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Goslarer Ratswahl am 13. September

GZ Plus IconFrauenpower: Renate Lucksch (SPD) hat noch lange nicht genug

Frau mit lockigem Haar trägt schwarzen Mantel und hält einen Blumenstrauß mit roten Rosen und anderen Blüten vor einem Holzhintergrund und grünen Pflanzen.

Politik und Blumen: Bürgermeisterin Renate Lucksch feiert ihren 64. Geburtstag während einer Ratssitzung. Foto: Roß (Archiv)

Seit 1996 sitzt Renate Lucksch für die SPD im Rat und leitet den Schulausschuss. Die Bürgermeisterin tritt wieder an. Und weiß, was (ihr) an der Politik wichtig ist.

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Von Frank Heine
Donnerstag, 08.01.2026, 09:00 Uhr

Goslar. Ein Goslarer Rat ohne Renate Lucksch? Schwer vorstellbar. Aber zwischendurch schien es doch möglich. Sie habe schon wirklich intensiv überlegt, ob sie am 13. September bei den Ratswahlen erneut antritt, auch und gerade weil ihre Gesundheit ihr zuletzt zu schaffen gemacht habe. „Aber ich fühle mich auf der anderen Seite immer noch zu jung, um jetzt schon aufzuhören“, sagt die Bürgermeisterin, die seit 1996 für die SPD im Rat sitzt und am 15. Februar 68 Jahre alt wird.

Drei Personen sitzen an einem Tisch mit Namensschildern, Tablets und Wasserflaschen, zwei Frauen und ein Mann in formeller Kleidung.

Fragestunde im Schulausschuss (v.l.): Vorsitzende Renate Lucksch, Fachbereichsleiter Sven Busse und Fachdienstleiterin Mara-Lena Macke antworten Grundschülern. Foto: Heine (Archiv)

„Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich etwas zu Ende arbeiten muss“, gewährt sie Einblick in ihre Überlegungen – wohl wissend, dass politische Arbeit eigentlich auch nie endet, weil sich immer wieder neue Aufgaben, Probleme oder Herausforderungen auftun, die es zu lösen gilt. Ihr Leib-, Magen- und Herzensthema ist seit jeher die Bildungspolitik mit Schulen und Kindertagesstätten. Ob es nun Standortwechsel, Schulgrenzen, Hausmeistertätigkeiten oder andere schwierige Felder sind, die in den vergangenen Jahren zu bearbeiten waren: Sie nimmt für sich in Anspruch, Themen aus allen Blickwinkeln zu betrachten und am Ende die beste Lösung für alle Beteiligten herauszufinden und vor allem die Bedürfnisse von Kindern und Eltern nicht aus den Augen zu verlieren.

Sigmar Gabriel schubst an

Schließlich hat sie selbst über die Elternarbeit den Weg in die Politik gefunden. Als es in den 1990er Jahren um den Ausbau der Kindertagesstätte Zum Markte ging, war es der Ratsherr Sigmar Gabriel, der sie als Vorsitzender des zuständigen Ausschusses in dieser Sache geschickt umgarnte. „Er ist ein echter Menschenfänger, der mich immer wieder mit kleinen Aufträgen beschäftigt hat“, schmunzelt Lucksch. Und ihr am Ende vor den Wahlen 1996 ans Herz legte: „Du musst kandidieren.“ Zu diesem Zeitpunkt war sie schon drei Jahre lang Genossin. „In die SPD bin ich eingetreten, als Heidemarie Wieczorek-Zeul für den Bundesvorsitz kandidiert hat“, sagt Lucksch – Frauenpower halt. Die einst erste Juso-Bundesvorsitzende blieb 1993 gegen Rudolf Scharping und Gerhard Schröder in der Urabstimmung ohne Erfolg.

In Goslar startete Lucksch nach der Wahl 1996 durch, erbte von Gabriel sofort den Vorsitz im Schulausschuss. Was nicht nur auf Gegenliebe in der Fraktion stieß, wo seinerzeit machtbewusste Herren das Sagen hatten und die junge Frau anfangs in erster Linie als Störfaktor wahrnahmen.

