„Mein Lokal, Dein Lokal“ im Harz: Abgesprochen statt umkämpft?
Zum Wohl: Huong Trute, Meik Lindberg, Felix Prade, Alexander Scharf und Johannes Steingrüber bei "Mein Lokal, Dein Lokal". Foto: just friends productions
Wie kann es sein, dass fünf Restaurants im TV-Wettstreit auf dieselbe Punktzahl kommen? Ein Kommentar von GZ-Chefredakteur Jörg Kleine bei der Suche nach dem Haar in der Suppe.
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Sternekoch entscheidet: Gleichstand bei „Mein Lokal, Dein Lokal“
Wettstreit? Nein, fünf Freunde wollen wir sein
Sie überschütteten einander mit Lob, ließen sich formidables Essen schmecken, erhielten Einblick in fremde Küchen und Rezepte, ließen sich von Fernsehteams in Szene setzen und strahlten zum Nachtisch wie Honigkuchenpferde in die Kameras. Natürlich kamen auch die Städte im Film gut weg.
Fünf Freunde sollt ihr sein, glücklich euch in den Armen liegen – das zergeht just zur Adventszeit auf der Zunge wie Lebkucheneis mit heißen Feigen. Einen Wermutstropfen möchte ich hingegen doch mal einschenken: Auch zu diesem TV-Rezept gehört offenbar ein abgekartetes Spiel, wie es bei so vielen Shows und scheinbaren „Reality“-Formaten heutzutage üblich ist. Devise: Realität muss erst mal inszeniert werden.„Mein Lokal, Dein Lokal“ im Harz
Speisen wie die Hollywood-Stars: „Orchidea“ in Wernigerode
Wie kann es sein, dass fünf Lokale aus dem weiten Harz am Ende allesamt bei 36 von 40 Punkten landen? Das klingt doch wie Bundesjugendspiele in der Waldorfschule, Abi-Verabschiedung in der Bildungshauptstadt Bremen oder die Quote im Biathlon-Liegendschießen von Arnd Peiffer.
Ein abgekartetes Fernsehspiel
So hatten sich die fünf Gastro-Experten aus dem Harz mutmaßlich schon vorher auf ein gemeinsames Rezept geeinigt: Am Ende erhalten alle dieselbe Punktzahl . Zwei vergeben neun Punkte, einer die Sagenhaftbewertung von zehn Punkten – und einer sucht ein Haar in der Suppe. Sinngemäß beispielsweise so: Ich hätte die Chefin gerne häufiger am Tisch gesehen, deshalb kann ich fürs Essen leider keine volle Punktzahl geben.Bei so manchem Zuschauer keimte wohl auch die Frage auf, wie sich das „Schiefer“ in Goslar in den Reigen der vier anderen Gourmet-Kochkünstler einfügt. Was jetzt nicht heißen soll, dass Alex Scharf und sein Team schlechte Leistung bringen. Vom saftigen Steak im Schiefer bis zu „Omas Frikadelle“ mit Süßkartoffeln im „Wildfang“ schmeckt das wirklich gut. Und auch das Personal ist sehr freundlich. Unterm Strich standen allerdings völlig unterschiedliche Gastro-Konzepte auf der Speisenkarte des TV-Senders. Was am Ende die Lage des Sternekochs und Schiedsrichters Robin Pietsch im Küchenkabinett nicht leichter machte – oder glaubwürdiger.
Fazit: Gute Lokale, gute Gastgeber, guten Appetit
Was bleibt also von „Mein Lokal, Dein Lokal“ im Harz? Der angekündigte Wettstreit mit dem Kochlöffel war es eben nicht. Es war eine Werbesendung – nicht nur für die fünf Lokale, sondern auch für die fünf Städte und insgesamt für gutes Essen und Gastlichkeit im Harz. Das geht runter wie griechisches Olivenöl oder das schmackhafte Tofu-Törtchen bei Huong Trute. So ist mir der Appetit bei den Shows aus fünf Harzer Restaurants beileibe nicht vergangen. Im Gegenteil: Was da in den Küchen passierte und später auf den Tellern kredenzt wurde, macht Lust, mal wieder schön essen zu gehen. Die guten Lokale liegen ja ganz nah im Harz – und gemessen an der Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt stimmt auf dem Niveau der Spitzenköche auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.
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