Macron präsentiert neue Pläne für Frankreichs Atomwaffen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steigt aus dem französischen Atom-U-Boot „Suffren“. (Archivbild) Foto: Ludovic Marin/AFP POOL/dpa
Wie reagiert Europa auf wachsende Bedrohungen? Macron will neue Pläne für Frankreichs nuklearen Schutzschirm vorstellen – und spricht über Zusammenarbeit mit EU-Partnern.
Île Longue. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will an diesem Montag Pläne zum Ausbau der atomaren Abschreckung seines Landes präsentieren. In der Grundsatzrede am Stützpunkt von Frankreichs Atom-U-Booten will Macron sich außerdem zur Einbeziehung europäischer Partner in Frankreichs nuklearen Schutzschirm äußern.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor zwei Wochen hatte die Debatte über eine stärkere europäische atomare Abschreckung Fahrt aufgenommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte damals in München, dass er mit Macron Gespräche über eine gemeinsame europäische Abschreckung führe. Macron hatte Deutschland und anderen EU-Partnern solche Gespräche bereits 2020 angeboten.
Frankreich und Großbritannien koordinieren Abschreckung
Konkret haben sich bislang Frankreich und Großbritannien im vergangenen Sommer auf eine engere Koordination ihrer nuklearen Abschreckung verständigt. Im Winter waren hohe britische Militärvertreter als Beobachter bei einer Übung der französischen Atomstreitkräfte dabei. Merz sagte nach den Gesprächen mit Macron, er könne sich theoretisch vorstellen, Bundeswehr-Flugzeuge für einen möglichen Einsatz französischer oder britischer Atombomben bereitzustellen.
Zu den Ankündigungen von Macron könnte eine Erhöhung der Zahl der französischen Atom-U-Boote oder Kampfjets gehören, von denen Nuklearsprengköpfe abgeschossen werden können. Vor einem Jahr bereits hatte Macron die Schaffung eines vierten Luftwaffenstützpunkts angekündigt, auf dem zwei neue Staffeln mit ungefähr 40 Kampfjets samt Hyperschall-Atomwaffen stationiert werden sollen. Dass Frankreich die Gesamtzahl seiner Atomwaffen erhöhen wird, ist wenig wahrscheinlich.
Frankreich setzt auf Macht und Unabhängigkeit
Wie Macron allerdings auf der Konferenz in München sagte, müsse die nukleare Abschreckung neu justiert werden, um im Dialog mit Russland glaubwürdig zu sein. Wie es am Wochenende aus dem Élysée-Palast hieß, zeigten die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten, dass in der Welt von morgen Macht und Unabhängigkeit zwei unverzichtbare Kräfte sein werden, um der Zunahme von Bedrohungen begegnen zu können.
In der EU ist Frankreich seit dem Austritt Großbritanniens 2020 die einzig verbliebene Atommacht. Laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri besitzt das Land 290 der weltweit etwa 12.200 Atomwaffen und ist damit nach Russland, den USA und China die viertgrößte Atommacht. Das Land verfügt über vier Atom-U-Boote, von denen Raketen mit Atomsprengköpfen mit einer Reichweite von etwa 10.000 Kilometern abgefeuert werden können. Auch aus der Luft kann Frankreich Atomwaffen einsetzen. Seine Rafale-Kampfjets können die gut 50 Marschflugkörper des Landes mit Nuklearsprengköpfen abschießen. Diese haben offiziell eine Reichweite von etwa 500 Kilometern.