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Polyphon-Wechselautomat

GZ Plus IconExtrem selten: Harzburger erwerben den Vorläufer der Jukebox

Sven Bartsch zeigt den Polyphon-Wechselautomaten. Es handelt sich um eine Variante, die einst für den Gebrauch in Gaststätten gebaut worden ist.

Sven Bartsch zeigt den Polyphon-Wechselautomaten. Es handelt sich um eine Variante, die einst für den Gebrauch in Gaststätten gebaut worden ist. Foto: Exner

Bei der Weltausstellung 1889 galt er als technische Sensation, jetzt steht er in Bad Harzburg: Mit etwas Glück haben die Betreiber des Gründerzeitmuseums jetzt einen Polyphon-Wechselautomaten beschaffen können. Die GZ hat ihn sich angeschaut.

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Von Christoph Exner
Montag, 24.03.2025, 19:45 Uhr

Bad Harzburg. Als die in Wahren bei Leipzig gegründete Firma Polyphon bei der Pariser Weltausstellung 1889 ihren Wechselautomaten präsentierte, war das eine Sensation. Mit jenem Gerät konnte man sich nämlich aus zehn Platten je einen Musiktitel aussuchen – es handelte sich damit um einen frühen Vorläufer der späteren Jukebox. Damals ein Novum. Heute gibt es von den Wechselautomaten dieser Bauart deutschlandweit nur noch eine Hand voll, die auch funktionieren. Einer steht seit Kurzem beim Ehepaar Bartsch im Bad Harzburger Gründerzeitmuseum, der Villa Charlotte in der Rudolf-Huch-Straße.

Die Funktionsweise des Wechselautomaten ähnelt der einer Spieluhr. Abgespielt werden sogenannte Lochplatten aus Metall. Auf ihnen sind längliche Löcher eingestanzt, die auf der Unterseite kleine Haken bilden. Diese Haken drehen ihrerseits an mit Zähnen versehenen Rädchen, die Metalllamellen am sogenannten Stimmkamm anreißen, und so einen Ton erzeugen.

Verschiedene Varianten

Lochplattenspieler gab es in der Gründerzeit viele. Sie waren schon damals Katalogware. Ebenso wie die Platten, die je nach Abspielgerät verschiedene Größen hatten und auf denen meist in drei verschiedenen Sprachen der jeweilige Musiktitel geschrieben stand. Es kam nämlich durchaus vor, dass jemand, der beispielsweise in Südamerika eine Bar betrieb, sich aus Deutschland eine Platte liefern ließ. Bis dato konnte allerdings immer nur eine einzige Platte abgespielt werden, die anschließend per Hand getauscht werden musste. Das änderte sich, als die Firma Polyphon den Wechselautomaten auf den Markt brachte.

Den gab es sowohl für den heimischen als auch für den gewerblichen Gebrauch zu kaufen. Es gab kleinere Varianten und größere, in die zusätzlich beispielsweise noch Xylophone oder Zittern eingebaut wurden, um auf diese Weise noch mehr Klangvariationen zu schaffen. Die Betreiber des Bad Harzburger Gründerzeitmuseums, die zuvor schon einen Einzel-Lochplattenspieler besaßen, haben eines der größeren, gewerblichen Modelle für sich gewinnen können.
Lochplattenspieler gab es auch vor 1889 viele. Nur konnten die immer nur eine einzelne Platte abspielen. Ein solches Gerät besitzen die Bartschs ebenfalls.

Lochplattenspieler gab es auch vor 1889 viele. Nur konnten die immer nur eine einzelne Platte abspielen. Ein solches Gerät besitzen die Bartschs ebenfalls. Foto: Exner

So viel wie ein Kleinwagen

Es stamme aus einer Haushaltsauflösung in Ostdeutschland, berichtet Sven Bartsch. Die Enkelin des Vorbesitzers sei in der Villa Charlotte zu Gast gewesen, habe den Lochplattenspieler der Bartschs gesehen und ihnen daraufhin vom Wechselautomaten berichtet. Schon als Kind habe sie zusammen mit ihrem Großvater damit Musik gehört. Der war seines Zeichens Uhrmacher, konnte den Automaten also über die Jahre hinweg gut instand halten.

Gehandelt würden die wenigen Wechselautomaten, die es heute noch gibt, mit Preisen, die man normalerweise für einen Kleinwagen hinlegen würde, ordnet Bartsch ein. Die Bad Harzburger hätten jedoch Glück gehabt und das Gerät deutlich günstiger bekommen.

Ebenso verfügen die Museumsbetreiber über eine Sammlung an größeren und kleineren Lochplatten. Zumindest die größeren, für den Wechselautomaten, würden heute aber nicht mehr hergestellt, sagt Sven Bartsch. Er und sein Mann Michael seien noch auf der Suche nach Platten, die Weihnachtslieder erklingen lassen.
Die Lochplatten hatten je nach Gerät unterschiedliche Größen. Welcher Musiktitel mit ihnen abgespielt werden konnte, stand drauf, in der Regel in verschiedenen Sprachen.

Die Lochplatten hatten je nach Gerät unterschiedliche Größen. Welcher Musiktitel mit ihnen abgespielt werden konnte, stand drauf, in der Regel in verschiedenen Sprachen. Foto: Exner

Präsentation bei Speis und Trank

Wer fünf Pfennig in den Wechselautomaten der Bartschs einwirft, der kann sich einen von zehn Musiktiteln aussuchen. Mithilfe einer Kurbel muss das Federwerk aufgezogen werden, dann platziert das Gerät ganz automatisch die passende Lochplatte und beginnt, sie abzuspielen. Beim Wechselautomaten handelt es sich um ein rein mechanisches Gerät, Elektronik wurde bei seiner Konstruktion noch keine verbaut. Die recht hohe Lautstärke der abgespielten Musik lässt sich deshalb zwar nicht regulieren, dafür klingen die Töne aber auch heute noch genauso klar wie vor 130 Jahren.

Einen Eindruck davon verschaffen können sich Interessierte am Samstag und Sonntag, 5. und 6. April. Im Rahmen eines musikalisch-kulinarischen Musiksalons in der Villa Charlotte soll das Gerät nämlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Weitere Informationen dazu gibt es unter der Telefonnummer 0160/91074053.

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