„Villa Helene“: Von der Brandruine zum Luxus-Imbiss
Die „Villa Helene“ wird derzeit abgerissen. An dieser Stelle soll künftig ein Luxusimbiss entstehen. Foto: Epping
Heiko Rataj, Alexander Scharf und Maik Jankowsky wollen im Okertal neue Akzente setzen. Auf dem Grundstück der „Villa Helene“ ist ein Ausflugslokal geplant.
Neuer Anlauf für Abriss an B 498
Stadt Goslar schreibt Abriss der „Villa Helene“ erneut aus
Nach zweieinhalb Jahren mit nervigem Stillstand wird die Brandruine der „Villa Helene“ seit Montag schrittweise abgerissen und beseitigt. Endlich – denn der Schutthaufen war für Verkehr und Tourismus gleichermaßen ein Dorn im Auge (wir berichteten).
Leichte, organische Architektur
Während die Behörden ewig und drei Tage brauchten, um nun die Trümmer wegräumen zu lassen, haben Goslarer Investoren bereits konkrete Pläne, wie sie das Grundstück künftig nutzen möchten: Hinter den Kulissen präsentierten der Multiunternehmer Heiko Rataj, Restaurantbetreiber Alexander Scharf und der Dienstleister Maik Jankowsky im Rathaus der Kaiserstadt vorige Woche ihr Konzept – für eine Imbissbude.
Aber eine, die es in sich hat. Kein schnöder Bretterbau mit Reklameschild soll dort entstehen, sondern ein kleines, feines Ausflugslokal, das auch architektonisch Blicke auf sich ziehen wird. Heiko Rataj hat dafür Kontakt mit dem Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren an der Uni Stuttgart aufgenommen – ehedem Institut für leichte Flächentragwerke unter Regie von Frei Otto (1925 bis 2015). Der Pionier für organische Architektur und ökologisches Bauen war Ende der 1960er Jahre ein Impulsgeber für das Olympiagelände in München. Die Handschrift der renommierten Stuttgarter Experten trug beispielsweise auch der Japanische Pavillon bei der Expo 2000 in Hannover.

Blick auf den Japanischen Pavillon bei der Expo 2000. Foto: german-architects.com
Heiko Rataj: „Keine Kompromisse“
Ratajs Kontakt zum Institut in Stuttgart kam dabei eher zufällig zustande: Auf seiner jüngsten Tour in Kanada lernte der „Herr vom Bocksberg“ einen jungen Absolventen des Stuttgarter Instituts kennen. Gedanke ist nun, dass Studenten für ihr Abschlusssemester den Entwurf für ein Kleinod im Okertal erarbeiten.
„Dabei wollen wir keine Kompromisse machen“, kündigt Rataj an – auch mit Verweis auf die besondere Lage des Grundstücks im romantischen Kerbtal der Oker. Wie ein helles Sonnensegel, verankert mit stählernem Tragwerk, soll das Dach gestaltet werden. Darunter öffnet sich der Raum fürs Lokal aus viel Glas und Holz.Startschuss für Bauarbeiten
Villa „Helene“ im Okertal: Erste Abriss-Bilder und Vollsperrung
Fürs Wohl der Gäste will „Schiefer“-Chef Alexander Scharf sorgen. Natürlich soll es auch Angebote für den schnellen Hunger geben – etwa die legendäre Wild-Currywurst oder „Omas Frikadelle“ wie im „Wildfang“. Aber auf der Speisenkarte werden auch ein gutes Steak und erlesene Salate zu finden sein, macht Scharf deutlich. Für die Getränke sollen der Bad Harzburger Mineralbrunnen und die Altenauer Brauerei sorgen. Möglichst alles aus der Region, so heißt die Devise.
Der Dritte im Bunde der Investoren, Maik Jankowsky, ist vor allem fürs stille Örtchen beim Projekt im Okertal zuständig – saubere Toiletten. Jankowsky soll hier an der Oker aber auch besondere saisonale Events für Gäste künftig begleiten.
Noch ist unklar, wann die drei heimischen Unternehmer loslegen können. Schließlich waren die Eigentumsverhältnisse des Grundstücks an der B 498 zuletzt verworren. Die Spur führte nach Tschechien, aber bislang konnte die Stadt Goslar den oder die Eigentümer nicht belangen, um für die Kosten des Brandeinsatzes und des Abrisses aufzukommen.Beseitigung ab Ende Juni
„Villa Helene“: So viel kostet der Brandruinen-Abriss den Steuerzahler
Stadt: Langfristig verpachten
Aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass sich die Stadt nun mit dem Grundstück schadlos halten möchte – um es an Rataj, Scharf und Jankowsky zu verpachten. Über die Pacht soll dann längerfristig der finanzielle Aufwand für die Stadt, also die Steuerzahler, kompensiert werden. Das Projekt soll also die unseligen Jahre mit dem Trümmerhaufen an der B 498 vergessen machen. Eines aber wird bleiben: der Name „Villa Helene“. Das auch als charmanter Hinweis auf diesen besonderen Ort im Tal der Oker.
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