Eisbär, Diebstahl, Kinofilme - Kurioses zur „Cap San Diego“
Viele Jahre lang war der Stückgutfrachter zwischen Europa und Südamerika unterwegs - seit 40 Jahren liegt die „Cap San Diego“ nun als Museumsschiff im Hafen und kann eine sehr wechselhafte Geschichte erzählen. (Archivbild) Foto: Markus Scholz/dpa
Im Hamburger Hafen liegt ein besonderes Schiff. Die „Cap San Diego“. Das Museumsschiff feiert nun Doppeljubiläum. Ein Rückblick auf seine außergewöhnliche Geschichte und Kuriositäten.
Hamburg. Sie ist ein wichtiges Stück Hamburger Geschichte, nun feiert sie gleich zweimal Jubiläum: Die „Cap San Diego“ wurde vor 65 Jahren auf Kiel gelegt und liegt seit 40 Jahren als Museumsschiff im Hamburger Hafen. Am Samstag wird das Doppeljubiläum groß gefeiert.
Die „Cap San Diego“ öffnet dann ihre Decks für alle Hamburger und Hamburgerinnen sowie Gäste der Stadt. Beim großen Open Ship erwarte die Besucher und Besucherinnen von 10.00 bis 18.00 Uhr ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm mit Musik, Ausstellungen, Mitmachaktionen und weiteren Angeboten, wie die Betriebsgesellschaft mitteilte.
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht auch der Blick zurück auf die Geschichte der „Cap San Diego“. Denn während das Schiff heutzutage die meiste Zeit im Hamburger Hafen liegt und von jährlich rund 120.000 Menschen für das Museum, den Hochseilgarten oder den Escape-Room besucht wird, birgt die „Cap San Diego“ eine außergewöhnliche Vergangenheit:
Ungewöhnliche Ladungen - Von Autos bis zu Eisbären
Die 1961 vom Stapel gelaufene „Cap San Diego“ war zunächst lange Zeit ein Stückgutfrachter. Rund 20 Jahre lang brachte sie verschiedenste Waren vor allem von Europa nach Südamerika und wieder zurück. Der Frachter versorgte Europa mit Rohkaffee, Tee, Tabak, Rindfleisch, Fisch, Leim, Obst, Gemüse und Süßölen. Auf ihrer ersten Reise im Jahr 1962 transportierte die „Cap San Diego“ unter anderem 457 Autos der Marke Volkswagen über den Atlantik.
Ihre wohl ungewöhnlichste Fracht war jedoch ein Eisbär vom Tierpark Hagenbeck, der 1963 nach Montevideo in Uruguay gebracht wurde. Er war für den örtlichen Zoo bestimmt.
Aber auch Privatpersonen konnten mitfahren. Bis zu zwölf Passagiere hatten pro Fahrt Platz. Der Betriebsgesellschaft zufolge war die achtwöchige Überfahrt allerdings nichts für Arme. Sie soll in den 1970er-Jahren etwa so viel wie ein Auto gekostet haben - und zwar rund 4.800 D-Mark. Zum Vergleich: ein VW Käfer kostete mindestens 5.045 D-Mark.
„Cap San Diego“ wird kurzzeitig zur „Sangria“
Die Zeit der Stückgutfrachter ging jedoch irgendwann ihrem Ende entgegen. Bereits in den späten 1960er-Jahren setzten sich mehr und mehr Containerschiffe durch, weshalb die Reederei Hamburg Süd die „Cap San Diego“ schließlich im Jahr 1981 an ein spanisches Schifffahrtsunternehmen verkaufte. Das Schiff wurde umbenannt in „Sangria“.
Zum 800. Hafengeburtstag suchte die Stadt Hamburg ein Flaggschiff und machte die „Sangria“ ausfindig. Gerade noch rechtzeitig. Sie sollte zu dem Zeitpunkt in Hongkong verschrottet werden. Das Schiff kehrte 1986 zurück an den Hamburger Hafen und bekam seinen ursprünglichen Namen wieder. Die „Cap San Diego“ wurde zu einem Museumsschiff ausgebaut und bis 2006 wieder fahrtüchtig gemacht. Seitdem ist sie nach Angaben der Betriebsgesellschaft das größte fahrtüchtige Museumsfrachtschiff der Welt.
Rätsel um verschollene Schiffsglocke jahrelang ungelöst
Rund um das Schiff gibt es auch durchaus kuriose Geschichten: Die rund 40 Kilogramm schwere Schiffsglocke der „Cap San Diego“ war 28 Jahre lang verschwunden. Sie wurde 1986 gestohlen und tauchte erst 2014 wieder auf.
Die Schiffsglocke befand sich zunächst zwölf Jahre lang im Keller eines Hauses in Hamburg, das eine Familie 2001 gekauft hatte. Im Mai 2013 wurde die Glocke dann über ein Kleinanzeigenportal für 250 Euro an einen Mann in Bremerhaven versteigert.
Er habe sie daraufhin dem Schiffseigner, der Hamburger Admiralität, für 1.600 Euro angeboten. Die Polizei konnte die Glocke 2014 schließlich bei einem anderen Mann in Köln sicherstellen, der sie als Geschenk erhalten hatte. Seitdem ist die Schiffsglocke wieder an Bord der „Cap San Diego“.
„Cap San Diego“ ist auch heimlicher Filmstar auf großer Leinwand
Regelmäßig finden Filmdrehs an Bord der „Cap San Diego“ statt. „Wir befürworten das und unterstützen das gerne - jeder Cent der Motivmiete wird wieder in den Erhalt des Schiffes investiert“, sagte die Sprecherin der Betriebsgesellschaft. Schon in mehreren Filmen habe die „Cap San Diego“ eine Rolle gespielt.
So wurde auf dem Schiff eine Verfolgungsjagd für „Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs“ (2017) gedreht, den Kinofilm zur Hamburger Kultserie. Auch Fotoshootings fänden des Öfteren an Bord der „Cap San Diego“ statt.
Vierbeiniges Mitglied der Crew
Ein ganz besonderer Teil der Besatzung ist die Bordhündin Edda. Sie ist ein vierjähriger Zwergpudel. Auf die Fahrten komme Edda allerdings nicht mit, das sei nicht hundegerecht, sagte die Sprecherin mit.
Ein paar der Mitarbeiter der „Cap San Diego“ nähmen zudem regelmäßig ihre eigenen Hunde mit zur Arbeit. Auch im Hotel und im Museum seien sie herzlich willkommen.
Ohne Ehrenamtliche läufts nichts
Rund 120 Ehrenamtliche arbeiten mit daran, dass die „Cap San Diego“ erhalten bleibt. Sie sind der Geschäftsführerin zufolge in allen Bereichen tätig: auf der Brücke, im Maschinenraum, an Deck, im Shop, im Archiv, in der IT. Wer mitmache, beteilige sich daran, das Museumsschiff lebendig zu halten. Ohne die ehrenamtliche Besatzung könnte das Schiff nicht auf Reisen gehen.
Denn obwohl die „Cap San Diego“ nicht mehr aus dem Hafenpanorama wegzudenken ist, ist sie an rund 20 Tagen im Jahr mit 11.650 PS auf Fahrten unterwegs.