Grundstoffe aus China.

Auf hohem Niveau

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Politik mit den steigenden Spritpreisen und diskutiert über Gegenmaßnahmen wie eine Spritpreisbremse. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat zuletzt angekündigt, überprüfen zu wollen, dass die Situation „nicht ausgenutzt wird“. Die Preisentwicklung bilde sich zwar an den Märkten ab, eine andere Frage sei, ob die Preise in dieser Höhe gerechtfertigt seien. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete am Donnerstag, Superbenzin der Sorte E10 und Diesel hätten zuletzt im Jahr 2022 über zwei Euro gekostet. Am Dienstag kostete E10 im Tagesschnitt 1,925 Euro pro Liter, das waren 15,7 Cent mehr als am Freitag. Im Landkreis Goslar beispielsweise stieg der Dieselpreis an einer Aral-Tankstelle in Goslar von 1,879 am Dienstag auf 2,069 Euro am Donnerstag.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region