Zähl Pixel
Spiritueller Missbrauch

Studie in zwei Bistümern: Machtmissbrauch in Gemeinschaften

Eine Studie befasst sich mit spirituellem Missbrauch am Beispiel von zwei Geistlichen Gemeinschaften aus zwei Bistümern. (Archivbild)

Eine Studie befasst sich mit spirituellem Missbrauch am Beispiel von zwei Geistlichen Gemeinschaften aus zwei Bistümern. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Unterwerfung wird gefordert, Macht angestrebt: Forscher haben spirituellen Missbrauch in zwei geistlichen Gemeinschaften in zwei Bistümern untersucht. Die Ergebnisse rütteln auf.

Von dpa 25.09.2026, 10:10 Uhr

Münster. Demütigung, Unterwerfung, Kontrolle: Spiritueller Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften ist einer Studie zufolge für viele Betroffene schwer belastend, wird aber bisher kaum beachtet. Dabei könnten die Auswirkungen genauso schwerwiegend sein wie beim sexuellen Missbrauch und sich auch in körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen zeigen. Zu dem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Uni Münster, die zwei Gemeinschaften in den katholischen Bistümern Osnabrück und Münster intensiv untersucht und viele Gespräche auch mit Betroffenen geführt haben. 

„Spiritueller Missbrauch ist von Macht-Interessen gesteuert“

Der sexuelle Missbrauch durch Priester, Ordensleute und Erzieher hatte die katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten weltweit erschüttert. Auch der geistliche, spirituelle Missbrauch müsse neben dem sexuellen Missbrauch als eine eigenständige Form von Missbrauch ernst genommen werden, betonte Studienleiterin Judith Könemann von der Katholisch-Theologischen Fakultät. 

Es handele sich um einen „unzulässigen und stets von Macht-Interessen gesteuerten Eingriff in das geistliche Leben, in die Spiritualität eines Gegenübers“, definiert das Forscherteam. Es habe sich gezeigt, dass von Leitungspersonen „Selbstaufgabe, Selbstauslieferung und Unterwerfung des Anderen gefordert und durchgesetzt“ worden seien. In den untersuchten Fällen habe man Methoden wie Indoktrinieren, Druck, Überfordern, Beschämung und Willkür festgestellt. 

Am Beispiel von zwei Gemeinschaften wurde das Thema erforscht

Im Zentrum der Studie standen die Christusgemeinschaft und eine Gemeinschaft namens Totus Tuus Neuevangelisierung. Auch die Haltung der zwei Bistümer Osnabrück und Münster, in denen diese beiden Gruppen angesiedelt waren, wurde untersucht. 

Die Christusgemeinschaft war kirchenrechtlich nie anerkannt worden, Mitte der 1970er Jahre entstanden und vor allem im Bistum Osnabrück tätig. Die andere Gemeinschaft war Anfang der 1990er entstanden, später vom Bistum Münster kirchlich anerkannt, nach Beschwerden und einem gescheiterten Erneuerungsprozess vom Bischof 2021 aber aufgelöst worden. 

Geistliche Gemeinschaften sind Zusammenschlüsse von Gläubigen, die vielen Menschen laut katholischer Deutscher Bischofskonferenz (DBK) ermöglichen, „eine geistliche Heimat in Glauben und Kirche zu finden.“ Sie seien „in Größe und Verbreitung, innerer Struktur, institutioneller Verfassung und jeweiliger Tätigkeit“ unterschiedlich. Die Studie war unter anderem von den beiden Bistümern und der DBK in Auftrag gegeben worden. Viele Menschen machten auch positive Erfahrungen in solchen Gemeinschaften, stellte auch die Forschergruppe klar.

Die Studie sieht gravierende Missstände

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten für die Pilotstudie auch 117 Interviews mit Betroffenen und früheren Mitgliedern geführt. In den Gemeinschaften wurde laut Bericht auch streng normiert, vor allem auf Frauen Druck ausgeübt, sich an Vorstellungen der Leitungen zu halten. Kinder seien in einer der beiden Gemeinschaften nicht als eigenständige Individuen angesehen worden und hatten laut Bericht keine Rechte. 

Verantwortliche in beiden Bistümer hätten sich schwer damit getan, „die Missstände als solche anzuerkennen und konsequenter dagegen vorzugehen“, bilanziert die Analyse. Mitglieder in den Gemeinschaften und Personen, die Probleme benannten, seien über einen längeren Zeitraum nicht oder kaum von den Bistumsverantwortlichen als relevant wahrgenommen worden. 

Geistliche Gemeinschaften sind den Autoren zufolge für viele Menschen attraktiv, die den eigenen Glauben „intensiv, radikal und entschieden“ leben wollen. Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, den spirituellen Missbrauch künftig zu verhindern, Intervention und Prävention zu verbessern.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!