Jugendpornografie: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Arzt aus Goslar
Eine Polizistin sitzt in einem Büro vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie und Fällen von sexuellem Missbrauch: Ein Arzt aus Goslar steht in Verdacht, Dateien mit Jugendpornografie besessen zu haben. Foto: Arne Dedert/dpa
Verdacht gegen einen Arzt aus Goslar: Die Staatsanwaltschaft in Göttingen ermittelt wegen des Besitzes jugendpornografischer Dateien. So sind die Ermittlungen in Gang gekommen.
Goslar. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat auf Nachfrage bestätigt, dass sie gegen einen Arzt aus Goslar ermittelt. Es geht um den Verdacht, dass er jugendpornografische Dateien besaß.
Mehr teilt die Ermittlungsbehörde nicht mit, außer, dass es sich bei der Anzahl der Dateien um einen „niedrigen zweistelligen Bereich“ handelt. Dem Vernehmen nach sollen es etwas mehr als zehn sein. Vor diesem Hintergrund ist unklar, ob Anklage erhoben wird und es zu einer Verhandlung kommt oder ob am Ende eine Geldauflage als Strafe herauskommt. Wie lange die Ermittlungen gegen den Arzt voraussichtlich dauern, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.
Datenträger sichergestellt
Ihren Anfang nahmen die Ermittlungen gegen den Mediziner offenbar Ende Oktober 2025, seinerzeit wurde eine Praxis in Goslar untersucht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte im November 2025 bestätigt, dass Datenträger sichergestellt wurden. Offenbar waren die Ermittlungen in Gang gekommen, weil eine Zeugin ein Gespräch des Mediziners mitgehört hatte, von dem sie meinte, darin werde über einen sexuellen Missbrauch gesprochen.
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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte daher zunächst wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Kindern ermittelt. Dieser hatte sich allerdings nicht erhärtet. Auf den Rechnern des Mannes wurden aber offenbar jugendpornografische Dateien gefunden. Die entsprechenden Untersuchungsakten leiteten die Ermittler aus Braunschweig weiter an die Staatsanwaltschaft Göttingen, die seit dem vorigen Jahr neben der Staatsanwaltschaft in Hannover in Niedersachsen in solchen Fällen zuständig ist.
Zunehmende Delikte
Die Praxis des Arztes wird mittlerweile offensichtlich nicht mehr betrieben. Ob sie bei der Kassenärztlichen Vereinigung Braunschweig abgemeldet wurde, dazu gibt die Behörde aus Datenschutzgründen keine Auskunft, sie teilt aber mit, dass bekannt sei, dass eine Praxis in Goslar geschlossen habe.
Es ist nicht der erste Fall aus dem Landkreis Goslar. Im November 2025 verurteilte das Amtsgericht Seesen einen früheren SPD-Kommunalpolitiker zu einer Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Familienvater musste außerdem 7500 Euro an soziale Einrichtungen zahlen. Auf seinem Rechner hatten die Ermittler 238 Dateien mit Kinderpornografie und 20.068 mit Jugendpornografie entdeckt.
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Delikte, wie der Besitz und Konsum von Kinder- und Jugendpornografie beschäftigen die Gerichte zunehmend. Das Landeskriminalamt in Hannover berichtet von steigenden Fallzahlen. Während 2019 in Niedersachsen noch 1742 Fälle registriert wurden, waren auf 2023 bereits 6855, erfasst werden Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung entsprechender Fotos oder Filme. Einer der Gründe für den Anstieg liegt darin, dass viele Fälle vom Nationalen Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (NCMEC) in den USA erfasst und gemeldet werden. So war es auch bei dem ehemaligen SPD-Kommunalpolitiker. Das NCMEC analysiert Inhalte mittels digitaler Fingerabdrücke und KI und bekommt strafrechtliche Verstöße von Internet-Providern gemeldet. Bei Treffern wird das Bundeskriminalamt informiert. Das Amt erhielt laut einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums allein 2024 rund 200.000 Hinweise aus den USA.
Ex-Politiker aus Berlin
Derzeit beschäftigt zudem ein schwerer Missbrauchsvorwurf die Ermittlungsbehörden der Region. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhob kürzlich Anklage gegen den früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Hartmut Ebbing (69) aus Berlin und eine 51-jährige Lehrerin aus Goslar. Am 10. März beginnt vor dem Landgericht Braunschweig das Verfahren gegen die beiden. Ebbing, dessen Anwalt mitteilt, sein Mandant bestreite die Vorwürfe, soll den siebenjährigen Sohn der Frau in Goslar missbraucht haben. Die Lehrerin, die seit längerer Zeit vom Dienst suspendiert ist, soll ihren Sohn ebenfalls missbraucht und Fotos davon an Ebbing geschickt haben.
Verfahren vor dem Landgericht
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Ebbing ist bereits wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften in elf Fällen und wegen des Erwerbs kinderpornografischer Inhalte in vier Fällen verurteilt. Das Amtsgericht Tiergarten verhängte gegen ihn deswegen im Februar 2025 eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, sie wurde zur Bewährung ausgesetzt.
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