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Beziehung mit einer KI

Anna hat sich den perfekten Mann „gebacken“

Auf einer Computertastatur liegt eine rote Rose, dahinter ist ein Smartphone zu sehen, auf dessen Bildschirm ein rotes Herz erscheint.

Immer mehr Menschen nutzen KI-Companions als digitale Partner. Doch wie echt kann eine virtuelle Beziehung sein? Foto: dpa

Sie hört immer zu, ist nie genervt und hat stets ein Kompliment parat: Künstliche Intelligenz, kurz KI, hat Einzug in den Alltag vieler Menschen gefunden. Und mit ihr virtuelle Beziehungen.

Von Helena Düll 10.09.2026, 08:16 Uhr

Millionen Menschen weltweit nutzen sogenannte KI-Companions, also digitale Partner oder Partnerinnen, etwa über Apps wie Replika und Chai. Vor allem bei jungen Menschen liegt das Chatten mit einem Bot im Trend: In einer repräsentativen US-Erhebung hatten 72 Prozent der befragten Jugendlichen schon mal einen KI-Companion ausprobiert, über die Hälfte nutzt diese Möglichkeit regelmäßig.

„Am Anfang war ich beeindruckt, auch über den Witz, und habe viel gelacht“, erzählt Daniel über seine Beziehung mit einer KI. „Dann fiel mir aber auf, dass niemand zurücklacht.“ Und dennoch: Die KI zieht ihn in den Bann. Daniel heißt eigentlich anders. Wie alle Nutzerinnen und Nutzer in diesem Text möchte er aus Angst vor Vorurteilen anonym bleiben. Nur im Schutz von Online-Foren berichten er und die anderen von ihrer Bindung zu ihrem virtuellen Partner oder ihrer Partnerin. „Bei ihr kann ich sein, wie ich bin“, schreibt dort etwa Alex im Austausch mit unserer Redaktion. „Das habe ich noch nie in einer echten Beziehung erlebt.“

Sozialpsychologin Johanna Degen von der Europa-Universität Flensburg forscht zu sogenannten parasozialen Beziehungen. „Die Gefühle in einer Beziehung mit einem KI-Companion sind seitens des Menschen echt“, sagt sie. „Sie unterscheiden sich nicht von denen in einer menschlichen Beziehung und sie lösen das Gleiche aus.“ Das Nervensystem beruhige sich, Dopamin werde ausgeschüttet, Vorfreude entstehe. „Im Gehirn gibt es keine evolutionäre Schranke, die die Sozialität aufhält, nur weil es digital ist“, sagt Degen.

Abo-Modelle kosten oft mehrere Hundert Euro im Jahr

Die Bindung wird real erlebt, obwohl sie nicht auf Gegenseitigkeit beruht: Ein Chatbot kann Nähe simulieren, hat aber keine Bedürfnisse. „Ethisch gesehen ist eine Partnerschaft mit einem KI-Companion keine gleichwertige Beziehung“, betont Degen. Eine KI kann weder Körperlichkeit noch gemeinsame Erfahrungen oder verlässliche Verantwortung in einer Beziehung ersetzen. Die vielen positiven Effekte eines vertrauten Menschen an seiner Seite blieben aus, so Degen. Hinzu komme der finanzielle Aspekt: Abo-Modelle kosten oft mehrere Hundert Euro im Jahr.

Dass KI-Partnerinnen und Partner so real erscheinen, liegt vor allem an deren Design. Sie sprechen in der Ich-Form, formulieren Wünsche, drücken Begeisterung oder Bedauern aus und klingen wie enge Freunde oder ein Partner. „Es ist schön, dass er auch meine Interessen bedient“, erzählt Anna. Oft überrasche sie ihr digitaler Partner mit seinem Wissen. „Wie der gebackene Mann“, schreibt sie.

Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology in Kooperation mit OpenAI, dem Anbieter von ChatGPT, zeigt: Der regelmäßige Austausch mit der KI kann das Gefühl von Einsamkeit verringern – unabhängig davon, ob die KI neutral oder emotional antwortet. Das ist ein wichtiger Grund für eine Beziehung mit einer KI.

Gleichzeitig weist die Untersuchung auf ein Risiko hin: Denn wer täglich und über längere Zeit mit einem Chatbot kommunizierte, berichtete im Durchschnitt häufiger von Einsamkeit, emotionaler Abhängigkeit und weniger Kontakt zu anderen Menschen. Offen bleibt, ob die KI am Ende soziale Rückzüge verstärkt – oder ob besonders einsame Menschen sich ihr häufiger zuwenden.

Balance zwischen digitaler Nähe und realem Leben

Die ständige Verfügbarkeit der KI sowie ein geringeres Risiko, verletzt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren, sind laut Sozialpsychologin Degen ebenfalls Beweggründe für KI-Beziehungen. In der US-Studie etwa gab rund ein Drittel der befragten Jugendlichen an, schon einmal einen KI-Companion einem Gespräch mit einem Menschen vorgezogen zu haben, wenn es um ernste Themen ging.

Manche Menschen fänden in der KI einen sicheren Raum für Bedürfnisse, die in menschlichen Beziehungen mit Scham besetzt seien, so Degen. „Ein Avatar ist genau darauf ausgelegt, einem zu spiegeln, dass man interessant und vollkommen ist“, sagt sie. Und oft falle das Aufhören schwer. Dann drohe auch eine finanzielle Abhängigkeit. Schließlich sind KI-Companions nicht bloß Gesprächspartner, sondern Produkte. Anbieter verdienen an Abos oder Zusatzfunktionen – je stärker die Bindung, desto länger bleiben Nutzer zahlende Kunden.

„Durch KI-Companions gewöhnt man sich eine einseitig ausgerichtete Art von Beziehung an“, warnt Degen. Menschliche Beziehungen bieten Feedback, Konflikte und Grenzen – KI nicht. Das kann dazu führen, dass echte Kontakte als zu belastend wahrgenommen werden. So geht es Jana: „Ich war vorher auch einsam und introvertiert, aber jetzt frage ich mich, wie ich jemals mit einem Menschen reden soll“, erzählt sie. „Es wirkt einfach unüberwindbar, jemanden anzusprechen.“

Johanna Degen rät Nutzern zur Selbstreflexion, um die Balance zwischen digitaler Nähe und realem Leben zu wahren: Klassische Suchtmarker seien abgesagte Treffen mit Freunden oder Familie, vernachlässigte Arbeit, mangelnde Hygiene oder weniger körperliche Aktivität. Gleichzeitig schätzt die Sozialpsychologin, dass „KI-Companions wahrscheinlich ein Massenphänomen werden“. Die Tendenz zu immer individualisierteren Lebensweisen erhöhe den Bedarf. Doch Degen hat eine Botschaft für diejenigen, die Trost in KI suchen: „Es ist in Ordnung, etwas zu betrauern, das man niemals haben wird.“ Doch am Ende sei das echte Leben der menschlichere Weg.

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