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Nach Saisonstart in Sölden

Skisport im Klimawandel: Wie die Debatte den Weltcup berührt

In Sölden startete am Wochenende die neue Alpin-Saison.

In Sölden startete am Wochenende die neue Alpin-Saison. Foto: Expa/ Johann Groder/APA/dpa

Die Diskussion um die Zukunft des Wintersports ist beim Alpin-Auftakt in Tirol weniger zu spüren als sonst. Aber verschwunden? Nein. Inzwischen dreht sie sich sogar um Skihallen in Österreich.

Von Christoph Lother, dpa 26.10.2026, 13:20 Uhr

Sölden. Pünktlich zum Saisonstart schneite es dann doch wieder. Ein weißes Gewand legte sich über die graue Felslandschaft am Rettenbachferner - und verdeckte so auch die Diskussionen. Um den Wintersport im Klimawandel. Um den frühen Auftakt des alpinen Ski-Weltcups. Um dessen Zukunft.

Seit Jahren werden die Rennen, gerade in Sölden, von den Themen begleitet. Verschwinden werden die Debatten, anders als so mancher Gletscher in den Alpen, wohl nie. Und doch stand der Sport am vergangenen Wochenende mehr im Fokus als in einigen Jahren zuvor. Die Klima-Diskussion sei „auf jeden Fall noch irgendwie präsent“, sagte Anton Grammel, zweitbester Deutscher im Riesenslalom der Männer am Sonntag. „Aber es wird ein bisschen weniger.“

Skisport seit Jahren am Pranger

Vor drei Jahren blockierten Klimaaktivisten die Gletscherauffahrt. Diesmal war von derlei Protesten in Sölden, wo die Veranstalter am Wochenende knapp 29.000 Zuschauer zählten, nichts zu sehen. Anzeichen einer gewissen Klimamüdigkeit in der Gesellschaft? „Wir werden das Thema nicht wegradieren können“, hatte der Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), Jörg Flechtner, schon vor den Rennen im Ötztal gesagt. Wichtig sei, wie man damit umgehe.

Wintersportler seien „nicht Verursacher der ganzen Klimaproblematik, sondern Leidtragende“, meinte Flechtner. Anpassung ist das Stichwort. Den Weltcup-Kalender modifizieren und womöglich noch weiter in den Kernwinter schieben, Veranstaltungen möglichst klimaneutral abhalten - es gibt viele Ansätze.

Der Skisport will zu einer möglichen Klimawende beitragen, sich aber nicht länger stellvertretend für ein globales Problem an den Pranger stellen lassen.

Ganze Branchen in Bewegung

Mit der schon lange währenden Diskussion um den frühen Weltcup-Auftakt in Sölden kann Riesentorlauf-Spezialist Grammel ohnehin nicht viel anfangen. „Es klappt jedes Jahr“, sagte der 28-Jährige. Wenn die Rennen tatsächlich mal ausfallen würden, dann eher wegen zu viel Schnee. Zudem komme dieser großteils ja auch aus Depots, werde sozusagen aus dem Vorwinter recycelt und sei daher sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch keine schlechte Sache.

Zweitbester Deutscher im Riesenslalom: Anton Grammel.

Zweitbester Deutscher im Riesenslalom: Anton Grammel. Foto: Marco Trovati/AP/dpa

Für viele ist die traditionelle Saisoneröffnung - auch zu diesem Zeitpunkt - wichtig: Die Hersteller wollen neue Skier und neues Equipment präsentieren, der Winter-Tourismus wird angekurbelt. Ganze Branchen kommen in Bewegung.

Teure Trainingscamps in Südamerika

Fakt ist aber auch: Die Vorbereitung auf so eine Saison wird komplizierter, vernünftiges Training ist auf den schmelzenden Gletschern im Sommer immer weniger möglich. Viele Teams - auch die Österreicher zum Beispiel - weichen für ihre Camps vermehrt auf die Südhalbkugel aus. In Argentinien, Chile oder Neuseeland feilen sie an ihren Fähigkeiten in den Speed-Disziplinen.

Ein enormer Kostenaufwand, den sich der Profi leisten mag - nicht aber der Breitensport. Der Nachwuchs muss in Zeiten, in denen die Gletscher unter heißen Sommern wie in diesem Jahr ächzen und kleine Skigebiete zunehmend Probleme bekommen, schauen, wo er noch Zugang zum Skisport findet.

In Hallen etwa. In Deutschland gibt es die schon lange, in den Niederlanden genauso. Auch Alpin-Stars wie Mikaela Shiffrin oder Marcel Hirscher machen hin und wieder Schwünge unterm Dach.

Ein Weltcup-Ort mit reichlich Tradition: der Rettenbachferner.

Ein Weltcup-Ort mit reichlich Tradition: der Rettenbachferner. Foto: Expa/ Johann Groder/APA/dpa

Skihalle erhitzt Gemüter in Österreich

Auch in Österreich, der stolzen Ski-Nation, beschäftigen sie sich nun mit dem Bau einer solchen Halle. Mario Stecher und Marko Pfeifer, Sportdirektor und Männer-Cheftrainer beim Österreichischen Skiverband, sind klare Fürsprecher dieses Plans, der beispielsweise in Wien umgesetzt werden könnte. Ski-Legende Annemarie Moser-Pröll indes nannte das Ganze eine „Schnapsidee“.

Der Skisport im Klimawandel. Er wird sich wandeln, die Diskussion um ihn weitergehen. Auch von einem weißen Gewand auf dem Gletscher verdeckt.

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