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Nach 25 Jahren

GZ Plus Icon„Genug geackert“: Alexander Ehrenberg verlässt Oberharzer Politik

Alexander Ehrenberg hält eine Rede. Im Hintergrund steht ein Mann und sorgt mit Fackeln für Licht.

In mehr als 20 Jahren als Ortsbürgermeister hat Alexander Ehrenberg viele Reden gehalten, wie zuletzt beim Heimatfest. Nun will er sich aus der ersten Reihe verabschieden. Foto: Neuendorf

Alexander Ehrenberg ist im Oberharz eine feste Größe der SPD. Nach der verlorenen Kandidatenkür legt er seine Ämter nieder. Der 48-Jährige erzählt, warum es ihm reicht.

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Von Corinna Knoke
Dienstag, 20.01.2026, 16:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Mit 48 Jahren von politischem Ruhestand zu sprechen, klingt wie ein Widerspruch. Für Alexander Ehrenberg ist es dennoch eine bewusste Entscheidung. Nachdem er sich bei der SPD-Aufstellungsversammlung Markus Finck geschlagen geben musste, kündigte der Altenauer an, sich schrittweise aus der Lokalpolitik zurückzuziehen – nicht aus Trotz und Frust, sondern nach reiflicher Überlegung, wie er sagt.

Seit dem 10. Januar steht fest, wer für die SPD die Nachfolge von Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch antreten soll. Der Ausgang der Aufstellung schien während der Versammlung offen, auch wenn das Ergebnis eindeutig ausfiel: In geheimer Wahl stimmten von 59 Mitgliedern bei einer Enthaltung letztlich 20 für Ehrenberg und 38 für Finck. Der Moment, in dem feststand, dass er nicht Bürgermeisterkandidat seiner Partei wird, habe Ehrenberg aber nicht aus der Bahn geworfen. „Die SPD hat eine Entscheidung getroffen“, sagt er ruhig. Dass dieser Schritt kommen könnte, habe er längst im Hinterkopf gehabt.

Keine spontane Entscheidung

Schon im vergangenen Sommer habe er parteiintern angekündigt, seine leitenden Ämter abgeben zu wollen. „Ich bin nicht mit einem Schild offensiv herumgelaufen“, betont er. „Aber wenn man mich gefragt hat, habe ich transparent darüber gesprochen.“ Für das Bürgermeisteramt hätte er noch zur Verfügung gestanden, weil er den Eindruck hatte, das berufliche Rüstzeug dafür mitzubringen. Gleichzeitig sei da aber dieses andere Gefühl gewesen, genug „geackert“ zu haben.

Ehrenberg ist seit 1998 Mitglied der SPD und seit 1999 kommunalpolitisch aktiv. Die Liste seiner heutigen Funktionen ist lang: Er ist seit 2005 (Orts-)bürgermeister in Altenau und seit 2015 SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat, stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender im Bau-, Umwelt-, Feuerwehr- und Stadtentwicklungsausschuss. Die Wähler entsandten ihn seit 2016 in den Goslarer Kreistag. Um diesen Posten gerecht zu werden, hat er nach eigenen Angaben rund 20 Stunden pro Woche investiert. Der studierte Verwaltungswirt spricht von Schreibtischarbeit, Telefonaten, Gesprächen, Treffen in der Fraktion, Gremiensitzungen und öffentlichen Terminen wie Jahreshauptversammlungen. „Das war ja nicht mein Privatvergnügen“, sagt er.

Ein Zugpferd in der SPD

Es sei ihm immer darum gegangen, vorbereitet zu sein, den Überblick zu behalten und Entscheidungen nicht leichtfertig zu treffen. „Den Laden nicht gegen die Wand zu fahren“, nennt er es. Der Wähler habe seine Arbeit über Jahre honoriert, sagt Ehrenberg. Bei Wahlen sei er innerhalb der SPD stets einer der Stimmenstärksten gewesen. Bei der Ortsratswahl in Altenau erhielt er im Jahr 2021 1000 Stimmen, während Markus Finck auf dem zweiten Platz mit 196 Stimmen landete.

Überrascht habe ihn das Ergebnis der Aufstellungsversammlung am 10. Januar nicht. Wer kandidiere, müsse auch bedenken, was passiere, wenn es nicht reiche. „Wenn man das im Hinterkopf behält, bricht auch keine Welt zusammen“, meint Ehrenberg. Dabei betont er, dass der Rückzug aus der Politik eine Entscheidung für sich und nicht gegen andere sei.

Als einfaches Rats- und Kreistagsmitglied will er zunächst weitermachen. Seine leitenden Ämter möchte er jetzt aber geordnet abgeben und nicht erst nach der Kommunalwahl im September. Denn sein Anspruch laute dabei, niemandem im Weg zu stehen und keine Posten zu blockieren. Ob dann Markus Finck der neue Ortsbürgermeister oder Bauausschussvorsitzende wird, kann der 48-Jährige nicht sagen. „Dann würde ich im Fernsehen bei Astro-TV arbeiten.“ Die Nachfolge regeln die Gremien. Wer welche Aufgaben übernimmt, entscheidet sich also in den kommenden Sitzungen im Februar.

Alexander Ehrenberg (r.) und Markus Finck zählen gemeinsam das Glücksschweinchengeld aus Altenau.

Alexander Ehrenberg (r.) und Markus Finck wollten beide Bürgermeisterkandidat der SPD werden. Die Aufstellungsversammlung hat sich eindeutig für Finck ausgesprochen. Foto: Neuendorf

Die Resonanz auf Ehrenbergs Entscheidung, künftig politisch in der zweiten Reihe zu stehen, sei groß gewesen. Menschen hätten ihm viel Verständnis und Bedauern entgegengebracht. Sie könnten aber nachvollziehen, warum er nach so vielen Jahren Verantwortung einen Schritt zurücktritt – besonders dann, wenn die eigene Partei einem das Spitzenamt nicht mehr zutraut.

Was tun mit der neuen Freizeit?

Wenn Ehrenberg diese verantwortungsvollen Ämter niederlegt, hat er viel Zeit über. Was will er damit anfangen? Ein neues Hobby brauche er nicht, sagt er und lacht. Er sei selbstständig, „selbst und ständig“, greift er die bekannte Floskel auf. Zwei Ferienhäuser vermiete er, da gebe es immer genug zu tun. Und er freue sich darauf, künftig mehr Zeit für seine Familie zu haben, die in den vergangenen Jahren oft knapp gewesen sei.

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