Kaufinteresse: Stöbich-Gruppe schielt aufs Nachbargrundstück
Die Brandschutz-Experten der Firma Stöbich mit Zentrale am Pracherstieg sind weiter auf Wachstumskurs und suchen nach Erweiterungsmöglichkeiten. Foto: Heine
Die Stöbich-Gruppe wächst und braucht deshalb Platz. Kaufinteresse besteht an einem Grundstück nebenan in der Goslarer Baßgeige, wo ein anderes Familienunternehmen jahrzehntelang aktiv war.
Goslar. Warum in die Ferne schweifen? Das mag sich auch die Stöbich-Gruppe mit Zentrale am Pracherstieg im Goslarer Gewerbegebiet Baßgeige gedacht haben. Wie Geschäftsführer Helmut Schaller bestätigt, hat das Unternehmen ein Kaufinteresse am Areal direkt nebenan, wo ehemals Holz-Heinemann ansässig war. „Es geht um ein Nachbargrundstück, und wir brauchen Platz als innovatives und wachsendes Unternehmen“, erklärt Schaller.
Allerdings sei das Vorhaben noch nicht bis zur Entscheidung gereift. Stöbich stehe noch in Verhandlungen mit der Familie Heinemann, die im Vorjahr ihren Betrieb nach einer Insolvenz einstellen musste. Das Gelände ist aus Schallers Sicht jedenfalls „perfekt“ für die Stöbich-Gruppe geeignet, um sich in Goslar weiter zu vergrößern. In Goslarer Wirtschaftskreisen hatte sich die Kunde in den vergangenen Wochen hartnäckig gehalten, dass der Deal schon abgeschlossen sei. So weit sind beide Seiten aktuell offenkundig noch nicht.
Helmut Schaller Foto: Privat
880 Mitarbeiter weltweit
Die Stöbich-Gruppe beschäftigt weltweit 880 Mitarbeiter, in Goslarer gehen laut Schaller rund 450 Beschäftigte ihrer Arbeit nach. Das Unternehmen ist weltweit führend im vorbeugenden baulichen Brandschutz und entwickelt, produziert und installiert weltweit textile und nicht-textile Lösungen zum Schutz vor Feuer und Rauch, etwa Feuerschutzvorhänge, Rauchschürzen und Abschottungssysteme für Förderanlagen.
Gegründet hatte die Firma der geniale Tüftler und Brandschutz-Pionier Dr. Jochen Stöbich, der einst 1980 in einer Garage am Siechenhof 1a startete und mit seinen Patent-Lösungen bis zum Weltmarktführer aufstieg.
Stöbich war in Goslar geboren und in Salzburg aufgewachsen. Er wohnte in Wolfshagen, führte seine Firma in der Goslarer Baßgeige und hatte einen österreichischen Pass. Er starb im Februar 2021 im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Schwiegersohn Helmut Schaller ist ein „Urgestein im Unternehmen“. Seit 20 Jahren zählt er zum Team des Brandschutz-Weltmarktführers, war unter anderem zwei Jahre lang Niederlassungsleiter in Goslar und stieg Anfang 2022 in die Geschäftsführung auf.
Das Tor ist offen, der Betrieb steht immer noch still: Das Gelände von ehemals Holz-Heinemann an der Dörntener Straße wäre eine willkommene Fläche für Stöbich. Foto: Heine
Aus für einen Familienbetrieb
Ausgerechnet im 75. Jahr des Bestehens hatte die Firma Holz Heinemann nebenan auf dem Grundstück an der Dörntener Straße Ende August 2024 Insolvenz angemeldet, seine rund 40 Mitarbeiter nach Hause geschickt und den Betrieb de facto eingestellt. Ende Oktober wurde es zur bitteren Gewissheit: Es gab keine Zukunft mehr. Insolvenzverwalter Henning Jung sprach allen noch rund 30 Mitarbeitern während einer Betriebsversammlung die Kündigung aus. „Bei der Suche nach einem neuen Gesellschafter waren wir weniger erfolgreich als anfangs erhofft“, erklärte der Rechtsanwalt aus einem Büro in Salzgitter-Lebenstedt damals.
Ein Hindernis bei der Suche: Das Firmengelände an der Dörntener Straße in der Baßgeige befand sich nicht im Eigentum der Holz-Heinemann GmbH & Co. KG, deren Interessen Jung als Insolvenzverwalter vertrat. Weil das Areal als Sicherheit gefehlt habe, habe letztlich auch niemand damit geliebäugelt, den Betrieb zu übernehmen.
In Hornburg gegründet
Einen telefonischen Kontakt zur Familie Heinemann konnte die GZ nicht herstellen. Die damalige Geschäftsführerin Steffi Heinemann hatte am 28. August die Mitarbeiter der vier Standorte in Goslar, Reddeber, Osterode und Nordhausen nachmittags über die Lage informiert.
Aus im August des Vorjahres: Die Holz-Heinemann GmbH & Co. KG meldet Insolvenz an, schließt und macht fortan auch nicht mehr auf. Foto: Epping (Archiv)
Anschließend signalisierte ein Schild am Tor des Unternehmens, dass die 1949 in Hornburg gegründete Firma ihren Betrieb an der Dörntener Straße „bis auf Weiteres“ geschlossen habe. Auf der Internetseite der Firma sprach sie wenig später „Kunden, Lieferanten und Freunde“ des Unternehmens an. Ihre Botschaft lautete: „Die wirtschaftliche Situation in der Bauwirtschaft hinterlässt überall ihre Spuren. So auch bei uns. Wir müssen deswegen vorübergehend unsere Pforten schließen und abwarten, was der Insolvenzanwalt im nächsten Schritt sagt.“
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