Raketenalarm: So hat eine Harzerin ihren Dubai-Urlaub erlebt
Sina John (2.v.r.) aus Bad Sachsa und Darienne Pohl aus Celle (3.v.r.) mit anderen Urlaubern aus Deutschland vor ihrem Hotel in Dubai. Mittlerweile haben die beiden Frauen aus Niedersachsen die Golfregion nach vielen Momenten der Angst und Ungewissheit verlassen. Foto: Privat
Ihr Kurzurlaub in Dubai war für Sina John aus Bad Sachsa ein Aufenthalt der Ungewissheit und der Angst. Sie sei „kaputt und erschöpft“, sagt John nach ihrer Rückkehr.
Bad Sachsa/Dubai. Reden kann sie über das, was sie erlebt hat, aktuell noch nicht. Sina John (32) aus Bad Sachsa saß mit ihrer Freundin Darienne Pohl (26) aus Celle während des Kriegs in der Golfregion einige Tage in Dubai fest. Raketenalarme, Detonationen und anhaltende Ungewissheit setzten den beiden Frauen zu.
„Wir sind beide kaputt, erschöpft und müssen uns erstmal einfinden“, schreibt Sina John in einer E-Mail nach ihrer Rückkehr. Als „sehr emotional“ empfindet sie es, nun endlich Freunde und Familie wiederzusehen. Zugleich realisiere sie erst langsam, was für schreckliche Dinge sie erlebt habe.
Jeden Tag Alarm
John schreibt weiter: „Wir sind beide auch deutlich geräusch- und lärmempfindlicher.“ Sie selbst rede viel leiser. Auf dem Rückflug nach Prag, von dort wurden sie von Verwandten abgeholt, habe sie viel geweint. Sie könne noch nicht darüber reden und daher auch nicht telefonieren, um ihre Erlebnisse zu schildern.
Seit Donnerstag, 5. März, habe es in dem Hotel in Dubai jeden Tag Raketenalarm gegeben. Eine der Situationen beschreibt sie mit folgenden Worten: „Wir sind dann wieder in die Tiefgarage gelaufen. Das Hotel sagte uns immer ‚Everything is Fine′. Na ja, irgendwie nicht.“ Auch das zuständige Ministerium habe stets mitgeteilt, die Hotelgäste sollten sich einfach nur an die Anweisungen halten. „Diese Ungewissheit darüber, was war, und fehlende Informationen, das war schlimm.“
Eine Harzerin sitzt in Dubai fest
Sina John aus Bad Sachsa erlebt bange Tage in der Krisenregion
Am Donnerstag, als täglich Raketenalarme einsetzten, hatte John um 6 Uhr Ortszeit einen Flug nach Prag gebucht, berichtet sie. Zunächst hatten die beiden Frauen einen Rückflug für Samstag, 7. März buchen wollen, aber der war schnell voll belegt, erklärt John. Auf dem Rückflug sei ihr danach gewesen, zu weinen. Das, was sie erlebt habe, „empfand ich als sehr traurig“, sagt sie.
Andere waren entspannt
Juristin John, die am Oberlandesgericht Braunschweig ein Referendariat absolviert, berichtet, dass manche Urlauber die Situation deutlich entspannter wahrgenommen hätten. „Andere Reisende hatten gar keine Angst und fanden es toll, länger Urlaub zu machen“, berichtet sie. Auch der Taxifahrer, der sie zum Flughafen gefahren habe, sei „total entspannt“ gewesen, habe gelacht und gefragt, ob die beiden Deutschen tatsächlich Angst hätten.
Immerhin war es den beiden gelungen, einen Platz in einem Flugzeug zu buchen und am Sonntag dieser Woche von Dubai nach Prag zu fliegen. Eigentlich war der Rückflug für Montag, 2. März, geplant, doch zu dieser Zeit war es kaum möglich, das Land zu verlassen. Die planmäßigen Rückflüge, in ihrem Fall mit der Linie Emirates, waren gecancelt. Nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran reagierte das Land mit Raketenangriffen. In der Folge wurden die Lufträume in der Golfregion gesperrt.
Am Mittwoch, 25. Februar, wenige Tage vor Beginn des Angriffs auf Iran, waren Sina John und Darienne Pohl nach Dubai geflogen. Reisewarnungen hatte es erst später gegeben, nämlich am Samstag, 28. Februar, als Israel und die USA begannen, Iran anzugreifen.
Reisen in unsicheren Zeiten
Krieg im Nahen Osten – und der Urlaub geht weiter
Mitte voriger Woche gab es dann erste Sonderflüge, um Touristen auszufliegen. Manche waren staatlich organisiert, andere von Fluggesellschaften. Die TUI, bei der Sina John und Darienne Pohl ihre Reise gebucht hatten, organisierte ebenfalls Rückholaktionen. Urlauber wurden beispielsweise zum Flughafen von Al-Ain gefahren, einer Stadt um eine Wüstenoase im südlichen Grenzgebiet der Vereinigten Arabischen Emirate, und von dort ausgeflogen.
Kosten werden übernommen
Einzelreisende, die die staatlichen Rückholflüge des Auswärtigen Amts genutzt haben, erhalten laut Medienberichten eine Rechnung. Die Sonderflüge der Fluggesellschaften sind für Pauschalurlauber laut Medienberichten kostenlos.
Sina John und Darienne Pohl erhalten für die Kosten für den zusätzlichen Hotelaufenthalt und den selbst organisierten Rückflug, für den sie 800 Euro pro Person bezahlt haben, offenbar eine Entschädigung. John sagt, sie wisse noch nicht, ob die TUI ihnen das Geld erstattet. Sie habe sich noch nicht darum kümmern können, weil sie sich zunächst erholen müsse. TUI-Kommunikationschef Aage Dünhaupt bestätigt derweil, dass die Kosten übernommen werden, das sei der Vorteil einer Pauschalreise. Der Antrag müsse über ein Online-Formular gestellt werden, dort könnten auch die Belege eingereicht werden.
John sagt, die TUI habe außerdem psychosoziale Unterstützung angeboten.
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