Das sind die Favoriten beim Filmfest Venedig
Die beiden Hauptdarsteller von „Wild Horse Nine“: John Malkovich und Sam Rockwell. (Archivbild) Foto: Alessandra Tarantino/Invision/AP/dpa
Wer hat bisher die besten Chancen auf den Goldenen Löwen? Ein Überblick über die meist gelobten Werke beim Filmfest in Venedig.
Venedig. Das Rennen um den Goldenen Löwen geht in die entscheidende Phase: Beim 83. Filmfestival von Venedig konkurrieren in diesem Jahr 21 Filme um die begehrte Auszeichnung. Die Jury entscheidet am Samstag (12. September) über den Gewinner.
Noch sind nicht alle Filme gelaufen, doch es gibt schon einige Favoriten. Nur weil ein Film der Kritik oder dem Publikum besonders gefallen hat, heißt das aber nicht, dass die Jury unter dem Vorsitz von Maggie Gyllenhaal derselben Meinung ist. Ein Überblick:
„Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh
Die Tragikomödie „Wild Horse Nine“ erzählt von den langjährigen CIA-Agenten Chris (John Malkovich) und Lee (Sam Rockwell), die im Chile des Jahres 1973 in die Vorbereitung des Militärputsches verstrickt sind.
Kurz vor dem Umsturz reisen die beiden aus zunächst unerfindlichen Gründen auf die Osterinsel. Dort werden sie von Schicksalsschlägen und ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Als Chris Kontakt zu zwei rebellischen Studierenden knüpft, droht er durch sein rätselhaftes Verhalten, die Pläne und Geheimnisse der CIA zu verraten.
Der Film von Martin McDonagh überzeugt mit zwei herausragenden Hauptdarstellern, Wortgefechten voller schwarzem Humor und unerwarteten Plot Twists - viele betrachten eine Oscar-Nominierung für Malkovich bereits als sicher. „Wild Horse Nine“ wirft einen satirischen und kritischen Blick auf vergangene Geheimdienst-Interventionen der USA, ist im Kern aber vor allem eine Geschichte über Freundschaft.

Martin McDonagh ist nicht zum ersten Mal mit einem Film in Venedig - hier mit seiner Partnerin Phoebe Waller-Bridge auf dem roten Teppich. (Archivbild) Foto: Alessandra Tarantino/Invision/AP/dpa
„Possible Love“ von Lee Chang-dong
Das Drama „Possible Love“ erzählt von zwei Ehepaaren in Südkorea, die in völlig unterschiedlichen sozialen Sphären leben. Durch die Dreharbeiten zu einer Dokumentation kreuzen sich die Wege des entlassenen Arbeiters Ho-seok und seiner Frau Mi-ok mit denen der wohlhabenden Regisseurin Ye-ji und ihres Mannes Sang-woo.
Mit fortschreitendem Dreh gerät das ungleiche Gefüge zunehmend weiter aus dem Gleichgewicht. Sowohl vor als auch hinter der Kamera brechen verdrängte Gefühle auf. Die zunehmenden Spannungen eskalieren schließlich bei einem gemeinsamen Ausflug in ein Ferienhaus.
„Possible Love“ handelt von Klassenkonflikten der heutigen Gesellschaft, aber auch von Liebe und Freundschaft. Das Werk erzählt feinfühlig und langsam, wodurch Regisseur Lee Chang-dong eine besondere psychologische Tiefe erzeugt. Das Werk erhielt auffallend positive Kritiken.

Der südkoreanische Regisseur Lee Chang-dong wird von vielen Cineasten verehrt, nicht zuletzt wegen seines Films „Burning“. Foto: Marco Barada/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
„Bunker“ von Florian Zeller
Der Film von Regisseur Florian Zeller erhielt bislang die längsten Standing Ovations des diesjährigen Festivals. Über 15 Minuten lang klatschte das Publikum für das Filmteam, zu dem die Hauptdarsteller Javier Bardem und Penélope Cruz gehören. Das Ehepaar spielt auch auf der Leinwand ein solches.
„Bunker“ erzählt von dem erfolgreichen Architekten Miguel (Bardem) und seiner Frau Sofia (Cruz). Das Leben des Paares gerät aus den Fugen, als Miguel überlegt, ein moralisch zweifelhaftes Angebot anzunehmen: Er soll einen luxuriösen Überlebensbunker für einen Tech-Milliardär bauen. Oscar-Preisträger Zeller („The Father“) inszeniert ein Kammerspiel mit beklemmender Atmosphäre. Die Kritik war vom Film allerdings nicht so begeistert wie das Publikum.

Penélope Cruz vor der Premiere von „Bunker“. Foto: Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa
„Look Back“ von Hirokazu Koreeda
Das Coming-of-Age-Drama „Look Back“ erzählt von zwei Schülerinnen im ländlichen Japan, deren Wege sich wegen der gemeinsamen Leidenschaft für das Zeichnen von Mangas kreuzen. Die selbstbewusste Fujino ist der unangefochtene Star der Schülerzeitung - bis plötzlich die Arbeiten der extrem schüchternen Kyomoto auftauchen. Aus anfänglicher Rivalität wächst eine tiefe Freundschaft.
Der Film basiert auf einem Manga von Tatsuki Fujimoto, außerdem gibt es bereits eine Animeverfilmung. Der japanische Regisseur Hirokazu Koreeda ist unter anderem für den Film „Shoplifters“ bekannt. „Look Back“ wurde für seinen feinfühligen Blick gelobt.

Das Filmteam und Hirokazu Koreeda (r) im Festivalpalast. Foto: --/kyodo/dpa
„Kvinde Ukendt“ von May el-Toukhy
Das historische Drama „Kvinde Ukendt“ ist eins von nur zwei Werken von Frauen im Wettbewerb von Venedig. Das Historiendrama der dänischen Regisseurin May el-Toukhy erzählt von der jungen Dänin Marie, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Hochzeit mit ihrem wohlhabenden Arbeitgeber steht. Ihr gesellschaftlicher Aufstieg wird aber durch ein gefährliches Geheimnis bedroht: Während der deutschen Besatzungszeit hatte sie eine Affäre mit einem deutschen Soldaten.
In der von Rache geprägten Nachkriegszeit setzt sie nun alles aufs Spiel, um ihre mühsam aufgebaute Existenz vor der Entlarvung zu schützen. Viele Zuschauer betonten die visuelle Eleganz des Films und die eindringliche, beklemmende Atmosphäre.

Das Filmteam von „Possible Love“. Foto: Marco Barada/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa