Bornhäuser Hochwasserschutzprojekt nimmt die nächste Hürde
Nicht immer fließt die Schildau so friedlich durch Bornhausen – ein Hochwasserrückhaltebecken östlich vom Dorf soll Fluten eindämmen. Foto: Gereke
Die Behörde erteilt die Planfeststellung für das Großprojekt Hochwasserrückhaltebecken bei Bornhausen. Ist die Finanzierung gesichert? Und wenn ja: Wann sollen dann die Bagger rollen?
Bornhausen. Das geplante Hochwasserrückhaltebecken bei Bornhausen, über das seit Jahren diskutiert wird und das Fluten der Schildau bändigen soll, nimmt eine weitere Hürde. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat jetzt die Planfeststellung für das Großprojekt erteilt, informiert der Hochwasserschutzverband Innerste.
„Die noch erforderliche Ausführungsplanung kann nun zügig vorangetrieben werden“, wird Evelin Wißmann, Verbandsvorsteherin des Hochwasserschutzverbandes, in einer Pressemitteilung des Verbands zitiert. Weiter geht der Hochwasserschutzverband davon aus, dass mit dem Bau des Rückhaltebeckens spätestens 2026 begonnen werden kann. Somit würde Bornhausen einen Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser erhalten und im weiteren Verlauf auch Rhüden erheblich besser geschützt werden. Derzeit laufe noch die Auslegefrist des Beschlusses, im Anschluss werden die ersten Ausschreibungen auf den Weg gebracht, damit einige Maßnahmen, die laut Beschluss vor dem eigentlichen Beckenbau laufen sollen, schon 2025 umgesetzt werden können. „Dies ist auch ein Zeichen für die betroffenen Anlieger, dass wir bei der Umsetzung keine Zeit verlieren“, so Wißmann weiter in der Pressemitteilung.
Damm: 380 Meter lang und acht Meter hoch
Es ist bereits das zweite Planfeststellungsverfahren für das Großprojekt, das Befürworter, aber auch Gegner hat. „Es gibt ein weiteres Verfahren, weil beim Ersten so viele Einwendungen, Hinweise und Anmerkungen kamen, dass es gestoppt wurde, um die Pläne gründlich zu überarbeiten und ein neues einzuleiten“, hatte Karsten Dolatka, Geschäftsführer des Hochwasserschutzverbands Innerste, dazu vor einiger Zeit im GZ-Gespräch ausgeführt. Die Planungen sehen vor, einen 380 Meter langen Damm inklusive Auslaufbauwerk zu errichten. Der Damm soll sich acht Meter über dem Erdboden erheben und eine sechs Meter breite Krone haben. „Die Schildau liegt an dieser Stelle rund 1,60 Meter unter der Auenoberfläche“, erläutert Dolatka. Das maximale Stauvolumen des Hochwasserrückhaltebeckens würde so 810.000 Kubikmeter Wasser betragen. Die eingestaute Fläche misst knapp 230.000 Quadratmeter.

Die Grafik zeigt die Lage des geplanten Hochwasserrückhaltebeckens östlich von Bornhausen. Foto: GZ
Dass es nach Abschluss des Verfahrens mit dem Bau losgehen kann, hängt auch damit zusammen, dass sich die Finanzierungslücke zu schließen scheint. Das Land Niedersachsen will nämlich das Sondervermögen Hochwasserschutz erhöhen. Das teilte der Hochwasserschutzverband Innerste mit. Umweltminister Christian Meyer habe in einem Schreiben an die betreffenden Landräte und Oberbürgermeister der Landkreise Hildesheim, Goslar und Wolfenbüttel sowie den Städten Hildesheim und Salzgitter die Aufstockung des Sondervermögens um 10,6 Millionen Euro jährlich in Aussicht gestellt, hieß es in einer Pressemitteilung des Hochwasserschutzverbands. Meyer habe in diesem Zusammenhang betont, dass die Realisierung der Hochwasserschutzmaßnahme in Bornhausen für ihn höchste Priorität habe, besonders angesichts der steigenden Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels. Sofern der Haushalt des Landes Niedersachsen entsprechend verabschiedet wird, ist die fehlende Finanzierung für das Becken in Bornhausen in Höhe von 7,5 Millionen Euro also gesichert.
Anfang des Jahres hatte der Hochwasserschutzverband Innerste die Alarmglocke geschlagen und darauf hingewiesen, dass die finanzielle Ausstattung des Sondervermögens nicht ausreiche, um ein Rückhaltebecken bei Bornhausen zu bauen. Dem Hochwasserschutzverband stehen bislang aus dem Sondervermögen Hochwasserschutz 15 Millionen Euro zur Verfügung. Laut Hochrechnungen soll aber alleine das Becken bei Bornhausen 17,9 Millionen Euro kosten. 12 Millionen Euro hatte der Ausbauverband Nette einstmals in seiner Kostenberechnung ermittelt, allerdings basierend auf Baukosten aus dem Jahre 2019. „Diese sind durch Corona und Ukraine-Krieg deutlich gestiegen“, so Dolatka damals. Es entstand die Finanzierungslücke von 7,5 Millionen Euro.
Weiterer Baustein im Schutzsystem
Das geplante Becken bei Bornhausen ist ein weiterer Baustein im Hochwasserschutzsystem an Nette und Innerste. Aktuell weitet der Hochwasserschutzverband die Nette in Rhüden auf, um einen besseren Abfluss von Fluten zu ermöglichen, damit das Wasser nicht in der Ortslage über die Ufer tritt. Die Pläne sehen vor, bis 2025 die Nette innerorts auf einer Länge von etwa 1,4 Kilometern aufzuweiten. Dazu holen Bagger rund 15.000 Kubikmeter Aushub aus dem Bett und den Böschungen des Flusses.

Aktuell weitet der Hochwasserschutzverband Innerste die Nette in Rhüden auf – es ist ein weiterer Baustein im Schutzsystem vor Fluten, das im Vorharz entstehen soll. Foto: Gereke
Dabei wird die Nette allerdings nicht von Uferkante zu Uferkante verbreitert, sondern ihr Profil wird so verändert, dass sich der Abfluss im Hochwasserfall erhöht – von einstmals 16 bis 18,7 Kubikmeter vor Baubeginn auf künftig 23 Kubikmeter pro Sekunde. Die Kosten für die Aufweitung belaufen sich auf rund 4,5 Millionen Euro. Ausbauende wird rund 250 Meter flussabwärts der Landesstraßen-Brücke in Rhüden am alten Bahnhof sein.
Hintergrund: Der Hochwasserschutzverband Innerste ist aus der Hochwasserschutzkooperation Innerste hervorgegangen und wurde im Oktober 2021 formell gegründet. Er setzt sich zusammen aus den Landkreisen Hildesheim, Goslar und Wolfenbüttel sowie den Städten Hildesheim und Salzgitter. Der Verband plant die Errichtung eines großen zusammenhängenden Netzes von neuen Hochwasserrückhaltebecken an Nette und Innerste und hat in diesem Zusammenhang auch die bauliche Ausführung der Nette-Aufweitung in Rhüden sowie des Rückhaltebeckens Bornhausen vom einst zuständigen Ausbauverband Nette übernommen.