Kindern eine Stimme geben: Langelsheim gründet Stadtkinderrat
Es wird nicht nur getrommelt, es wird auch etwas bewegt: In Langelsheim soll ein Stadtkinderrat gegründet werden. Foto: Leifeld (Archiv)
Wie kann der neue Stadtkinderrat Schulen, Stadt und Freizeit vernetzen? Der Schulausschuss empfiehlt die Gründung. Ein Prozess, der den Mut zum Mitmachen fördern soll.
Langelsheim. Kindern eine Stimme zu geben ist ein guter Schritt, denn sie sind die Experten, wenn es darum geht, welche Attraktionen auf Spielplätzen fehlen, wie der Pausenhof schöner gestaltet werden kann oder wenn fehlende Busverbindungen, Freibäder oder andere Sportstätten unerreichbar machen.
Mit der Entscheidung, einen Stadtkinderrat ins Leben zu rufen, kam der städtische Schulausschuss unter dem Vorsitz des Ratsherren Jens Laudi (SPD) am Dienstagabend in einer besonderen Sitzung zusammen. Den Wunsch zur Gründung hatten die Grundschulen Langelsheim/Astfeld und Lautenthal/Wolfshagen bereits im Oktober vergangenen Jahres geäußert und die sprichwörtlichen „offenen Türen“ eingelaufen. Nach gerade einmal vier Monaten legte die Verwaltung dem Gremium einen Beschlussvorschlag vor.
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Der Stadtkinderrat soll sich aus jeweils zwei Schülerinnen und Schülern, in der Regel der 3. und 4. Klassen, aller fünf, in der Trägerschaft der Stadt Langelsheim befindlichen Grundschulen, zusammensetzen. Als weitere Mitglieder kommen je zwei Vertreter jeder Ratsfraktion/Ratsgruppe, der Bürgermeister, gegebenenfalls ein Verwaltungsmitarbeiter und der Stadtjugendpfleger hinzu. Den Vorsitz des Stadtkinderrates wird der Vorsitzende des Schulausschusses führen. Soweit die Rahmenbedingungen.
Vorhaben mit Leben füllen
Aber wie soll das Vorhaben mit Leben gefüllt werden? In den Grundschulstandorten Lautenthal/Wolfshagen gibt es bereits einen Schülerrat, der sich bislang mit der Gestaltung der Klassenzimmer, Schulveranstaltungen und Festen beschäftigt, berichtete Schulleiterin Simone Maibaum von ihren guten Erfahrungen, die Kinder mit ihrer Kompetenz in Entscheidungen und Abläufe mit einzubeziehen. Aber immer wieder musste sie, beispielsweise bei Gestaltungswünschen des Pausenhofes und des Außengeländes, den Tatendrang ihres Schülerrates bremsen und sagen: Da müssen wir die Stadt fragen.
Aber wer ist aus Kindersicht eigentlich „die Stadt“?

Keine Frage: Auch mit einem Stadtkinderrat können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Foto: Leifeld ( Archiv)
„Kinder sollen eine Lobby bekommen, aber auch lernen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden“, so Maibaum. In einem anderen Fall hatten sich „ihre“ Kinder ein Trampolin auf dem Wolfshäger Spielplatz gewünscht. „Auch das war nicht umsetzbar, weil es Gefahrenbedenken gab und eine Aufsicht fehlte.“
Durch Anhören und Einbeziehen können die Kinder kommunale Abläufe, Vorgaben und Zuständigkeiten kennenlernen. Wie stelle ich eine Frage – und formuliere weiterreichend einen Antrag? Mit dem erworbenen Wissen können neue Ideen entstehen und möglicherweise erfolgreich umgesetzt werden. Ein Prozess, der Mut zum Mitmachen macht.
Simone Maibaum war es auch, die anregte, den Sitz eines Schülers/einer Schülerin im Stadtkinderrat nicht am Alter (3./4. Klasse) festzumachen. „Ich habe Viertklässler, die sehr still sind, aber ein Kind in der ersten Klasse, das hier vor dem Ausschuss stehen könnte und alles begründen würde“, verdeutlichte sie.
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Auch an den Grundschulstandorten Langelsheim/Astfeld gäbe es bereits Kinderkonferenz-AGs, kurz KiKu-AG genannt, berichtete auch Julia Vibans, Sozialpädagogin der Grundschule Langelsheim/Astfeld, ihrerseits über ebenso durchweg gute Erfahrungen.
Ein Mehrwert für alle Schulstandorte
Ein Mehrwert wäre auch, dass der gemeinsame Stadtkinderrat die fünf Grundschulstandorte Astfeld, Langelsheim, Lautenthal, Lutter und Wolfshagen miteinander vernetzen würde. Die einzelnen Schulen würden nicht nur vom gemeinsamen Austausch profitieren, sondern auch die Themen der einzelnen Standorte kennenlernen. Für ähnliche Wünsche können so gemeinsame Lösungen gefunden werden.
Es müssten auch nicht zwangsläufig die Klassensprecher sein, die Mitglieder im Stadtkinderrat werden. Wichtig sei es, dass die ausgewählten Kinder sich trauen, vor anderen Leuten zu sprechen. Interesse an der Arbeit im Stadtkinderrat sei obligatorisch. Auch der paritätische Gedanke, ein gleiches Verhältnis von Jungen und Mädchen, sollte in diesem Fall nicht verfolgt werden.

Die Aufgaben im Stadtkinderrat reichen über die Organisation eines Schulfestes weit hinaus. Foto: Leifeld (Archiv)
Festgelegt wurde, dass der Stadtkinderrat zweimal jährlich zum Ende jeden Schulhalbjahres an einem Vormittag im Rathaus zusammenkommt. Die Einladung erfolgt seitens der Stadt. Die Sitzung selbst zählt als Schulveranstaltung. Der Transport wäre von den Schulen selbst zu regeln, so Verwaltungsmann Matthias Fiebig.
Auch werden sich die im Stadtkinderrat bearbeiteten Themen nicht nur auf die Schule beschränken. Das Gremium soll für alle Themen, die Kinder betreffen, offen sein.
Seitens der Stadt werden Rückmeldungen zu den bearbeiteten Themen mit ihren Sach- und Bearbeitungsständen regelmäßig und zeitnah an die Grundschulen gegeben, die ihrerseits die Schülerinnen und Schüler informieren.
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Einstimmig empfahl der Schulausschuss die am Dienstagabend überarbeitete Vorlage. Die Entscheidung zur Einrichtung eines Stadtkinderrates wird der Rat der Stadt Langelsheim in seiner Sitzung am Donnerstag, 19. März, treffen.
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