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Braucht es einen Schulwegplan?

GZ Plus IconHarzburger Schülerlotsen: Diese Stellen sind für Kinder gefährlich

Seit gut einem Jahr gibt es in Bad Harzburg wieder Schulweghelfer. Sie sind aber zu wenige, um sämtliche Gefahrenstellen abzusichern.

Seit gut einem Jahr gibt es in Bad Harzburg wieder Schulweghelfer. Sie sind aber zu wenige, um sämtliche Gefahrenstellen abzusichern. Foto: Schlegel

Im Schulausschuss hat Bad Harzburgs Elternratsvorstand Marcel Lüers jetzt im Namen der Schülerlotsen auf weitere städtische Gefahrenstellen für Kinder aufmerksam gemacht. In diesem Zusammenhang schlug er das Erstellen eines Schulwegplans vor.

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Von Christoph Exner
Dienstag, 20.05.2025, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Seit nunmehr fast einem Jahr hat Bad Harzburg wieder Schulweghelfer. Freiwillige Lotsen, die in Zusammenarbeit mit Polizei und Verkehrswacht, Stadtelternrat und Stadtjugendförderung die Straßenübergänge vor den Schulen der Stadt ein Stück sicherer machen. Trotzdem gebe es in der Kurstadt noch immer gefährliche Stellen, an denen die Helfer aufgrund ihrer Anzahl nicht im Einsatz sein können und die deshalb umgebaut werden sollten. Diesen Wunsch äußerte während der Sitzung des Schulausschusses in der vergangenen Woche Marcel Lüers, Vorstandsmitglied des Stadtelternrats. Darüber hinaus, so schlug er vor, könnte doch ein Schulwegplan erstellt werden.

Dabei handelt es sich um einen vereinfachten Ortsplan, der Schulkindern und deren Eltern die aktuell sichersten Wege zur Schule zeigt. Mit einer vereinfachten Darstellung von Gefahrenstellen, Zebrastreifen, Ampeln und Fußgängerüberwegen sowie Idealrouten wird im Schulwegplan die gefahrenärmste Wegeführung dargestellt. Die Idealroute zeigt dabei nicht die kürzeste, sondern die sicherste Route zur Schule. Das Erstellen eines solchen Plans könne auch dabei helfen, weitere, womöglich noch unbekannte Gefahrenstellen aufzudecken, ergänzte Lüers Vorstandskollegin Magdalena Stephan.

Eltern in der Pflicht

Die Ausschussmitglieder hielten die Idee prinzipiell für gut, maßen ihr aber keine hohe Priorität bei. Die Idee sei nicht neu und solle auf lange Sicht auch umgesetzt werden, erklärte die Leiterin des städtischen Amts für Personal und Bildungswesen, Silke Reinhold. Gegenwärtig lasse sie sich aber personell nicht stemmen. Der Aufwand sei sehr groß, auch müsse man dafür in Abstimmung mit der Polizei gehen. Aufgrund der ganz unterschiedlichen Schulwege und der individuellen Bring- und Abholsituation brauche es dafür auch die Mitwirkung der Eltern. Auf eine entsprechende Abfrage habe die Stadt jedoch kaum Rückmeldungen erhalten. Und abgesehen davon, so ergänzte Reinholds Kollege Florian Heuer, seien Stadt, Polizei und Verkehrswacht ja die größten Gefahrenstellen auch so schon bekannt.

Kaum jemand kennt noch die Bedeutung von Verkehrszeichen

Marcel Lüers widersprach: „Ich denke nicht, dass es so aufwendig ist, auf einer Karte Schulgrenzen einzuzeichnen und die Gefahrenstellen zu markieren“, sagte er und schlug vor, dies im Zweifel auch selbst zu übernehmen. Abgesehen davon solle ein solcher Plan Eltern auch nicht bevormunden, auf welchen Wegen sie ihre Kinder zur Schule laufen lassen sollen, sondern ihnen lediglich als Orientierungshilfe dienen.

Wichtiger als ein solcher Plan müsste es doch eigentlich sein, Kindern die Gefahrenstellen vor Ort aufzuzeigen, warf Florian Heuer daraufhin in den Raum. Bernd Schilling (CDU) pflichtete dem bei: „Nehmen wir den Kindern nicht die Möglichkeit, sich selbst mal im Straßenverkehr zu bewegen?“, fragte er. Der Nachwuchs, das wisse er aus eigener Erfahrung als Fahrlehrer, kenne heute kaum noch die Bedeutung von Verkehrszeichen und könne sich teils nicht mal mehr im eigenen Wohnort zurechtfinden. Zwar gibt es bereits in der Grundschule Verkehrserziehung, in erster Linie seien aber die Eltern in der Pflicht, die Schulwege mit ihren Kindern abzugehen. Dieser Verantwortung würden heutzutage aber viele nicht mehr nachkommen, ergänzte Bündheims Schulleiterin Susanne Port.

