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Goslarer Ratswahl am 13. September

GZ Plus IconHerr des Goslarer Geldes: Dr. Pascal Bothe (CDU) mag Zahlenarbeit

Mann in hellblauem Hemd sitzt auf grauem Sofa vor einem großen, gerahmten Poster mit der Aufschrift 'GOSLAR' und verschiedenen bunten Zeichnungen.

Goslar verbunden: Der Sudmerberger Dr. Pascal Bothe ist erst 32 Jahre alt und fast schon sein halbes Leben lang für die CDU im Rat. Foto: Heine

Er sitzt fast schon sein halbes Leben lang im Goslarer Rat. Dabei ist Dr. Pascal Bothe (CDU) erst 32 Jahre alt – und schaut bei Stadt und Landkreis auf die Finanzen.

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Von Frank Heine
Freitag, 09.01.2026, 07:00 Uhr
Der Mann ist erst 32 Jahre alt, verfügt aber schon über kommunalpolitische Erfahrung von fast anderthalb Jahrzehnten im Goslarer Rat. Als Christdemokrat Pascal Bothe mit seinen 18 Lenzen im November 2011 als jüngster Ratsherr aller Zeiten erstmals ein Mandat antrat, sollte er seinen Junior-Status im Gremium zehn Jahre lang halten, bis ihn der fraktionslose Schüler Niklas Prause beerbte – übrigens Ratsgymnasiast wie Bothe. Seit 2021 mischt der Sudmerberger auch im Kreistag mit – und ist als Vorsitzender der beiden Fachausschüsse quasi der Herr über die Finanzen in Stadt und Landkreis Goslar.

„Vielleicht würde sich mein ehemaliger Mathe-Lehrer wundern, aber ich mag die Arbeit mit Zahlen ganz gerne“, sagt er mit einem gewinnenden Lächeln. Klar sei das ein trockenes Thema und sicher nicht gerade sexy. „Aber man kann auf diesem Gebiet unheimlich viel gestalten“, sagt Bothe. Weil dort einfach der Blick aufs große Ganze gefragt sei. Und sowohl im Landkreis als auch in der Stadt gelte der Spruch: „Ohne Moos nix los.“

Viel Humor und ein dickes Fell

Schon jetzt lässt sich erahnen: Bothe zählt Humor zu den Eigenschaften, die ein Kommunalpolitiker im Gepäck haben sollte. In der Sache hart streiten, aber auch nicht alles bierernst oder gar persönlich nehmen – mit diesem Kurs fahre er gut, versichert der Goslarer Fraktionsvize. Kreativität wäre zudem auch nicht schlecht. Ein „dickes Fell“ sollte ein Politiker im Jahr 2026 aber auf jeden Fall haben. Seit 2011 habe sich nämlich viel verändert. „Politik ist deutlich schärfer in der Ansprache geworden“, beobachtet Bothe. Was zur Folge hatte, dass er sich schon vor zwei Jahren „fast ganz aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen“ habe. „Es kann sein, dass ich so vielleicht etwas verpasse“, räumt er ein. Aber er müsse auch nicht alles an sich heranlassen – die echte Politik-Welt ist eben doch eine andere.
Zwei Männer unterhalten sich, einer ist Schornsteinfeger, trägt einen Zylinderhut und gibt ein Daumen-hoch-Zeichen, vor ihnen ein großer Korb mit kleinen Fläschchen

Daumen hoch: CDU-Ratsherr Dr. Pascal Bothe nimmt beim Neujahrsempfang der Stadt Goslar gern das Schornsteinfeger-Glück mit. Foto: Epping

In die trat Bothe mit Elan und Plan noch viel früher als in den Rat ein. Mit 14 Jahren mischte er in der Schüler-Union und nach dem Abitur in der Jungen Union mit. Mit 16 Jahren war er CDU-Mitglied. Goslarer Jugendparlament, sachverständiger Bürger im Schulausschuss, dazu noch Schülersprecher – Bothe scheute nie und nirgends Verantwortung. Und weil er zwischen Abitur und Studienbeginn „viel Zeit für den Wahlkampf“ gehabt habe, klappte es auch ruckzuck mit dem Rat – nach vielen Hausbesuchen und unter anderem mit der Parole „Sudmerberger wählen Sudmerberger“. Aber eben nicht nur die: Mit 1188 Stimmen war er hinter Fraktionschef Norbert Schecke (2076) bei der vergangenen Ratswahl 2021 auf Platz zwei der christdemokratischen Kandidaten, von denen ansonsten niemand ein vierstelliges Ergebnis einfuhr.
Zwei Männer in Anzügen sitzen an einem Tisch mit Dokumenten, einer schreibt mit einem Stift, der andere lehnt sich mit einer Hand auf den Tisch.