Immer ganz vorn dabei

Egal. Lucksch, die nach der Kita-Zeit ihrer Kinder auch Elternratsvorsitzende an der Goetheschule war, kniete sich rein, überzeugte durch Elan und Sachkenntnis und behielt den Vorsitz drei Jahrzehnte lang bis heute. Vielleicht noch erwähnenswert, dass sie 14 Jahre lang den MTV Goslar als Präsidentin führte, bevor sie an Nachfolger Jens Müller übergab? Oder als Beisitzerin im Vorstand die Bühnenfrontfrau im Kulturkraftwerk gibt? Dort ist Ehemann Walfried Lucksch oberster Kleinkunstförderer und Bootsliebhaber. Hobbys, die das Paar teilt und mit Leidenschaft lebt.
Frau mit lockigem Haar hält ein Mikrofon in der rechten Hand und ein aufgeschlagenes Programmheft in der linken Hand, trägt ein grünes Oberteil und eine grüne Jacke.

Frontfrau im Kulturkraftwerk: Renate Lucksch hat reichlich Bühnenerfahrung. Foto: Heine (Archiv)

Und Leidenschaft ist es auch, die Lucksch in der Politik antreibt. Als SPD-Bürgermeister Rüdiger Wohltmann seine neue politische Heimat bei den Linken findet und bei der SPD das Handtuch wirft, fällt Lucksch vor zwei Jahrzehnten das Amt zu. Aber damit nicht genug: Renate Lucksch leitet seit 2011 auch im Landkreis den Bildungsausschuss und ist in der zweiten Wahlperiode Vorsitzende des Kreistages. Zwischendurch lockt der Landtag als politisches Ziel, wo sich aber der heutige Landrat Dr. Alexander Saipa parteiintern als Kandidat durchsetzt.

Der allerbeste Fraktionsvorsitzende

Was hat sich seit 1996 in Politik und Fraktion geändert? „Es gibt weniger weiße alte Männer“, sagt Lucksch und will das nicht als Generalkritik verstehen, sondern das Erscheinungsbild beschreiben. Aber es hat sich eben auch einiges in Stil und Form geändert. So bezeichnet Lucksch ihren aktuellen Fraktionsvorsitzenden Martin Mahnkopf als den besten, „den ich in meiner Zeit im Rat erlebt habe“.

DerVienenburgerr sei ein echter Teamspieler, nehme alle anderen mit sowie unterschiedliche Meinungen wahr und ernst. Großes Lob also für einen Mann, deren zwei Vorgänger immerhin aktuell die Verwaltungen in Stadt und Landkreis Goslar führen – große Fußstapfen also. Und eine Spur für später?

„Immer in den Spiegel gucken können“

Im politischen Jetzt geht es aber umLuckschh, die im September 2021 auf Platz fünf der Liste immerhin 723 Stimmen und das sechstbeste SPD-Ergebnis einfuhr. Was muss eine Kommunalpolitikerin im Jahr 2026 mitbringen? „Unerschrockenheit, man darf auf jeden Fall nicht dünnhäutig sein, muss aber auch den Rücken durchdrücken und für seine Überzeugungen einstehen“, antwortetLuckschh spontan. Auch und gerade in einer politischen Landschaft, die schon auf dieser Ebene immer mehr „ausfranst und aufsplittert“. Sie wünsche sich jedenfalls, „dass weniger dogmatische Überlegungen eine Rolle spielen als Entscheidungen in der Sache – und dass weiterhin die Demokratie gewinnt“. Ihr persönliches Kriterium für eine ehrliche und erfolgreiche Arbeit nicht nur in der Politik: „Mir ist es wichtig, morgens immer mit gutem Gewissen in den Spiegel gucken zu können.“ Daran soll sich auch nach 30 Ratsjahren nichts ändern.

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