Beim Zählen angefahren

Doch um welche Gefahrenstellen handelt es sich denn, die die Schulweghelfer zusätzlich ausgemacht haben? Vieles sei schon unternommen worden, um die Schulwege Bad Harzburgs baulich sicherer zu machen, erinnerte CDU-Mann Schilling. In der Breiten Straße, die durch Bündheim und Schlewecke führt und in deren Bereich neben der Grundschule Bündheim auch die Oberschule Deilich liegt, sei beispielsweise Tempo 30 eingeführt worden. Und im Rahmen des vom Rat beschlossenen Radwegekonzepts solle auch die Wichernstraße, in der sich bekanntlich die Gerhart-Hauptmann-Schule befindet, zu einer Fahrradstraße werden, so Schilling.

Als besondere Gefahrenstelle haben die Schulweghelfer die Auf- und Abfahrt neben der B4-Brücke in Westerode ausgemacht.

Als besondere Gefahrenstelle haben die Schulweghelfer die Auf- und Abfahrt neben der B4-Brücke in Westerode ausgemacht. Foto: Exner/GZ-Archiv

Besonders gefährlich sind aus Sicht der Schulweghelfer aber momentan vielmehr die Auf- und Abfahrt der Bundesstraße 4 in Westerode. Sie kreuzen den Schulweg und werden täglich von Dutzenden Fahrzeugen benutzt, die oft recht schnell auf sie abbiegen, beziehungsweise von ihr heruntergefahren kommen. Während einer Verkehrszählung sei sie selbst dort sogar bereits angefahren worden, berichtete Elternrätin Magdalena Stephan. Der Wunsch der Schulweghelfer – das ist nicht neu – sind deshalb Querungshilfen.

Die Politik sei an diesem Thema dran, versicherte Schulausschussvorsitzende Stefanie Hertrampf (CDU), die es als Kreistagsmitglied auch mit nach Goslar genommen hatte. Im Kreisausschuss sei das Thema aber jüngst wieder von der Tagesordnung geflogen, weil der Landkreis für die besagte Stelle an der B4 nicht verantwortlich sei, berichtete sie. Übrigens auch die Stadt nicht, die die Idee jedoch befürworte, wie es von ihrer Seite hieß. Für die Schnellstraße samt Abfahrten ist nämlich das Land Niedersachsen zuständig.

Autos versperren die Sicht

Abgesehen davon sei es aufgrund der rechtlichen Gegebenheiten auch nicht so einfach, eine Markierung auf der Fahrbahn aufzubringen. Die Straßenverkehrsordnung sehe solche Markierungen nur an sehr ausgewählten Orten vor, erklärte Verkehrsexperte Schilling. Sinnhaft, so sagte er, wäre an der Stelle eigentlich ein Zebrastreifen. „Alles andere wäre falsch suggerierte Sicherheit.“ Einfach nur ein Warnschild aufzustellen, sei rechtlich wohl auch nicht möglich, hieß es aus dem Ausschuss.
Am Abzweig Schreiberhauer Straße/Reischauerstraße, gegenüber der Bushaltestelle (Hintergrund) wünschen sich die Schulweghelfer ein Haltverbot.

Am Abzweig Schreiberhauer Straße/Reischauerstraße, gegenüber der Bushaltestelle (Hintergrund) wünschen sich die Schulweghelfer ein Haltverbot. Foto: Exner

Zweite Stelle, die laut Lüers Verbesserungspotenzial besitzt: der Abzweig Schreiberhauer Straße/Reischauerstraße, unweit der Gerhart-Hauptmann-Schule. Dort sei die Straßenbeleuchtung extrem dunkel, berichtete er. Ebenfalls in diesem Bereich, gegenüber der Bushaltestelle, sei aus seiner Sicht zudem ein Haltverbot wünschenswert. Für Kinder sei der Verkehr, der aus der Schreiberhauer Straße kommt, nämlich aufgrund parkender Autos nicht einsehbar.

CDU-Mann Schilling gab sich diplomatisch: „Das ist alles richtig, man muss aber auch die Anwohnersituation berücksichtigen“, sagte er. Denkbar sei für ihn an besagter Stelle ein eingeschränktes Haltverbot mit zeitlicher Begrenzung. Das müsste aber natürlich auch erst einmal im zuständigen Ausschuss besprochen und vom städtischen Ordnungsamt geprüft werden, bevor es umgesetzt würde.

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