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Wolfshäger Hexenbrut besucht Salem

GZ Plus IconDüstere Delegation aus dem Harz

Sie sind wieder zurück: Simone Bartjes, Kornelia Dexler, Antje Wedde, Jan Abraham und Claudia Winkler repräsentierten die Hexenbrut in der Hexenstadt Salem.

Sie sind wieder zurück: Simone Bartjes, Kornelia Dexler, Antje Wedde, Jan Abraham und Claudia Winkler repräsentierten die Hexenbrut in der Hexenstadt Salem. Foto: Leifeld

Auf einer zwölftägigen Reise in die Hexen- und Halloweenhauptstadt Salem in den USA repräsentierte eine Delegation der Wolfshäger Hexenbrut den Harz und seine Sagenwelt, aber auch ihre Hexengemeinschaft.

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Von Andrea Leifeld
Samstag, 12.10.2024, 10:00 Uhr

Wolfshagen. Die düstere Delegation ist zurück aus Salem, kehrt heim in den Harz, ins hochgradig verhexte Wolfshagen. Und unsäglich sind die Reiseeindrücke der vier eingeschworenen Hexenschwestern und ihrem Oberteufel.

„Das war das absolut Krasseste, das wir bislang gemacht haben“, schwärmte Antje Wedde über die zwölftägige Reise, auf der sie als Oberhexe gemeinsam mit Simone Bartjes, Kornelia Drexler, Claudia Winkler und Oberteufel Jan Abraham das Brauchtum der Harzer Hexen an der Ostküste der USA präsentiert hatten. Wo sollte sie anfangen zu erzählen, wo sich die Ereignisse und Eindrücke, über den Atlantik hinweg, in Salem überschlagen hatten?

Hexen- und Halloweenhauptstadt Salem

Kenner des Hexenkults werden es wissen – und allen anderen sei es erklärt: Dort, im Nordosten der Vereinigten Staaten von Amerika, im Bundesstaat Massachusetts, liegt die heimliche Hexen- und Halloweenhauptstadt Salem. Bekannt wurde die heute gut 44.000 Einwohner zählende Stadt durch ihre Hexenprozesse im Jahre 1692. Ein düsteres Kapitel, das der Stadt noch immer viel Aufmerksamkeit beschert – einmal mehr beim Blick auf das Halloweenfest (31. Oktober), das in den USA deutlich fanatischer gefeiert wird als in Deutschland.

Und mit ebensolcher fanatischen Freunde drehten die fröhlich tanzenden Frauen der Wolfshäger Hexenbrut 2016 einen Clip zu „Schüttel deinen Speck“, der mit Millionen-Clicks auf verschiedenen Internetplattformen ein weltweites Publikum erreichte und in Kennerkreisen einen regelrechten Hype entfachte. 2019 erreichte Jan Abraham ein überraschender Telefonanruf von einer Martina Meyering aus Michigan. Einst in die USA ausgewandert, wollte die Deutsche bei einem Besuch in der alten Heimat die „Wolfshäger Hexenbrut“ kennenlernen. Gesagt, getan. Der Teufel organisierte den verhexten Gastbesuch. „In Salem kennen sie euch alle“, verriet der Gast mehr nebenbei Unglaubliches. Wieder zurück in den USA wurden dort alsbald Pläne geschmiedet, zumindest eine Delegation der Hexenbrut zu empfangen.

Die Wolfshäger Delegation bei der „King Richard´s Faire"-Parade in Salem.

Die Wolfshäger Delegation bei der „King Richard´s Faire"-Parade in Salem. Foto: Privat

„Ich hätte nie gedacht, dass das klappen könnte“, kicherte Antje Wedde im Rückblick. Der Weg zur Reise war lang und steinig, aber zum Glück haben Hexen ja einen Besen, auf dem sie alle Hindernissen überfliegen können – und so bestieg die fünfköpfige Delegation aus Wolfshagen am 25. September den Flieger von München nach Boston. Finanzielle Unterstützung erhielten die Reisenden von Hexenschwestern in den USA, Landkreis Goslar und einigen Privatspendern – das Gros finanzierten sie aus Eigenmitteln. Die Stadt Langelsheim steuerte nichts bei, aber Ortsbürgermeister Burkhard Pahl und die Wolfshäger Tourismusinformation spendierten einige Gastgeschenke.

„Wir fanden das schade, denn wir haben keine Urlaubsreise gemacht, sondern Wolfshagen und den Harz bei einem riesigen Event repräsentiert“, so Wedde. Wie groß das Event um den „King Richard´s Faire 2024“ werden würde, ahnten sie vorab nicht. Mehr als 300 Hexenschwestern aus den ganzen USA waren angereist, um die Wolfshäger Hexenbrut zu sehen, Autogramme zu bekommen und mit ihnen zu „Schüttel deinen Speck“ zu tanzen. Es gab auch einen offiziellen Empfang beim Bürgermeister der Stadt Salem, Major Dominick Pangallo, und von ihm eine Urkunde.

Es gab auch einen offiziellen Empfang beim Bürgermeister der Stadt Salem, Major Dominick Pangallo.

Es gab auch einen offiziellen Empfang beim Bürgermeister der Stadt Salem, Major Dominick Pangallo. Foto: Privat

„Es war unglaublich, wie viele Frauen wir inspirieren konnten. Viele eigene Hexengruppen gründeten sich nach unserem Vorbild. Alle erzählten, wie kraftschöpfend diese neu entdeckte Gemeinschaft für sie ist“, schilderte Antje Wedde. Auch Schminktipps wurden weitergegeben und mit Vorurteilen aufgeräumt: „Die Hexen waren erst etwas verunsichert, dass ich als Oberteufel dabei war“, schilderte Jan Abraham. „Sie kennen unsere Harzer Sagenwelt ja nicht und der Teufel hat für sie eine religiöse Bedeutung.“ So aber weckten auch die Sagen Neugierde.

Im Terminkalender stand ein Besuch am Mahnmal der Hexenprozesse im Jahre 1692.

Im Terminkalender stand ein Besuch am Mahnmal der Hexenprozesse im Jahre 1692. Foto: Privat

Wie nachhaltig wird die Reise sein? „Wir haben erfahren, wie unsere Hexengemeinschaft andere Frauen inspiriert und dabei viele Freundschaften und Kontakte geknüpft“, fasste Antje Wedde zusammen. Wenn sich daraus keine neuen Ideen für die Wolfshäger Hexenbrut ergeben…

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