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Gesundheitsgefahren

GZ Plus IconRadon im Harz: Unsichtbare Gefahr für die Gesundheit

Auf einem Plakat steht das Wort Radon.

Radon ist ein radiaktives Edelgas – auch Teile des Harzes sind ein Risikogebiet. Foto: picture alliance/dpa

Teiles des Harzes gelten als Radon-Risikogebiet. Was hat das Vorkommen des radioaktiven Edelgases für Auswirkungen auf das Leben im und am Mittelgebirge?

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Von Andreas Gereke
Donnerstag, 05.02.2026, 07:00 Uhr

Harz. Uran und Radon im Harz – ist es nur spannende Geologie oder ein ernsthaftes Gesundheitsproblem? Unter dieser Überschrift referierte Dr. Friedhart Knolle auf Einladung des Biochemischen Vereins Bergstadt Lautenthal im Langelsheimer VfR-Clubheim. Seine Botschaft war unmissverständlich.

Teilweise ungewöhnlich hohe Radonwerte im Harz sorgten in der Vergangenheit für Schlagzeilen – auch in der GZ. „Das löste ein vermehrtes Interesse an den Themen Uran und Radioaktivität im Harz aus. Denn tatsächlich hat man einst im Harz nach Uran gesucht. Selbst im Rammelsberger Erz sind Spuren von Uran vorhanden und ein Gestein – der Kupferschiefer – weist eine vergleichsweise hohe Radioaktivität auf“, informierte Knolle. Der Grund, warum im Ostharzvorland einige Stollenabläufe und Grundwasser stark mit Uran belastet seien – teilweise um eine Zehnerpotenz höher als es die Trinkwasserverordnung erlauben würde. „Und auch der Brockengranit hat eine leicht erhöhte Radioaktivität gegenüber anderen Gesteinen“, fügte er an. „Im Harz gibt es teilweise eine genauso hohe Radonbelastung wie im Erzgebirge, dass einst zu DDR-Zeiten für den Uranabbau der Wismut bekannt war.“ Und auch im östlichen Bereich des hiesigen Mittelgebirges suchte beispielsweise die Wismut in den 1950er, 1960er und bis Anfang der 1970er Jahre nach Uranlagerstätten. Die Prospektion ergab jedoch, dass sich ein Abbau nicht lohnen würde.

Ein Bergmann steht unter Tage in einem Grubenbau.

Steiger Jörg Neubert steht unter Tage im Wismut-Bergwerk in einem unsanierten Grubenbau. Das gesamte Grubenfeld unter Tage muss systematisch durchlüftet werden. Andernfalls würde in der Region unkontrolliert radioaktives Radon austreten. Foto: picture alliance/dpa

„Radon ist ein radioaktives Erdgas, das sich im Boden anreichert und aus der Erde austritt – es hat der liebe Gott oder die Geologie selbst gemacht“, erklärte Knolle den Interessierten. Es ist ein Zerfallsprodukt vom Uran – das Endprodukt des Uran-Zerfalls ist übrigens Blei. Das Problem: Auch in Wohngebäuden kann sich das radioaktive Gas anreichern. „Jeder geologische Körper hat Klüfte, aus denen das Edelgas austreten kann – und Gase haben einen spitzen Kopf, die kommen auch durch Beton hindurch. Und einen Meter unter der Erdoberfläche beginnt schließlich das Unbekannte“, verbildlichte Knolle.

Besondere Maßnahmen zum radonsicheren Bauen

Folge: In hochbelasteten Gebieten sind besondere Maßnahmen zum radonsicheren Bauen zu beachten. Hierzu gehört auch der Harz und hier speziell die Region Langelsheim – Goslar – Bad Harzburg – Mansfelder Land und Teile des Südharzes. Niedersachsen habe beispielsweise die Kommunen Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und Goslar zu Radon-Vorsorgegebieten erklärt. „Das hat Auswirkungen beispielsweise auf das Baugeschehen und auf die Pflichten zum verstärkten Radon-Messen“, so Knolle. Konkret nenne der Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auch andere belastete Kommunen, zum Beispiel Bad Harzburg und im Landkreis Göttingen die Städte und Gemeinden Osterode am Harz, Herzberg am Harz, Hattorf am Harz oder Duderstadt.

Die Gefahr: „Das Gas ist instabil und strahlt bei seinem Zerfall unter anderem die sehr gefährlichen Alphastrahlen ab. Radon verursacht etwa die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland“, sagte Knolle. Das Einatmen zähle nach dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken, zitierte er das Bundesamt für Strahlenschutz. „Hier am und im Harz sind Menschen starke Raucher, die wissen es gar nicht“, verdeutlichte er Auswirkungen der Radon-Belastung. Bergleute unter Tage würden besonders viel Radon einatmen und hätten deshalb auch ein deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

Gasansammlungen in Kellerräumen

Radon ist schwerer als Luft, weshalb es in Gefährdungsgebieten, zu denen er den Harz zählt, vor allem in Kellerräumen zu Gasansammlungen kommen könne. Mit dem Strahlenschutzgesetz von 2017 seien erstmals klare Maßnahmen zur Radonminderung eingeführt worden. So werde unter anderem ein Referenzwert zur Bewertung der Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen festgelegt. Dieser sollte nicht über- und wenn möglich nach dem Minimierungsgrundsatz des Strahlenschutzes unterschritten werden, so Knolle. Der WHO-Richtwert liege bei 100 Bequerel pro Kubikmeter Luft – der EU-Referenzwert bei 300 pro Kubikmeter. Laut BfS ist das Becquerel die Maßeinheit der „Aktivität“ eines radioaktiven Stoffes und gibt an, wie viele Kernzerfälle pro Sekunde stattfinden.

Aber: Die Radonkonzentration in Gebäuden ist nicht nur abhängig von der Geologie des Untergrunds, sondern auch vom Verhalten der Bewohner zum Beispiel durch unzureichendes Lüften. Daher sollen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um den Zutritt von Radon in Innenräume zu vermeiden oder zumindest zu erschweren. Grundsätzlich empfiehlt Knolle in Risikogebieten Messungen, um zu überprüfen, ob es tatsächlich zu Radonansammlungen in Keller- oder Erdgeschoss kommt. Anschließend könne mit Spezialisten vor Ort die Ursache individuell eingedämmt werden und Maßnahmen zum radonsicheren Bauen initiiert werden. Dazu zählen das Abdichten von Leitungsdurchführungen, der Einbau von Kunststofffolien, Beschichtungen und Bitumenbahnen im Fundamentbereich sowie der Einbau einer Abschlusstür zum Keller.

Ein Bergmann mit Kopflampe steht in einem Stollen.

Steiger Jörg Neubert steht unter Tage auf der Markus-Semmler-Sohle des Wismut-Bergwerks im Erzgebirge. 50 Meter unter Tage sanieren die Bergleute der bundeseigenen Wismut die Hinterlassenschaften des Uranbergbaus. Foto: picture alliance/dpa

In diesem Zusammenhang verwies Knolle auf eine Ewigkeitslast, auf Mansfelder Schlackesteine aus dem Kupferschieferbergbau, die sich vielfach im alten Stadtbildern fanden. Laut Knolle hätten sie zwar einen kulturhistorischen Bezug, sie sollten aber wegen ihres Giftes nicht mehr als Straßenbeläge dienen. „Der Abrieb durch die Straßennutzung und allgemeine Erosion setzt kontinuierlich Giftstoffe frei – unter anderem Schwermetalle wie Blei.“

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