Zähl Pixel
Arbeiten an Bahnbaustelle

GZ Plus IconNeue Stahlkonstruktion für Brücke bei Salzgitter-Ringelheim

Am Montagnachmittag wurde die Brücke der Bahnverbindung Seesen-Salzgitter eingehoben.

Am Montagnachmittag wurde die Brücke der Bahnverbindung Seesen-Salzgitter eingehoben. Foto: Andrea Leifeld

In Salzgitter-Ringelheim baut die DB Netz AG zwei Bahnbrücken und auch eine Straße. Es ist eine Baustelle mit vielen Superlativen und spannenden Brückenkonstruktionen. Die Bauarbeiten begannen Anfang 2023 und sollen Ende 2024 beendet sein.

Von Andrea Leifeld Mittwoch, 17.07.2024, 08:20 Uhr

Nordharz . Es ist vollbracht. Auch die zweite Brücke der Bahnbaustelle bei Ringelheim ist an ihrem Platz angekommen. Pünktlich im angegebenen Zeitfenster wurde sie am Montagnachmittag mit Hilfe eine 750-Tonnen-Mobilkrans, einem Liebherr LTM 1650 9.1, an ihrem dauerhaften Platz eingehoben. Der legendäre Großkran mit seinen neun Achsen wurde bereits Tage zuvor auf mehreren Schwerlast-LKW zur Baustelle transportiert, um dort seine gewichtige Aufgabe durchführen zu können.

Die 750 Tonnen besagen übrigens nicht, dass die rund 15 Meter lange Stahlbrücke für den einspurigen Zugverkehr zwischen Salzgitter und Seesen ein solches Gewicht hat. Das angegebene Gewicht bezieht sich bei einem Kran immer auf die senkrechte Hubkraft. Bei einem geneigten Ausleger verringert sich die Kraft. Ein starker Kran bedeute aber auch eine Sicherheit für das Gelingen des Vorhabens. Und das war wichtig, denn die Zeit auf der Bahnbaustelle tickt!

Der 750-Tonnen Mobilkran wurde mit mehreren Schwertransportern angeliefert.

Der 750-Tonnen Mobilkran wurde mit mehreren Schwertransportern angeliefert. Foto: Andrea Leifeld

Die Sperrpause endet bereits am Freitag, 19.Juli um 0.45 Uhr. Heißt: Ab dann sollen die Züge der Linie RB 46 (Braunschweig – Herzberg) auch zwischen Salzgitter und Seesen wieder regelmäßig verkehren, und der bis dato angebotene Schienenersatzverkehr mit Pendelbussen zwischen Salzgitter-Ringelheim und Seesen endet.

Eine kleine, zeitliche Verzögerung ergab sich am Montagnachmittag beim Aufsetzen der Stahlkonstruktion auf die zwei, 5,50 Meter hohen Widerlager. Zuvor mussten von den Arbeitern noch einige Auflager am Brückenkopf montiert werden. Das war beim Transport der Stahlkonstruktion, aufliegend auf einem weiteren Schwerlast-LKW, nicht möglich gewesen und musste quasi „vor Ort“ erfolgen, als die Brücke schon am Ausleger des Krans hing. Das eindrucksvolle Krachen der Stahlseile unter dem Gewicht des Kolosses ließ die geleistete Mammut-Aufgabe selbst von einem Laien erahnen.

Spezialbeton für die Hohlräume

Mit dem vollendeten Auflegen des Stahlbrücke auf die zwei Widerlager werden aber noch keine Züge rollen. Mit einem Spezialbeton müssen die Hohlräume noch vergossen werden, um alle Materialien zusammenzuführen und der aufgelegten Brücke einen sicheren Halt zu geben. Doch mit dem erfolgreichen Auflegen war der Löwenanteil des Brückenbaus getan, und auch Ibrahim Al Natur zeigte sich als verantwortlicher Projektleiter der DB Netz AG zufrieden.

Auch der Bau der zweiten Brückenkonstruktion war binnen eines recht kleinen Zeitfensters gelungen. Mit dem Start der Sommerferien hatte die Sperre begonnen, in der die alte, aus dem Jahre 1904 stammende Eisenbahnbrücke abgerissen wurde und die parallel errichteten 370 Tonnen schweren Widerlager aus Stahlbeton auf einer dreistündigen Reise auf stählernen Verschubbahnen in ihre Endposition gezogen wurden.

Die Ringelheimer Bahn-Baustelle aus der Vogelperspektive: Die zweigleisige Bahnbrücke (Goslar-Ringelheim-Baddeckenstedt) wurde im vergangenen Oktober "eingefahren". Links im Foto ist die eingleisige Verbingung Ringelheim - Seesen zu erkennen.

Die Ringelheimer Bahn-Baustelle aus der Vogelperspektive: Die zweigleisige Bahnbrücke (Goslar-Ringelheim-Baddeckenstedt) wurde im vergangenen Oktober "eingefahren". Links im Foto ist die eingleisige Verbingung Ringelheim - Seesen zu erkennen. Foto: Andrea Leifeld

Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn AG geplant, die neue Brücke als Unterkonstruktion des vorhandenen Bauwerks zu errichten und dann die alte Brücke wegzureißen. Ein durchaus ehrgeiziges Vorhaben, das sich aufgrund lokaler und auch geologischer Besonderheiten nicht realisieren ließ.

Deutlich spektakulärer zeigte sich der Einschub der ersten, parallel stehenden Bahnbrücke der Verbindung Goslar-Baddeckenstedt. Diese war komplett neben der bestehenden Brücke, einem Bauwerk aus dem Jahre 1924 errichtet worden. Im Oktober vergangenen Jahres wurde das mächtige, zweigleisige Bauwerk mithilfe mehrerer Modulfahrzeuge „Huckepack“ genommen, um die komplette Konstruktion auf ihren zugewiesenen Platz „eingefahren“. Nur wenige Tage später wurde sie bereits wieder von Zügen befahren. Das spektakuläre Schauspiel hatte damals viele Schaulustige gelockt, die zur Fahrt der Brücke, aber auch zum Können der Konstrukteure und Bauarbeiter, applaudierten.

Kosten: 9 Millionen Euro

Das Kostenvolumen für die zwei Baumaßnahmen beziffert die Deutsche Bahn zum Baubeginn im Frühjahr 2023 auf neun Millionen Euro. Ob der Preis gehalten werden kann, wird sich zeigen.

Wenn auch die Züge nach dem 19.Juli auf dem Gleisbett zwischen Salzgitter und Seesen wieder uneingeschränkt rollen, ist die Baumaßnahme selber noch nicht beendet. Sie wird unter den Brückenbauwerken auf der Landesstraße L 498 weitergehen: Durch die Fahrbahnverbreiterung unter den zwei neuen Brücken kann in der Unterführung endlich der, bereits seit langem so sehr gewünschte Fuß- und Radweg gebaut werden. Bisher glich die enge und für alle Verkehrsteilnehmer unübersichtliche Durchfahrtsbreite immer einem Nadelöhr. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte den Wunsch gegenüber der Deutschen Bahn AG bei den Planungen geäußert. Bauausführender wird auch in jedem Bereich der Landesstraße die Bahn AG bleiben. „Es handelt sich um einen Kreuzweg von Bahn und Straße“, erklärte Ibrahim Al Natur. Da sei die Bauausführung eine Sache der Absprache.

Bis Ende 2024 soll auch die Straße fertiggestellt sein. Bis dahin wird der Kraftverkehr weiterhin von Ringelheim über Alt Wallmoden nach Sehlde umgelenkt.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region

Weitere Themen