SPD kürt Hesse: Das sagt der Kandidat für die Bürgermeisterwahl
Die Liebenburger SPD nominiert Alf Hesse (l.) als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im September. Ortsvereinsvorsitzender Harald Fricke gratuliert. Foto: Gereke
Eine Überraschung ist das nicht: Die Liebenburger SPD kürt Amtsinhaber Alf Hesse zu ihrem Kandidaten für die Bürgermeisterwahl. Das gibt er seiner Partei mit auf den Weg.
Liebenburg. Er soll es wieder machen: Die Liebenburger SPD nominiert Alf Hesse, seit 2013 Verwaltungschef der Gemeinde, zum Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im September – und zwar mit einem Ergebnis, das eindeutiger nicht sein kann.
Glatte 100 Prozent errang der 55-jährige Döhrener, der damit zum dritten Mal für das Bürgermeisteramt kandidiert. „Ich habe nicht fertig“, wandelte er ein Trapattonisches Bonmot ab und erklärte: „Natürlich will ich weitermachen.“ Die besondere Verantwortung und Bedeutung des Amtes habe ihn immer gereizt und motiviert. „Und ich wage zu behaupten, im Amt nicht abgehoben zu haben und mir meine Bodenhaftung und meinen Pragmatismus beibehalten habe“, erklärte Hesse in seiner Bewerbungsrede. „Auch wenn die Amtsführung als Bürgermeister überparteilich ist, was ich auch immer sehr ernst nehme und praktiziere, ist mir auch immer wichtig, meine sozialdemokratische Herkunft nicht zu vernachlässigen.“
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Wird es nur einen geben?
In Richtung seiner Parteigenossen sagte er. „Wir haben uns manchmal intern bis aufs Blut gestritten, aber es ging nie unter die Gürtellinie – und am Ende des Tages konnten wir uns immer in die Augen sehen. Wir sind eine lebendige demokratische Partei.“ Für die Gemeinde attestierte er angesichts der Haushaltslage mit hohen Fehlbeträgen stürmische Zeiten. „Das Schiff Liebenburg segelt derzeit um Kap Hoorn im Sturm, mein Ziel ist es, die Gemeinde wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. Wir haben als Gemeinde schon einige Krisen gemeistert, und es kamen auch immer wieder bessere Zeiten“, erinnerte er an 2022, als die Kommune strukturell schuldenfrei war. Aber gleichzeitig stimmte er seine Partei auch auf den bevorstehenden Wahlkampf ein: „Ein sozialdemokratischer Bürgermeister braucht auch eine starke SPD im Gemeinderat.“
„Liebenburg ist meine Baustelle“
Wahlversprechen aus früheren Zeiten habe er fast alle umgesetzt, meinte er. Die Liste dazu hatte Ortsvereinsvorsitzender Harald Fricke zuvor vorgetragen – sie reichte aus dem Bereich Feuerwehr von der Grundsatzentscheidung für einen Neubau des Dörntener Feuerwehrgerätehauses bis zum Grunderwerb für das neue Liebenburger Feuerwehrhaus, vom Neubau für die Othfresener Kita, der auf den Weg gebracht worden sei, über eine Modernisierung des Bauhof-Fuhrparks, Unterstützung der Vereine (Zuschuss fürs FCO-Flutlicht und den FC Groß Döhren für die Kabinen-Modernisierung), bis hin zur Planschbecken-Sanierung im Freibad, den Ankauf von Grundstücken fürs Gewerbegebiet Posthof und den aufkommensneutralen Hebesatz nach der Grundsteuerreform.
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Abwanderungsgedanken seien nichts für ihn – „Liebenburg ist meine Baustelle. In Liebenburg steckt das Wort Liebe – ich liebe meine Gemeinde, sie ist meine Heimat. Die Burg steht für Stärke und Beständigkeit. Liebenburg war, ist und bleibt stark – dafür haben wir gesorgt. Lasst uns unsere Gemeinde nicht schlecht reden. Vorwärts Liebenburg!“
Mehr Zündstoff barg die Aufstellung der Liste für die Kreistagswahl – dort kam es nämlich zu einer Kampfabstimmung. Der Reihe nach: Bei der vergangenen Kommunalwahl teilten noch die SPD-Ortsvereine Langelsheim, Liebenburg und Lutter die Listenplätze auf. Der größten Stadt oblag der Platz 1, dann kam Liebenburg als zweitgrößte mit Platz 2, Lutter folgte auf 3. Sonderfall: Um die Quote zu wahren, hatte dann wiederum Liebenburg das Zugriffsrecht auf Platz 4, weil sich auf der Liste Männer und Frauen abwechseln sollen, Langelsheim aber keine Kandidatin hatte. Bei der Wahl selbst zogen dann die Liebenburger Kandidatinnen auf Platz 2 und 4 in den Kreistag ein – Silke Mahn und Dr. Claudia Moog.
„Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“
Nach der Fusion zur neuen Stadt Langelsheim schlossen sich auch die Ortsvereine aus Langelsheim und Lutter zu einem zusammen – Folge: eine Stadt mit doppelt so vielen Einwohnern wie die Gemeinde Liebenburg und auch ein Ortsverein, der fast doppelt so groß ist wie der Liebenburger. Dieses Kräfteverhältnis, so leiteten die Langelsheimer ab, sollte sich auch auf der Liste widerspiegeln. Konsequenz: Statt La-Lie-Lu heißt es nun La-Lie-La-La-Lie-La-La... „Wir konnten uns nicht dagegen wehren“, merkte Ortsvereinsvorsitzender Fricke an. Nach dem ersten Platz für Langelsheim und den zweiten für Liebenburg ist zweimal Langelsheim am Zug, ehe wieder Liebenburg auf Platz 5 an der Reihe ist.
Das brachte das ehemalige Kreistagsmitglied Heinz-Dieter Brandt auf die Palme. Er forderte den Ortsverein zum Handeln auf. „Das geht so nicht“, beschwerte er sich – und erinnerte an die allgemeine Solidarität. Und in Richtung Presse rief er: „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“
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Grund für seinen Unmut: Dieser fünfte Listenplatz garantiert alles andere als einen sicheren Einzug in den Kreistag. Für die SPD könnte deshalb nur noch eine Person aus der Gemeinde im Kreistag sitzen. Da aber sowohl Silke Mahn, als auch Dr. Claudia Moog wieder in das Gremium wollen, saßen sie sich im Saal nicht nur direkt gegenüber, sie traten beide in einer Abstimmung gegeneinander an und versuchten in Bewerbungsreden, die Genossen von sich zu überzeugen. Das Ergebnis: Es fiel klar aus. Für die Heißumerin Moog votierten 19, für die Othfresenerin Mahn 5 Stimmberechtigte in geheimer Wahl. Das ist allerdings nur der Vorschlag aus Liebenburg – die Liste aufstellen wird eine Unterbezirksvollversammlung am 11. April in Wolfshagen.
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