Wie der Landkreis Goslar die Vorzüge der Region herausstellen will
"Dein Platz zum Leben": So wirbt der Landkreis um "junge Familien und Zuzügler". Foto: Landkreis Goslar
Mit einer Regionalmarketingkampagne will der Landkreis Goslar um „junge Familien und Zuzügler“ werben. Das Motto lautet: „Landkreis Goslar: Dein Platz zum Leben“.
Beim Sommerfest des Landkreises Goslar im August 2025 hatte Landrat Dr. Alexander Saipa auch als Reaktion auf die dauerhaft schlechten Platzierungen der Region im Prognos-Zukunftsatlas ein Regionalmarketing angekündigt. Jetzt ist die Kampagne gestartet, die helfen soll, die Stärken der Region deutlicher herauszustellen.
Prognos-Zukunftsatlas
Landkreis Goslar zählt zu den Regionen mit „hohen Risiken“
Niedrigere Mieten als in den Ballungsräumen und beliebten Metropolen, kurze Wege, keine Staus auf dem Weg zur Arbeit und ein Arbeitsmarkt, der Jobs in vielen Bereichen bietet, das dürften nur einige Vorzüge im Landkreis Goslar sein. Dennoch ist es eine Region, die trotz einer Hochschule und vor allem auch wegen des sehr hohen Altersdurchschnitts ihrer Einwohner als eine mit mäßigen Zukunftsaussichten gilt. Dazu kommt, dass die Einwohnerzahl nicht steigt, sondern kontinuierlich abnimmt.
Nicht verstecken
Landrat Dr. Alexander Saipa wird in einer Mitteilung aus seinem Haus wie folgt zitiert: „Im Vergleich mit vielen anderen Regionen müssen wir uns in puncto Lebensqualität beileibe nicht verstecken.“ Zu den Vorzügen zählt er „ein hervorragendes Schul- und Bildungssystem“ und überdies „eine sehr gute Anbindung an die regionale und überregionale Verkehrswegeinfrastruktur“. Dazu wirbt der Landrat mit „bezahlbaren Lebenshaltungskosten“. Das seien nur „einige der vielen Vorzüge des Landkreises“, mit denen vor allem bei jungen Familien und Arbeitskräften gepunktet werden soll.
Die Zielrichtung ist klar: Der Landkreis will sich als attraktive Region darstellen, damit Menschen, die den Arbeitgeber wechseln wollen oder aus anderen Gründen einen Umzug planen, sich für das Gebiet zwischen Altenau und Vienenburg, für Goslar, Seesen, Bad Harzburg, Langelsheim, Liebenburg oder den Hochschulort Clausthal-Zellerfeld entscheiden.
Für „Homeoffice geeignet“
„Landkreis Goslar: Dein Platz zum Leben“, so lautet der Slogan der Marketingoffensive. Vorigen Freitag startete die Kreisverwaltung ihre Werbekampagne. Auf dem behördeneigenen Instagram-Account ist seither ein Foto mit dem Bäcker der Harzbrot-Genossenschaft zu sehen. „Gute Beschäftigungsmöglichkeiten, auch in Teilzeit“, lautet die nüchterne Botschaft darunter. Wer sich die weiteren Fotos anschaut, erfährt, dass der Landkreis „durch produzierendes Gewerbe“ und „die verarbeitende Industrie“ geprägt ist, es viele offene Stellen gibt, darunter Teilzeitstellen, dass der „Breitbandausbau voranschreitet“ und dass die Region für „Homeoffice geeignet“ ist.
55 mal wurde der Post mit dem Harzbrot-Bäcker von Freitag bis Montagnachmittag mit einem „gefällt mir“ markiert – und bis dahin von 9800 Menschen aufgerufen, wie Landkreis-Pressesprecher Maximilian Strache hinzufügt.
Geworben wird auf den behördeneigenen Instagram- und Facebookseiten. Hinzu kommen sollen Anzeigen in sozialen Medien und Videos. Gedreht wurde beispielsweise im Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld, um Start-ups vorzustellen, berichtet Strache weiter. Daneben sollen Unternehmer und andere Einwohner zu Wort kommen, um zu erklären, warum sie gerne im Landkreis Goslar leben.
Der Landkreis will die Kampagne mit Partnern weiterführen und sich dafür mit den Kommunen und Marketinggesellschaften, der regionalen Wirtschaftsförderung und dem Tourismusverband „abstimmen und austauschen“, heißt es in der Mitteilung.
Begründet wird die hauseigene Werbeoffensive auch damit, dass der Landkreis aus dem gemeinsamen Regionalmarketing mit der Projektgemeinschaft „Allianz für die Region“ ausgestiegen ist. An ihr hatte es aus der Politik immer wieder Kritik gegeben, weil der Nutzen der Mitgliedschaft nicht oder zu wenig erkennbar war.
Für den eigenen Weg ist Ausdauer erforderlich. Saipa sagt, die Strategie müsse langfristig verfolgt werden. „Und am Ende werden Bilderposts und Videos nicht ausreichen, um die Menschen von einem Leben in unserem Landkreis zu überzeugen.“ Stetig müsse daran gearbeitet werden, „dass die Rahmenbedingungen stimmen, die Lebens- und Arbeitsqualität hochbleibt“. Zudem müssten Anreize geschaffen werden, um Menschen für uns als neue Einwohnerinnen und Einwohner zu gewinnen“.
GZ-Magazin „Wirtschaft im Harz“
Prognos sieht im Harz trotz Strukturschwächen großes Potenzial
Saipa spricht ein wichtiges Thema an, wenn er feststellt, dass Videos und Fotos, die für die Region werben, am Ende nicht ausreichen, damit die Region ihre Chancen nutzt. Experten sind sich einig, dass beispielsweise viel davon abhängt, dass Unternehmen ausreichend viele und qualifizierte Arbeitskräfte bekommen.
Was Experten raten
Die Prognos-Experten Dr. Olaf Arndt und Jan Lukas Röbke haben im Mai 2025 im GZ-Magazin „Wirtschaft im Harz“ betont, es komme darauf an, „die Passfähigkeit zwischen den Bedarfen der Unternehmen und Kompetenzen der Arbeitskräfte zu verbessern“. Mittelfristig führe kein Weg daran vorbei, „Fachkräfte aus anderen Regionen und dem Ausland anzuwerben“. Dabei sei es wichtig, „abgestimmt und zielgerichtet“ vorzugehen. Überdies müsse die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen weiter gestärkt werden. Überdies empfehlen sie Beratungsangebote, um Unternehmen in ihren Transformationsprozessen zu begleiten.
Magazin „Wirtschaft im Harz“
Wie Ökonomie-Professor Jens Südekum auf seine Heimat blickt
Eine ähnliche Empfehlung gab, ebenfalls in „Wirtschaft im Harz“, im September 2024 der aus Goslar stammende Düsseldorfer Ökonomie-Professor Jens Südekum ab. Den Fachkräftemangel diagnostizierte er als wachsendes Problem. „Der Schlüssel liegt bei den Arbeitskräften aus dem Ausland“, schrieb er und riet beispielsweise zu einem „Willkommenszentrum“ und schnelleren Arbeitsgenehmigungen. Außerdem komme es darauf an, „Ansiedlungserfolge“ von Betrieben zu erzielen.
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