„Schwarze aus Steinzeit und Moderne“ titelt die GZ, als sie 2011 über Jung und Alt in der CDU-Ratsfraktion berichtet: Uwe Schwenke de Wall senior und Pascal Bothe trennen 54 Jahre. Foto: Schenk

54 Jahre zwischen alt und jung

Wieder zurück auf den Anfang: Als Bothe sein Ratsdebüt gab, leitete übrigens Uwe Schwenke de Wall senior die Sitzung als Alterspräsident – damals 72 Jahre alt. 54 Jahre lagen zwischen den beiden „Schwarzen aus Steinzeit und Moderne“, wie der frühere GZ-Redakteur Heinz-Georg Breuer in einer launigen Geschichte über das Duo titelte. Wer saß dort nicht noch alles an politischen Schwergewichten in der Fraktion? Carlos Mateo, Armin Kalbe, Dr. Frank Schober – „ich habe unheimlich viel gelernt, aber zuerst auch eine Rolle zugewiesen bekommen“, erinnert sich Bothe. „Wie alt bist du? 18? Dann kannst du Schule, Kitas und Bildung machen“, verkürzt Bothe die Story schmunzelnd, was vor 15 Jahren geschah. Und jetzt? Gehört er selbst zu denjenigen, die wissen, wie die Dinge laufen. „Man kennt die Prozesse, weiß, wer die richtigen Ansprechpartner sind“, sagt Bothe. Kurzum: „Die Dinge flutschen besser.“ Wie lange noch? Nicht nur politische Mitbewerber hatten wahrgenommen, dass Bothe zuletzt nicht mehr gar so präsent in Goslar war und sogar bei Ratssitzungen fehlte. Was aber definitiv nichts mit Desinteresse oder fehlendem Engagement zu tun hatte. Bothe macht auch beruflich Karriere, arbeitet bei Nordzucker in der Rechtsabteilung und ist in Projekte eingebunden, die ihn „auch mal ins Ausland führen – da hat mancher Tag mehr als 24 Stunden“, philosophiert Bothe. Und legt gleich frisch und munter nach: „So leicht komme ich hier aber auch nicht weg.“ In Sudmerberg hat er ein Haus gebaut, in dem er mit seiner langjährigen Partnerin lebt. Seine Heimat ist ihm wichtig, Goslar fühlt er sich verbunden.
Frau mit hochgestecktem Haar und kariertem Blazer setzt einem jungen Mann in blauem Sakko einen schwarzen Doktorhut auf.

Bothe hat den Hut auf: Im November 2022 gratuliert Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner (CDU) zum Doktor-Titel. Foto: Heine

Der im Rat den Hut aufhat

Und er möchte auch die Politik nicht missen. Bothe steht hier für einen „gesunden Pragmatismus“ und will Lösungen konkret am Problem erarbeiten – ohne in fundamentalpolitische Diskussionen auszuarten oder ständig einen fundamentaloppositionellen Hammer herauszuholen. „Da können Politik und Verwaltung sicherlich noch eine Schippe drauflegen“, ist er überzeugt. Dass ein solches herzliches Miteinander über Parteigrenzen hinweg und zwischen Behörde und Rat möglich ist, mag eine Szene belegen. Als Bothe im Sommer 2022 seine Promotion in der Tasche und (s)einen Doktor als Titel hatte, stattete ihn die sozialdemokratische Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner zu Beginn der November-Ratsitzung mit dem entsprechenden Kopfschmuck aus. Fünf Jahre lang hatte sich der Christdemokrat neben Job und Politik mit seinen Studien befasst und auf mehr als 400 Seiten die Wechselwirkungen von Nachrichten auf sozialen Netzwerken und Börsenkursen untersucht. Mit Erfolg – und spätestens an diesem Tag war klar, wer im Rat den Hut aufhat.

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